Skizze Zeitkapsel

Trend zum Hausbau: Zeitkapsel statt Grundsteinlegung

Lesezeit: 4 Minuten

Rund um den Hausbau gibt es zahlreiche Bräuche und Traditionen. Ein Brauch bekommt nun ein neues Gesicht: aus der Grundsteinlegung wird das „Zeitkapselvergraben“. Welche Materialien sich für die Kapsel eignen und was in sie hineinkommt, hat unsere Redakteurin Carolin recherchiert.

Ein Hausbau ist für viele die wohl größte finanzielle Investition ihres Lebens. Da soll natürlich alles glatt bei laufen. Um das Universum auf seiner Seite zu wissen, haben sich über Jahrhunderte Traditionen und Bräuche rund um den Hausbau entwickelt. Am bekanntesten ist wohl das Richtfest zur Mitte der Bauzeit samt Richtkrone, Richtspruch und Nageleinschlag in einen Dachbalken.

Zu Beginn des Hausbaus gibt es auch eine Tradition, die gerade einen frischen Anstrich bekommt: die Grundsteinlegung oder der Spartenstich. Bei der Grundsteinlegung wird ursprünglicher Weise ein hohler Stein mit Erinnerungen und Glücksbringern befüllt und in das Haus eingemauert. Immer häufiger wird aus dem Grundstein nun eine Zeitkapsel. Damit die Bauherren nach Jahren oder Jahrzehnten wieder an ihre Kapsel kommen, wird sie in der Regel nicht mehr eingemauert, sondern auf dem Grundstück vergraben. Doch woraus sollte die Zeitkapsel zum Hausbau bestehen und was kommt hinein? Das klären wir hier.

Das Material der Zeitkapsel: Holz, Metall oder doch Plastik?

Soll die Zeitkapsel zum Hausbau also in der Erde vergraben werden, richtet sich das Material der Kapsel unter anderem danach, wie lange sie vergraben bleiben soll. Das richtige Material schützt nicht nur den Inhalt der Zeitkapsel, sondern konserviert ihn unter Umständen für die Ewigkeit.

Zeitkapsel aus Holz: auf den Pfaden von Sir Henry Morgan

Eine Zeitkapsel zum Hausbau ist an sich schon eine Art kleiner Schatz, der Erinnerungen und vielleicht auch den einen oder anderen Euro enthält. Ein Schatzkiste ist typischerweise aus Holz, ganz klar. Doch vermutlich suchen Schatzsucher deshalb seit Jahrhunderten vergeblich nach den vergrabenen Hinterlassenschaften berühmter Piraten, weil Holzkisten nicht sonderlich beständig sind.

Je nachdem, wie das Holz behandelt wurde, eignet sich eine Zeitkapsel aus Holz dafür, Erinnerungen für 5 bis 10 Jahre zu erhalten. Danach wird die Zeitkapsel aus Holz mit ihrem Inhalt vermutlich in der Erde verrotten. Die Feuchtigkeit der Erde in unseren Breitengraden ist ihr größter Feind.

Eine Zeitkapsel aus Holz ist kostengünstig, da hierfür jede Kiste aus Holz verwendet werden kann. Ab zehn Euro seid ihr bei einer Zeitkapsel aus Holz dabei.

Zeitkapsel aus Metall: lang lebe die Erinnerung

Wesentlich langlebiger als Holz ist eine Zeitkapsel aus Metall. Dennoch ist auch sie meistens nichts für die Ewigkeit. Metall, ja selbst Edelstahl, kann verrosten, wenn es in der Erde vergraben wird. Der PH-Wert und die Feuchtigkeit des Bodens haben Einfluss auf die Beständigkeit von Zeitkapseln aus Metall.

Je nach Art des Metalls und Dicke der Wände hält eine Zeitkapsel aus Metall aber locker zwischen 15 und 50 Jahre in der Erde durch. Für Zeitkapseln, die Bauherren wieder ausgraben wollen, ist das vermutlich eine gute und glänzende Lösung mit abgespacetem Star-Trek-Charakter. Ab 30 Euro für das günstigste Edelstahl-Modell ist sie erschwinglich zu haben. Achtet darauf, dass die Öffnung bestenfalls durch Gummidichtungen gut und vor allem wasserdicht verschlossen werden kann.

Zeitkapsel aus Plastik: das Armageddon kann kommen

Nahezu unverrottbar ist hingegen die Zeitkapsel aus Plastik. Vermutlich überlebt diese Kapsel die erste und sogar zweite Zombieapokalypse, vor der wir in Filmen und Serien gewarnt werden. Sind die Öffnungen der Zeitkapsel aus Plastik gut abgedichtet, hält sie ewig. Lediglich die Beschriftung oder der Druck werden sich mit der Zeit lösen.

Witterungsbeständige Outdoor-Boxen, gern auch aus dem militärischen Bereich, aus Kunststoff gibt es online schon für weniger als 10 Euro zu kaufen. Der Großteil kostet aber zwischen 20 und 30 Euro. Für Selbstmacher bieten sich PVC-Rohre aus dem Baumarkt an. Diese kosten nur wenige Euro und es gibt vor Ort gleich sämtliche Dichtungen und Verschlüsse passend zum Rohr.

Der Inhalt: Was packe ich in eine Zeitkapsel zum Hausbau?

Auch beim Inhalt der Zeitkapsel zum Hausbau sollte man Wert auf beständige Materialien legen. Dass beispielsweise Nahrungsmittel nichts in der Zeitkapsel beim Hausbau verloren haben, versteht sich von selbst. Ansonsten sind euren Vorstellungen hier keine Grenzen gesetzt. Folgende Inhalte sind typischer Weise in einer Zeitkapsel enthalten:

  • eine Tagungszeitung vom Tag der Vergrabung in der Zeitkapsel
  • Fotos von den Bauherren und / oder vom unbebauten Grundstück
  • ein bisschen Kleingeld, um das Universum um Schutz vor finanziellen Sorgen zu bitten
  • persönliche Gegenstände und Glücksbringer
  • ein Brief an das „zukünftige Ich“

Beim Brief in der Zeitkapsel ist nicht nur der Text, sondern vor allem auch das Papier wichtig. Einige Sorten Papier zersetzen sich. Recycling Papier und Druckertinte zersetzen sich zum Beispiel, oder verblassen nach nur wenigen Monaten oder Jahren. Besser geeignet ist ein Text aus Kugelschreiber Tinte auf holz- und säurefreiem Papier.

Skizze Zeitkapsel
Infografik zur Zeitkapsel: das kann rein.

Der Text für den Brief in der Zeitkapsel

Ja, der „Brief an sein zukünftiges Ich“ ist ohnehin so eine Sache. Was soll man sich selbst denn sagen? Üblicherweise beschreibt man in diesem Zeitkapsel Text die aktuelle Situation; die Sorgen oder Hoffnungen, die man rund um den Hausbau hat. Auch Wünsche, die man für sich selbst an die Zukunft hat, können in dem Text für die Zeitkapsel formuliert werden.

Wenn ich in mittelferner Zukunft ein Haus bauen und eine Zeitkapsel vergraben sollte, würde der Einstieg in meinen Zeitkapsel Text in etwa so lauten:

„Hallo Carolin,

vermutlich sitzt du gerade zufrieden in deinem Schaukelstuhl auf der Veranda und hast es dir mit einem Gläschen Weißwein gemütlich gemacht. Mensch, du siehst ja immer noch wirklich fantastisch aus. Was hast du nicht alles in den vergangenen 35 Jahren erlebt?! Die Kinder sind (hoffentlich) aus dem Haus und A. und du genießt euren Ruhestand in eurem gemütlichen Häuschen. Kannst du dich noch an den Baubeginn erinnern? Was war das für ein Behörden-Hickhack […].“

Und all das werde ich natürlich mit einem Kugelschreiber auf holz- und säurefreiem Papier niederschreiben.


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