Sollzinsbindung: Welche Zinsbindung passt zu Ihrer Baufinanzierung?
- Der Sollzins bleibt während der vereinbarten Zinsbindung unverändert und schützt vor steigenden Bauzinsen.
- Eine längere Sollzinsbindung bietet mehr Planungssicherheit, eine kürzere Laufzeit häufig mehr Flexibilität.
- Die passende Sollzinsbindung hängt von Faktoren wie Tilgung, Restschuld, Sicherheitsbedürfnis und Lebensplanung ab.
- Für eine längere Zinsbindung fällt ein Zinsaufschlag an, der sich aber amortisiert, sobald das Zinsniveau wieder ansteigt.
- Nach 10 Jahren können Sie Ihr Darlehen nach § 489 BGB mit einer Frist von 6 Monaten kündigen.
- Was bedeutet Sollzinsbindung?
- Welche Znsbindung passt zum Vorhaben?
- Welche Sollzinsbindung passt zu mir?
- Warum ist die Sollzinsbindung wichtig?
- Welche Zinsbindungen sind möglich?
- Welche Zinsbindung ist aktuell sinnvoll?
- Wann ist eine kurze oder lange Zinsbindung sinnvoll?
- Rechner: Sollzinsbindung, Zinsen, Rate
- Was sind die Vor- und Nachteile kurzer Zinsbindungen?
- Was sind die Vor- und Nachteile langer Zinsbindungen?
- Beispielrechnung 10 vs. 20 Jahre
- Kann ich eine festgeschriebene Sollzinsbindung wieder kündigen?
Was bedeutet Sollzinsbindung?
Die Sollzinsbindung legt fest, wie lange der vereinbarte Sollzins Ihres Baukredits unverändert bleibt. Während dieser Zeit zahlen Sie den gleichen Zinssatz – unabhängig davon, ob die Bauzinsen am Markt steigen oder fallen. So haben Sie Planungssicherheit, weil Ihre monatliche Rate und Ihre Zinskosten für die Dauer der Sollzinsbindung kalkulierbar bleiben.
Bei Abschluss einer Baufinanzierung bietet Ihnen die Bank einen Sollzins an. Sie entscheiden anschließend, für welchen Zeitraum Sie sich diesen Zinssatz sichern möchten, beispielsweise für 10, 15, 20 oder sogar 30 Jahre. Je nach gewählter Dauer der Sollzinsbindung profitieren Sie unterschiedlich stark von Planungssicherheit und Flexibilität.
Die Sollzinsbindung bestimmt nicht, wie lange Ihr Darlehen läuft. Sie legt lediglich fest, wie lange Ihr Zinssatz unverändert bleibt. Nach Ablauf der Sollzinsbindung besteht häufig noch eine Restschuld, für die eine Anschlussfinanzierung benötigt wird.
Welche Sollzinsbindung passt zu meinem Vorhaben?
Die optimale Sollzinsbindung hängt nicht nur vom aktuellen Zinsniveau ab, sondern vor allem von Ihrer persönlichen Situation. Wer plant, langfristig in der Immobilie zu wohnen und Wert auf eine gleichbleibende Monatsrate legt, profitiert häufig von einer längeren Zinsbindung. Planen Sie dagegen einen Immobilienverkauf oder erwarten Sie, Ihr Darlehen durch eine hohe Tilgung schneller zurückzuzahlen, kann auch eine kürzere Zinsbindung sinnvoll sein. Wichtig für die Entscheidung sind außerdem Ihr Sicherheitsbedürfnis, die Höhe Ihres Eigenkapitals und die voraussichtliche Restschuld nach Ablauf der Zinsbindung.
Unsere Übersicht zeigt Ihnen, welche Sollzinsbindung in verschiedenen Lebenssituationen passen könnten:
| Ihr Vorhaben | Häufig passende Zinsbindung | Warum? |
|---|---|---|
| Es ist mein erstes Eigenheim. | Eher länger: 15 - 20 Jahre | Langfristige Planbarkeit und Schutz vor steigenden Zinsen |
| Ich möchte langfristig in der Immobilie wohnen. | Eher länger: 15 – 30 Jahre | Monatliche Rate bleibt über viele Jahre kalkulierbar |
| Ich tilge mindestens 3 % pro Jahr. | Eher kürzer: 10 - 15 Jahre | Restschuld sinkt schneller, höhere Anschlussfinanzierungszinsen wirken sich weniger aus. |
| Ich rechne nach 10 Jahren mit einer hohen Restschuld. | Eher längere Sollzinsbindung: 20 - 30 Jahre | Eine längere Zinssicherung reduziert das Risiko, dass eine hohe Restschuld zu deutlich höheren Anschlusszinsen finanziert werden muss |
| Ich verfüge über viel Eigenkapital. | Flexibel bei der Wahl der Zinsbindung | Ein hoher Eigenkapitalanteil verbessert häufig die Finanzierungskonditionen und reduziert das Risiko einer hohen Restschuld |
| Ich plane, die Immobilie innerhalb der nächsten Jahre zu verkaufen. | Eher kürzer: 10 Jahre | Meist niedrigere Zinsen. Achtung: Bei einer vorzeitigen Darlehensablösung kann eine Vorfälligkeitsentschädigung anfallen. |
Wichtig: Die genannten Laufzeiten dienen lediglich als Orientierung. Welche Sollzinsbindung für Sie tatsächlich die beste Wahl ist, hängt immer vom Zusammenspiel aus Zinssatz, Tilgung, Restschuld und Ihren persönlichen Zukunftsplänen ab. Jede Sollzinsbindung sollte individuell geprüft werden. Unsere Spezialisten für Baufinanzierung unterstützen Sie dabei.
Welche Sollzinsbindung passt zu mir?
Die passende Sollzinsbindung richtet sich nach Ihrer persönlichen Lebenssituation, Ihrem Sicherheitsbedürfnis und Ihren finanziellen Zielen. „Betrachten Sie die Sollzinsbindung nicht isoliert. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Zinssatz, Tilgung und Restschuld. Eine etwas längere Zinsbindung mit einer höheren Tilgung kann langfristig günstiger sein als ein minimal niedrigerer Zinssatz mit einer hohen Restschuld am Ende der Zinsbindung“, erklärt Robin Reitz, Spezialist für Baufinanzierung bei Dr. Klein.
Unsere Infografik macht auf einen Blick deutlich, dass die Wahl der Sollzinsbindung immer ein Abwägen zwischen Flexibilität und Planungssicherheit ist.
„In der Beratung frage ich meine Kundinnen und Kunden: Wie wichtig ist Ihnen Planungssicherheit? Kaum jemand sagt, dass ihm diese egal ist. Deshalb spreche ich mit ihnen über die Vorteile einer längeren Zinsbindung. Sie gibt die Gewissheit, wie hoch die monatliche Rate maximal sein wird. Gerade wenn nach 10 Jahren noch eine hohe Restschuld besteht, sollte man sich fragen, welche Auswirkungen steigende Zinsen hätten. Eine längere Zinsbindung schafft hier Planungssicherheit und setzt einen klaren Kostendeckel“, so Robin Reitz.
Um herauszufinden, welche Zinsbindung zu Ihnen passt, können Sie sich folgende Fragen stellen:
- Wie hoch ist Ihr Eigenkapital?
- Wie lange möchten Sie in der Immobilie wohnen?
- Wie hoch ist Ihre Tilgung?
- Wie wichtig ist Ihnen Planungssicherheit?
- Möchten Sie sondertilgen?
Robin Reitz, Spezialist für Baufinanzierung bei Dr. Klein:
"Wenn Sie heute überlegen, die Immobilie in etwa 8 Jahren zu verkaufen, kann eine 10-jährige Sollzinsbindung geeignet sein. Denn eine kürzere Zinsbindung wäre in diesem Fall nicht sinnvoll, wenn Sie voraussichtlich länger finanzieren oder die Immobilie doch länger halten. Außerdem ist eine 10-jährige Zinsbindung nicht automatisch teurer: Bei etwa der Hälfte der Banken sind kürzere Laufzeiten sogar teurer als 10 Jahre. Entscheidend ist daher der konkrete Vergleich. Da der geplante Verkauf oft zunächst nur eine Idee ist, berücksichtigen wir in der Beratung auch die mögliche längere Haltedauer sowie Tilgung und Restschuld, bevor wir eine Empfehlung aussprechen.“
Warum ist die Wahl der Sollzinsbindung wichtig?
Die Sollzinsbindung bestimmt, wie lange der vereinbarte Zinssatz Ihrer Baufinanzierung unverändert bleibt. Damit hat sie direkten Einfluss auf die Planbarkeit Ihrer monatlichen Finanzierungskosten und darauf, unter welchen Bedingungen Sie Ihre Restschuld später weiterfinanzieren müssen.
Darum ist die Sollzinsbindung wichtig
Planungssicherheit: Der Zinssatz bleibt während der Sollzinsbindung unverändert und Ihre monatliche Rate kalkulierbar.
Schutz vor steigenden Bauzinsen: Zinserhöhungen am Markt wirken sich in dieser Zeit nicht auf Ihren Sollzins aus.
Einfluss auf die Anschlussfinanzierung: Die Dauer der Sollzinsbindung legt fest, wann Sie Ihre Restschuld zu den dann geltenden Bauzinsen weiterfinanzieren müssen. Wie hoch die Restschuld zu diesem Zeitpunkt ist, hängt vor allem von Ihrer gewählten Tilgung ab.
Welche Zinsbindungen sind möglich?
Für die Festlegung der Sollzinsbindung stehen Ihnen verschiedene Längen zur Wahl: Angefangen bei fünf Jahren über zehn, 15, 20, 25 oder sogar 30 Jahre hinweg. Wann sich welche Zinsbindung anbietet, richtet sich vor allem nach der aktuellen Zinsentwicklung beziehungsweise Zinsprognose.
| Sollzinsbindung | Fester Sollzins p.a. | Effektiver Jahreszins p.a. |
|---|---|---|
| 5 Jahre | 3,80 % | 3,88 % |
| 10 Jahre | 3,63 % | 3,71 % |
| 15 Jahre | 3,88 % | 3,97 % |
| 20 Jahre | 4,10 % | 4,20 % |
| 30 Jahre | 4,29 % | 4,39 % |
Welche Zinsbindung ist aktuell sinnvoll?
Welche Zinsbindung aktuell sinnvoll ist, hängt unter anderem vom allgemeinen Zinsniveau für Baufinanzierung ab. Derzeit bewegen sich die Zinsen auf einem Seitwärtsniveau und betragen zwischen 3,5 und 4 %. Langfristig kann das Zinsniveau für Baufinanzierungen leicht steigen und je nach Entwicklung auch über 4 % liegen. Eine Zinsbindung von 10 bis 20 Jahren kann deshalb sinnvoll sein. Beobachten Sie den Zinsmarkt regelmäßig und nutzen Sie Zinsdellen für Ihre Baufinanzierung!
Die günstigsten Zinsen erhalten Sie derzeit für eine Sollzinsbindung von 10 Jahren. Zinsbindungen von 15 oder 20 Jahren sind etwas teurer, sie profitieren hier aber von einer längeren Zinssicherheit und einer geringeren Restschuld. Zudem können Sie – falls die Bauzinsen in der Zwischenzeit wieder fallen sollten – das gesetzliche Sonderkündigungsrecht nutzen und Ihr Darlehen nach 10 Jahren kündigen. Welchen Kostenunterschied eine 10- und eine 20-jährige Zinsbindung ausmachen, sehen Sie in unserer Beispielrechnung.
In unseren Zinschart sehen Sie außerdem die Entwicklung der Bauzinsen nach der Länge der Sollzinsbindung im Vergleich. Sie können dabei zwei verschiedene Zinsbindungen gegenüberstellen und den Betrachtungszeitraum variieren. Als Berechnungsgrundlage dient eine Immobilie mit einem Objektwert von 352.000 € und eine Kreditsumme von 190.000 €.
Welche Sollzinsbindung ist aktuell sinnvoll?
Wann ist eine kurze oder lange Zinsbindung sinnvoll?
Zur Wahl der Sollzinsbindung gibt es im Grunde eine bestimmte Faustregel: Stehen die Bauzinsen bei Abschluss des Darlehens hoch, alles deutet aber auf ein sinkendes Zinsniveau hin, dann eher kurze Sollzinsbindungen von 3 oder 5 Jahren nehmen. So halten Sie sich die Möglichkeit offen, von den gesunkenen Zinsen bereits nach wenigen Jahren zu profitieren.
Und umgekehrt: Sind die Zinsen für Baudarlehen aktuell niedrig, sollen aber wieder steigen, dann möglichst lange Zinsfestschreibungen wählen – schließlich wollen Sie in diesem Fall über einen möglichst langen Zeitraum von den günstigen Zinsen profitieren. Das lassen sich die Banken allerdings auch mit einem Zinsaufschlag bezahlen: Je länger die Sollzinsbindung, desto höher fällt er aus.
Unser Hauskreditrechner vergleicht mehrere Zinsbindungen auf einen Blick. So entwickeln Sie ein Gefühl dafür, welche Sollzinsbindung am besten zu Ihnen passt.
Faustregeln zur Sollzinsbindung:
Hohe Bauzinsen bei Abschluss des Darlehens, sinkendes Zinsniveau:
Wählen Sie eine kurze Sollzinsbindung.
Niedrige Bauzinsen bei Abschluss des Darlehens, steigendes Zinsniveau:
Wählen Sie eine lange Sollzinsbindung.
Rechner: Sollzinsbindung einstellen, Zins und Rate erhalten
Welche Zinsen gibt es aktuell für welche Zinsbindung und welche Restschuld bleibt? Berechnen Sie selbst mit unserem Bauzinsrechner, wie sich der Zins je nach gewählter Zinsbindung verändert:
Was sind die Vor- und Nachteile kurzer Zinsbindungen?
Den Vorteil einer kurzen Zinsbindungsfrist: Je kürzer, desto günstiger fällt der Sollzins aus und desto niedriger ist die monatliche Rate. Eine kurze Zinsbindungsdauer bietet sich nur in Zeiten an, in denen das Zinsniveau hoch ist und die Tendenz zu sinkenden Zinsen geht. Ansonsten sind kurze Zinsfestschreibungen nur dann sinnvoll, wenn Sie Ihre Baufinanzierung in der gewählten Zeit entweder durch eine hohe Tilgung oder durch Sondertilgungen vollständig zurückzahlen können.
Denn eine kurze Sollzinsbindung von bis zu zehn Jahren hat einen entscheidenden Nachteil: In der Regel bleibt nach Ablauf der Zinsvereinbarung eine nicht unerhebliche Restschuld übrig, die dann zu den geltenden Zinssätzen finanziert werden muss. Das Risiko, dass die Zinsen in der Zwischenzeit steigen und die Anschlussfinanzierung damit teurer wird, ist momentan sehr hoch. Wenn Sie also wissen, dass Ihre finanziellen Mittel nicht ausreichen werden, um das Darlehen innerhalb dieser kurzen Zinsbindungsdauer zurückzuführen, wählen Sie lieber eine lange Zinsfestschreibung. Im folgenden sehen Sie die Vor- und Nachteile noch mal in der Übersicht.
- niedrigerer Sollzins
- günstigere Rate
- Restschuld nach Ablauf der Zinsbindung höher
- Höheres Zinsänderungsrisiko
Was sind die Vor- und Nachteile langer Zinsbindungen?
Eine lange Zinsbindungsdauer ist für viele Bauherren heute die bessere Alternative. Sind die Zinsen für eine Hausfinanzierung niedrig, lohnt sich eine lange Sollzinsbindung. Diese gibt Ihnen die Möglichkeit, sich für 20 oder 30 Jahre den günstigen Zinssatz von heute zu sichern und das Zinsänderungsrisiko zu minimieren. Gerade wenn Ihr finanzieller Spielraum nicht so hoch ist und Sie eine niedrige Tilgung bevorzugen, sollten Sie sich für eine lange Zinsfestschreibung entscheiden.
Da die längere Zinsbindung auch die Zinsen und so die monatliche Rate erhöht, möchten Sie Ihr Limit kennen? Machen Sie auf der Seite Hauskredit einen schnellen Check, welche Rate Sie sich bei welchem Gehalt leisten können und stimmen Sie die Zinsbindung darauf ab.
- lange Zinssicherheit
- geringere Restschuld nach Ablauf der Zinsbindung
- höherer Sollzins
- höhere Monatsrate
Beispielrechnung: 10 vs. 20 Jahre Sollzinsbindung
Für eine längere Zinsfestschreibung zahlen Sie einen Zinsaufschlag. Dieser beträgt für ein Darlehen über 15 Jahre zirka 0,35 % mehr als für ein zehnjähriges Darlehen; für ein Darlehen mit einer Zinsbindung von 20 Jahren jedoch nur zirka 0,50 % mehr. Der Aufschlag amortisiert sich in der Regel recht schnell, nämlich sobald das Zinsniveau nach Abschluss Ihrer Finanzierung ansteigt. Mit einer Beispielrechnung möchten wir Ihnen nun zeigen, wieviel 10 Jahre Zinsbindung mehr in € ausmachen.
| Zinsbindung 10 Jahre | Zinsbindung 20 Jahre | |
|---|---|---|
| Darlehenshöhe | 200.000 € | 200.000 € |
| Sollzinssatz | 2,4 % | 2,9 % |
| Anfängliche Tilgung | 2 % | 2 % |
| Monatliche Rate | 733 € | 811 € |
| Restschuld nach Ablauf der Zinsbindung | 154.840 € | 92.100 € |
Tabelle: Beispielrechnung 10 Jahre Zinsbindung vs. 20 Jahre Zinsbindung
Sie schließen ein Baufinanzierungsdarlehen über 200.000 € zu einem günstigen Sollzinssatz von 2,4 % ab. Ihre Tilgung beträgt 2 %, die Zinsbindung wird auf 10 Jahre festgelegt. Ihre monatliche Rate beläuft sich damit auf 733 €.
Nach Ablauf der Zinsbindungsfrist müssen Sie nun eine Anschlussfinanzierung der noch bestehenden Restschuld in Höhe von ungefähr 154.840 € vornehmen. Entscheiden Sie sich dagegen jetzt für eine 20-jährige Zinsbindung, zahlen Sie zwar einen Zinsaufschlag von 0,50 % – Ihr Zinssatz steigt damit auf 2,90 %. Dennoch ist Ihre Restschuld am Ende der Zinsbindung geringer: Bei einer Tilgung von 2 % und einer monatlichen Rate von 811 € beträgt Ihre Restschuld nach 20 Jahren nur noch 92.100 €.
Kann ich eine festgeschriebene Sollzinsbindung wieder kündigen?
Mal angenommen, Sie haben sich aufgrund einer Niedrigzinsphase für eine lange Sollzinsbindung entschieden – was passiert, wenn die Zinsen in der Zwischenzeit wieder erheblich fallen? Für diese Konstellation hat der Gesetzgeber allen Kreditnehmern einen Fluchtweg eingeräumt.
Eine Baufinanzierung mit einer festgelegten Sollzinsbindung lässt sich nach § 489 BGB nach einer Laufzeit von zehn Jahren ab Vollauszahlung jederzeit mit einer sechsmonatigen Frist kündigen. Ob Sie das Darlehen zu diesem Zeitpunkt dann ganz oder nur teilweise ablösen, ist Ihre Entscheidung – eine Strafgebühr in Form einer Vorfälligkeitsentschädigung fällt so oder so nicht an. Ein niedrigeres Zinsniveau können Sie dann für eine günstige Anschlussfinanzierung nutzen.
Weitere FAQs zur Zinsbindung
- Prolongation: Der Kreditvertrag wird zu denselben Konditionen beim bestehenden Bankinstitut verlängert.
- Umschuldung: Sie vereinbaren einen neuen Darlehensvertrag. Dieser Schritt ist häufig mit dem Wechsel zu einer anderen Bank verbunden.
- Forward-Darlehen: Das Forward-Darlehen kann bis zu 5,5 Jahre vor Ablauf der ersten Finanzierung abgeschlossen werden, um sich die zu diesem Zeitpunkt günstigen Zinsen zu sichern.
Die Zinsbindung Ihres Darlehens beginnt mit dem im Vertrag vereinbarten Zeitpunkt. In der Regel handelt es sich dabei um den Tag der Kreditauszahlung. Dieser muss nicht mit dem Tag des Vertragsabschlusses übereinstimmen, wenn das Darlehen beispielsweise erst 2 Wochen später ausgezahlt wird.
Ende der Zinsbindung bedeutet, dass die im Vertrag vereinbarte Zinsbindungsfrist ausläuft. In den meisten Fällen ist das Darlehen zu diesen Zeitpunkt noch nicht vollständig abbezahlt, sondern es besteht noch eine Restschuld, die als Anschlussfinanzierung weiter finanziert werden muss.
Nach der Zinsbindung wird das Darlehen fällig und muss entweder vollständig zurückgezahlt oder weiterfinanziert werden. Dafür stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:
Kümmern Sie sich am besten rechtzeitig um Ihre Anschlussfinanzierung. Beobachten Sie bereits 5 Jahre vor Ablauf der Sollzinsbindung die aktuelle Zinsentwicklung, um beispielsweise ein günstiges Forward-Darlehen abschließen zu können. Ein halbes Jahr vor Ende des Kredites sollten Sie Angebote verschiedener Banken einholen und miteinander vergleichen.
Nach 10 Jahren können Sie Ihren Kreditvertrag gemäß § 489 BGB mit einer Frist von 6 Monaten kündigen, auch wenn Ihre Zinsbindung noch länger läuft. Die Kündigung Ihres Darlehen kann komplett oder teilweise erfolgen. So können Sie beispielweise den Kredit komplett tilgen, eine größere Sondertilgung leisten oder den Vertrag zu veränderten Konditionen neu abschließen. Eine Vorfälligkeitsentschädigung fällt in diesem Fall nicht an.
Was ist Zinsbindung? Warum ist sie so wichtig? Welche Zinsbindung bietet sich aktuell an? Ringo Hellwig, Dr. Klein Berater, beantwortet in der Podcast-Folge (5:46 Min/Sek) die zentralen Fragen zur Zinsbindung.