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Bereitstellungszinsen: So vermeiden Sie diese Zusatzkosten

Wenn bei einem Hausbau nicht sofort die komplette Bausumme benötigt wird, berechnen die Banken häufig Bereitstellungszinsen. Wir zeigen Ihnen, wie hoch diese ausfallen und wie Sie die Kosten mindern können.

  • Inhaltsverzeichnis
    • Was sind Bereitstellungszinsen?

      Bereitstellungszinsen sind Zusatzkosten einer Baufinanzierung. Sie werden von Banken berechnet, wenn bei einem Baukredit Teile des Darlehens noch nicht in Anspruch genommen wurden. Bei Bauvorhaben passiert dies zum Beispiel regelmäßig, da die Baufinanzierung stückchenweise nach dem jeweiligen Baufortschritt ausgezahlt wird. Die Bank muss die komplette Darlehenssumme jedoch für Sie als Kreditnehmer trotzdem bereitstellen und kann sie nicht anderweitig gewinnbringend nutzen.

      Für nicht genutzte, aber bereitgehaltene Darlehen verlangt die Bank eine Entschädigung in Form der Bereitstellungszinsen, auch Bereitstellungsprovision genannt. Bereitstellungszinsen sind also so etwas wie Parkgebühren. Sie zahlen Gebühren dafür, dass die Bank für Sie die Baufinanzierung bis zur vollständigen Ausschöpfung parkt. Gerade durch Bauverzögerungen kann die Bereitstellungsgebühr deshalb sehr hohe Kosten verursachen. Diese finanzielle Zusatzbelastung gilt es mit einzukalkulieren. Da die Zinsen für die Bereitstellung nicht im Effektivzinssatz enthalten sind, lassen sich die drohenden Zusatzkosten bei der Kreditwahl jedoch nur schwierig vergleichen.

      Wie kann ich Bereitstellungszinsen vermeiden oder reduzieren?

      Bereitstellungszinsen können vermieden werden, indem Sie beispielsweise die bereitstellungsfreie Zeit verlängern. Aber auch durch die clevere Planung Ihrer Finanzierung und Ihres Bauvorhabens lassen sich Bereitstellungszinsen vermindern. Nachfolgend stellen wir Ihnen die Strategien noch einmal genauer vor:

      1. Bereitstellungszinsfreie Zeit verlängern:
        Die Verlängerung der bereitstellungszinsfreien Zeit ist Verhandlungssache. Hierbei gehen Sie, während das Darlehen bereits läuft, auf Ihre Bank zu und fragen nach der Möglichkeit, die Frist zu verlängern. In den meisten Fällen ist eine Verlängerung der bereitstellungsfreien Zeit mit einem Zinsaufschlag auf die volle Darlehenssumme verbunden. Dessen Höhe und die Modalitäten Ihrer Baufinanzierung entscheiden darüber, ob sich ein solches Vorhaben letztlich lohnt. Auch hier kommt es wieder auf Ihr Verhandlungsgeschick an.
         
      2. Geschickte Planung und Abstimmung:
        Sie können Bereitstellungszinsen umgehen, indem Sie versuchen, Ihr Bauvorhaben und die Finanzierung entsprechend aufeinander abzustimmen. Zu diesem Zweck ist es wichtig, dass Sie mit dem Bauunternehmer oder Bauträger einen Zahlungsplan als Teil des Bauvertrags vereinbaren. Dieser enthält die Zeitpunkte für entsprechende Fertigstellungen von Gewerken, zu denen eine Bezahlung erfolgt.

        Wenn Sie also die genauen Auszahlungen kennen, wissen Sie, wie lange die bereitstellungsfreie Zeit ausfallen sollte. Dies können Sie daraufhin bei der Darlehenswahl berücksichtigen. Ferner ist es hilfreich, wenn Sie die Darlehensaufnahme terminlich so legen, dass die bereitstellungsfreie Zeit erst kurz vor Beginn der Bauarbeiten anfängt.
         
      3. Eigenkapital clever nutzen:
        Wenn Sie ein Baudarlehen aufnehmen möchten und sich über Bereitstellungszinsen informieren, stoßen Sie immer wieder auf den Grundsatz „Eigenkapital vor Fremdkapital“. Damit ist die Regelung gemeint, dass Sie für ein Bauvorhaben zunächst Ihr Eigenkapital aufbrauchen müssen und erst dann auf die Darlehenssumme zugreifen können.

        Ohne diese Vorgabe wäre es natürlich deutlich einfacher, Bereitstellungszinsen zu vermeiden. Glücklicherweise können Sie auch durch Verhandlungen einiges erreichen. Legen Sie beispielsweise fest, dass Fremdkapital vor Eigenkapital genutzt werden darf. So können Sie auch noch einen Teil des Eigenkapitals zurückhalten, um am Ende der Laufzeit die letzten Zahlungen zu leisten. Damit verkürzt sich zum einen die Zeit, in der Sie Bereitstellungszinsen zahlen müssen und zum anderen verringert sich der Anteil des Darlehens, auf den ein Bereitstellungszins gezahlt werden muss.

      Eine vorzeitige Komplettauszahlung der kompletten Darlehenssumme bei einer Baufinanzierung ist wegen der Zweckbindung im Normalfall nicht möglich. Bei Modernisierungen mit herkömmlichen Ratenkrediten sieht es jedoch anders aus.

      Wie hoch fallen Bereitstellungszinsen aus?

      Die Bereitstellungsprovision wird auf den Betrag fällig, der bisher noch nicht vom Baukredit ausgeschöpft wurde. Die Höhe der Bereitstellungszinsen hängt von der Preispolitik der jeweiligen Banken ab. Sie ist also nicht gesetzlich festgelegt. Trotzdem hat sich in der Praxis eine Art Standard durchgesetzt.

      Sehr viele Kreditgeber berechnen 0,25 Prozent Bereitstellungszinsen auf den noch nicht abgerufenen Darlehensbetrag pro Monat. Bei einem Darlehen über 200.000 Euro mit einem gängigen Bereitstellungszinssatz von 0,25 Prozent und einer ersten Auszahlung innerhalb der bereitstellungsfreien Zeit fällt die Berechnung der Bereitstellungszinsen folgendermaßen aus:

      Darlehensbetrag200.000 Euro
      Erste Auszahlung innerhalb der Frist50.000 Euro
      Berechnungsgrundlage150.000 Euro
      Bereitstellungszinssatz0,25 % pro Monat
      Bereitstellungszinsen ab dem ersten Monat nach Ablauf der bereitstellungsfreien Zeit375 Euro
      Tabelle: Berechnung der Bereitstellungszinsen auf Basis des nicht genutzten Darlehensbetrags

      Mit 375 Euro pro Monat stellen die Bereitstellungszinsen in diesem Beispiel einen erheblichen Kostenfaktor dar. Zu diesen Kosten kommen nämlich schon die ersten Raten für die Tilgung des Darlehens hinzu. Denn ab dem Zeitpunkt der ersten Teilauszahlung werden bereits Zinszahlungen an die Bank fällig.

      Die folgende Tabelle zeigt noch einmal beispielhaft Bereitstellungszinsen bei verschiedenen Kreditsummen an:

      Nicht genutzter DarlehensbetragBereitstellungszinsen pro Monat (0,25 %)
      250.000 Euro625 Euro
      200.000 Euro500 Euro
      150.000 Euro375 Euro
      100.000 Euro250 Euro
      50.000 Euro125 Euro
      Tabelle: Bereitstellungszinsen pro Monat bei unterschiedlichen Darlehensbeträgen

      Dies zeigt, wie wichtig die Berücksichtigung solcher Kosten für Ihre geplante Baufinanzierung ist.

      190000
      500001000000

      Was ist die bereitstellungszinsfreie Zeit?

      Viele Banken bieten ihren Kunden eine Frist an, in der keine Bereitstellungszinsen zu zahlen sind. Diese Frist wird fachlich bereitstellungszinsfreie Zeit oder umgangssprachlich auch bereitstellungsfreie Zeit genannt. Die jeweilige Dauer bestimmt die Bank, in den meisten Kreditverträgen ist eine bereitstellungszinsfreie Zeit von zwei Monaten bereits enthalten. Wie lang diese Frist letztendlich ist, hängt auch von Ihrem Bauvorhaben ab. Bei einem Neubau sind bis zu 12 Monate nicht unüblich, bei einem Hauskauf sind es meist zwei bis drei Monate. Prüfen Sie deshalb unbedingt Ihren Kreditvertrag, ob dieser eine Regelung zu den Bereitstellungszinsen enthält und welche Bedingungen dort festgelegt sind.

      Innerhalb der bereitstellungsfreien Zeit zahlen Sie nur Zinsen auf abgerufene Beträge. Möchten Sie die Frist verlängern, müssen Sie einen Zinsaufschlag zahlen, der zu einer Erhöhung des Darlehenszinssatzes führt. Als Höchstdauer für die Verlängerung der bereitstellungszinsfreien Zeit gelten 24 Monate.

      Wann beginnt die bereitstellungszinsfreie Zeit?

      Die bereitstellungsfreie Zeit beginnt mit dem Abschluss des Kreditvertrages und ist daher Bestandteil der Laufzeit. Bei einigen Banken startet sie sogar erst im Folgemonat nach Vertragsabschluss. Bereitstellungszinsen fallen somit erst nach Ende der bereitstellungsfreien Zeit an.

      Als Kreditnehmer zahlen Sie dann eine monatliche Rückzahlungsrate auf den bereits abgerufenen Darlehensbetrag und außerdem zusätzlich die Bereitstellungszinsen. Die Abrechnung der Bereitstellungszinsen erfolgt taggenau und wird meist am Ende des Monats oder des Quartals mit der fälligen Rate abgebucht.

      Welche Vorteile bringt die bereitstellungszinsfreie Zeit mit sich?

      Die bereitstellungszinsfreie Zeit hat vor allem dem Vorteil, dass Sie während der Bauphase weniger Kosten haben. Denn bereits mit der ersten Teilauszahlung Ihres Darlehens müssen Sie Zinsen an die Bank zahlen. Kommen dann noch Bereitstellungszinsen zu den normalen Kreditzinsen hinzu, wird es teuer.

      Je länger die bereitstellungszinsfreie Zeit ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie überhaupt Bereitstellungszinsen zahlen müssen. Innerhalb einer bereitstellungszinsfreien Zeit von beispielsweise zwölf Monaten schaffen Sie es in den meisten Fällen, das komplette Baudarlehen abzurufen. Auch kleinere Bauverzögerungen lassen sich so in aller Regel kompensieren.

      Was kostet die bereitstellungszinsfreie Zeit?

      Die folgende Tabelle zeigt den Kostenunterschied zwischen einer Bereitstellungsfrist von drei Monaten und zwölf Monaten für ein Baudarlehen von 150.000 Euro. Für das Beispiel nehmen wir an, Sie kaufen ein sanierungsbedürftiges Haus. Aufgrund des Handwerkermangels können die Sanierungsarbeiten aber erst im vierten Monat nach dem Kauf starten. Es dauert sechs Monate, bis das Darlehen vollständig ausgeschöpft und das Haus bezugsbereit ist. Zwischendurch haben Sie aufgrund von schlechtem Wetter noch einen Monat Baustellenstillstand.

      MonatNicht abgerufenes DarlehenTeilauszahlung3 Monate12 Monate
      1150.000 €0 €0 €0 €
      2150.000 €0 €0 €0 €
      3150.000 €0 €0 €0 €
      4150.000 €20.000 €375 €0 €
      5130.000 €10.000 €325 €0 €
      6120.000 €50.000 €300 €0 €
      770.000 €0 €175 €0 €
      870.000 €50.000 €175 €0 €
      940.000 €20.000 €100 €0 €
      1020.000 €20.000 €50 €0 €
      Gesamt0 €150.000 €1.500 €0 €
      Tabelle: Beispielrechnung für die Auswirkung der bereitstellungsfreien Zeit, 150.000 € Restdarlehen für Sanierung, 0,25 % Bereitstellungszinsen pro Monat

      Bei einer bereitstellungsfreien Zeit von nur drei Monaten müssen Sie in diesem Fall mit Mehrkosten von insgesamt 1.500 Euro rechnen. Bedenken Sie zudem, dass Sie nach dem Kauf unseres Beispielhauses bereits Zinsen auf den ausgezahlten Darlehensbetrag an die Bank zahlen. Sie zahlen bei dem Beispiel der kurzen bereitstellungsfreien Zeit also quasi doppelt Zinsen an die Bank.

      Bereitstellungszinsen zahlen oder bereitstellungsfreie Zeit verlängern?

      Möchten Sie die von der Bank vorgegebene bereitstellungszinsfreie Zeit verlängern, berechnen einige Banken hierfür einen Zinsaufschlag von üblicherweise 0,01 bis 0,03 Prozent pro verlängerten Monat. Der Zinsaufschlag fällt auf den gesamten noch nicht abgerufenen Darlehensbetrag an. Umso wichtiger ist es, zu berechnen, ob sich eine Verlängerung der bereitstellungsfreien Zeit lohnt oder ob Sie mit der Zahlung von Bereitstellungszinsen besser fahren. Hier hilft Ihnen unser Berater vor Ort weiter: Er kennt die Vorgehensweise der Banken und kann Ihnen sagen, welche Variante in Ihrem Fall die bessere ist.

      Unser Spezialist für Baufinanzierung, Andreas Brendel, erklärt im Gespräch mit Claudia Fyrnihs noch einmal, wie sich die Bereitstellungszinsen und die bereitstellungsfreie Zeit auf Ihre Baufinanzierung auswirken.

      Gibt es Bereitstellungszinsen bei der KfW?

      Auch bei einem Förderdarlehen der KfW fallen nach dem Ablauf der bereitstellungsfreien Zeit Zinsen an. Ab welchem Zeitpunkt, ist von Programm zu Programm unterschiedlich. So beträgt die bereitstellungsfreie Zeit beispielsweise beim KfW-Programm „Energieeffizient Bauen“ 12 Monate, während beim KfW-Programm „Erneuerbare Energien“ bereits nach sechs Monaten und zwei Bankarbeitstagen Bereitstellungszinsen fällig werden. Nach Ablauf der Frist zahlen Sie jeweils 0,15 Prozent pro Monat auf den noch nicht abgerufenen Betrag.

      Welchen Einfluss haben Bereitstellungszinsen auf die monatliche Gesamtbelastung?

      Die Bereitstellungszinsen können die monatlichen Kosten für Ihr Baudarlehen enorm in die Höhe schießen lassen. Je länger Sie Bereitstellungszinsen zahlen, desto mehr wird Ihr Portemonnaie dadurch belastet. Kommt es also zu langanhaltenden Bauverzögerungen, etwa durch schlechtes Wetter oder Fehlplanung, wird es mitunter sehr teuer.

      Bereitstellungszinsen werden nach Ablauf der bereitstellungszinsfreien Zeit fällig und zusätzlich zu den Sollzinsen berechnet. Wie sich diese auswirken, zeigen wir Ihnen an einem Beispiel mit einer bereitstellungsfreien Zeit von drei Monaten und einem Bauzins von 1,6 Prozent. Die Tilgung des Baudarlehens in Höhe von zwei Prozent im Jahr beginnt erst nach der vollständigen Auszahlung des Darlehensbetrages, in diesem Fall also nach dem sechsten Monat. Ab dann zahlen Sie eine Rate von 750 Euro.

      ZeitpunktAusgezahlter BetragBereitstellungMonatsrateGebühr für die BereitstellungMonatliche Belastung
      Monat 10 €250.000 €0 €0 €0 €
      Monat 220.000 €230.000 €26,67 € Zinsen0 €26,67 €
      Monat 350.000 €200.000 €66,67 € Zinsen0 €66,67 €
      Monat 4100.000 €150.000 €133,33 € Zinsen375 €508,33 €
      Monat 5200.000 €50.000 €266,67 € Zinsen125 €391,67 €
      Monat 6250.000 €0 €333,33 € Zinsen0 €333,33 €
      Tabelle: Auswirkung der Bereitstellungszinsen auf die monatliche Gesamtbelastung

      Wir nehmen einmal an, dass Sie im ersten Monat noch nichts vom bereitgestellten Kreditbetrag benötigen. Der Bau hat zwar begonnen, aber die ersten Kosten werden Ihnen erst im zweiten Monat in Rechnung gestellt. Im ersten Monat bezahlen Sie also weder eine monatliche Rate noch Bereitstellungsgebühren, denn diese werden erst ab dem vierten Monat fällig.

      Im zweiten Monat geht’s dann los. Die ersten Rechnungen vom Bau wollen bezahlt werden und Sie benötigen 50.000 Euro. Diesen Betrag rufen Sie ab, und direkt mit Abruf wird die erste Monatsrate fällig: 26,67 Euro Zinsen gehen nun an die Bank. Es fällt immer noch keine Bereitstellungsgebühr an, die kommt erst im vierten Monat dazu und beträgt 0,25 Prozent von den noch nicht abgerufenen 150.000 Euro, also 375 Euro. Da Sie den Darlehensbetrag erst im sechsten Monat vollständig abgerufen haben, zahlen Sie bis einschließlich zum fünften Monat jeden Monat Bereitstellungsgebühren.

      Ab dem sechsten Monat fallen die Bereitstellungszinsen weg, und Ihre monatliche Rate beträgt von nun an 750 Euro, bis zum Ende der von Ihnen gewählten Zinsbindung hin. Diese Rate besteht dann aus dem Sollzinsanteil und der Tilgung.

      Bereitstellungszinsen zurückfordern: Wann ist das möglich?

      Bauen Sie mit einem Bauträger und hält dieser die vertraglich vereinbarten Termine nicht ein, können Sie die Bereitstellungzinsen von ihm zurückfordern. Voraussetzung hierfür ist zum einen, dass im Vertrag eine Klausel über die Kostenübernahme von Bereitstellungzinsen bei Nichteinhaltung der Bautermine mit aufgenommen wird. Zum anderen sollte ein verbindlicher Zeitplan vereinbart werden: Haben Sie mit dem Bauträger im Vertrag feste Termine für die Fertigstellung bestimmter Bauabschnitte festgelegt, liegt die termingerechte Fertigstellung in seiner Verantwortung.

      Seit 2018 besteht zudem laut Paragraf 650j BGB die Verpflichtung für Bauunternehmen, dem Kunden eine genaue Baubeschreibung als Teil des Vertrags zur Verfügung zu stellen. Darin ist auch eine Dauer bis zur Fertigstellung oder ein Fertigstellungstermin (bei bekanntem Baubeginn) zu nennen. Wird der Bau insgesamt oder in Teilen später fertiggestellt, können Sie vom Bauunternehmer Schadenersatz für die zusätzlichen Kosten verlangen. Somit lassen sich auch die Bereitstellungszinsen zurückfordern.

      Sie können eventuelle Bereitstellungszinsen nur dann zurückfordern, wenn Sie die Verzögerungen nicht selbst zu vertreten haben. Bauen Sie hingegen in Eigenregie und verzögert sich der Hausbau unverhofft, haben Sie in der Regel keine Chance, sich die Kosten zurück zu holen. 

      Bauverzögerungen: Wie können Risiken für eine bereitstellungsfreie Zeit umgangen werden?

      Der Bau eines Hauses ist ein großes Unterfangen, bei dem es leider auch zu Verzögerungen kommen kann. Dass eine solche Verzögerung Sie bares Geld kostet, liegt auf der Hand. Schließlich können Sie das Darlehen nicht vollständig abrufen und müssen länger Bereitstellungszinsen auf den nicht genutzten Darlehensbetrag zahlen. Gerade bei größeren Kreditbeträgen fallen so schnell Bereitstellungszinsen in Höhe einer Monatsmiete für eine Wohnung an.

      Bei der Bauplanung ist es daher wichtig, dass Sie die häufigsten Verzögerungen kennen und diese möglichst umgehen. Bei einem Bauvorhaben existieren nahezu unendlich viele mögliche Ursachen für Verzögerungen. Die folgenden Aspekte treten jedoch sehr häufig ein, lassen sich aber durchaus vermeiden:

      • Unterlagen für die Genehmigung

        Ein Bauvorhaben muss vor Baubeginn von der entsprechenden Behörde auf seine Zulässigkeit geprüft werden. Fehlen hier Unterlagen, kann es zu Verzögerungen kommen. Die Planung eines Bauvorhabens ist kniffelig. Daher sollten Sie hier penibel sein, Fristen einhalten und Unterlagen vollständig zusammensuchen. Holen Sie sich zur Not Unterstützung von einem Architekten oder einem Bauleiter.

      • Überschätzung der Eigenleistungen

        Eigenleistungen sind ein gutes Mittel, um die Kosten für den Hausbau niedrig zu halten. Banken rechnen einen gewissen Teil Eigenleistung als Eigenkapital an. So können Sie bei der Baufinanzierung noch etwas sparen. Wenn Sie sich allerdings überschätzen, sorgt dies ebenfalls für Verzögerungen, die mitunter teuer werden. Hier lautet die Devise: Lieber weniger einplanen und die geplanten Arbeiten zügig durchziehen.

      • Schlechte Baukoordination

        Da an einem Hausbau oft mehrere Firmen beteiligt sind, ist eine gute Koordination zwischen allen Beteiligten nötig. Schafft der Architekt oder der Bauträger dies nicht, verzögert sich die Fertigstellung des Baus. Daher ist es wichtig, sich die termingenaue Baukoordination vertraglich zusichern zu lassen. So haben Sie im Ernstfall Regressansprüche an beauftrage Unternehmen.

      • Nachträgliche Sonderwünsche

        Mitunter fällt Ihnen nach Baubeginn noch etwas ein, was abweichend vom Bauplan umgesetzt werden soll. Solche Sonderwünsche sorgen für Zusatzarbeiten und können somit ebenfalls Verzögerungen verursachen. Eine umfassende Beratung ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Nehmen Sie sich dafür genug Zeit. So sinkt das Risiko, dass Sie Wünsche vergessen und nachträglich Hand angelegt werden muss.

      • Insolvenz von Auftragnehmern

        Insolvenzen im Baubereich sind leider nicht selten. In einem solchen Fall kann es zu erheblichen Verzögerungen kommen, da Sie einen entsprechenden Ersatz für den Dienstleister finden müssen. Ein Generallösung für dieses Problem gibt es leider nicht. Sie können aber vor Baubeginn recherchieren, wie gut es um Ihren Bauträger beispielsweise steht. Dafür gibt es einige Online-Plattformen, die (zumeist kostenpflichtig) Auskunft über die Bonität von Unternehmen geben. Bauträger sollten übrigens gegen Insolvenzen versichert sein. Achten Sie daher auf die Fertigstellungsgarantie im Bauvertrag.

      • Schlechte Witterung

        Die Witterungsbedingungen werden von Bauunternehmen häufig als Grund für Verzögerungen angeführt. Dies ist jedoch nur dann zulässig, wenn die Wetterbedingungen die Arbeit tatsächlich unmöglich machen. Gegen schlechtes Wetter ist leider noch kein Kraut gewachsen. Planen Sie aber Ihren Bau bestenfalls in den wärmeren Monaten des Jahres. Hier ist zumindest eine Bauverzögerung durch Schneefall und Frost ausgeschlossen. 

      Können Bereitstellungszinsen von der Steuer abgesetzt werden?

      Bereitstellungszinsen sind steuerlich absetzbar, wenn Sie die gebaute oder erworbene Immobilie als Renditeobjekt nutzen und diese teilweise oder vollständig vermieten. Für nicht vermietete Teile der Immobilie oder bei eigener Nutzung können Bereitstellungszinsen nicht beim Finanzamt geltend gemacht werden.

      Gezahlte Bereitstellungzinsen für vermietete Immobilien können demnach als Werbungskosten geltend gemacht werden. Dies ist allerdings ausschließlich im Jahr ihrer Zahlung möglich. Bereitstellungszinsen dürfen somit nicht rückwirkend von der Steuer abgezogen werden.

      Alle Fakten zu Bereitstellungszinsen auf einen Blick

      Gibt es Verzögerungen beim Bau Ihrer Immobilie oder geht der Hausbau nur langsam voran, kann das für Bauherren teuer werden. Je nach den Konditionen Ihres Finanzierungsvertrages fallen dann Bereitstellungszinsen an, die Ihre Baufinanzierung verteuern. Wir haben Ihnen die wichtigsten Fakten dazu noch einmal zusammengetragen.

      • Bereitstellungszinsen fallen an, wenn die Bank das Darlehen für Sie bereithält, aber der Betrag noch nicht abgerufen wurde.
      • Sie können eine bereitstellungsfreie Zeit vereinbaren, in der keine Zinsen gezahlt werden müssen. Je nach Bank variiert diese Zeit und liegt meist zwischen drei und zwölf Monaten. Je länger diese Frist ist, desto mehr sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie überhaupt Bereitstellungszinsen zahlen müssen.
      • Möchten Sie die bereitstellungsfreie Zeit verlängern, ist dies meist nur gegen einen Aufschlag auf Ihren Bauzins möglich. Ob sich dieser lohnt oder doch besser Bereitstellungszinsen gezahlt werden, hängt vor allem von Ihrem individuellen Bauvorhaben ab.
      • Auch bei einem KfW-Darlehen können Bereitstellungszinsen anfallen. Wie lang die bereitstellungsfreie Zeit hier ist, ist vom gewählten Förderprogramm abhängig.
      • Kommt es beim Neubau mit einem Bauträger zu Verzögerungen und dieser hält infolge dessen die vertraglich vereinbarten Termine nicht ein, können Sie die gezahlten Bereitstellungszinsen von ihm zurückfordern.
      • Bereitstellungszinsen können bei vermieteten Immobilien von der Steuer abgesetzt werden.

      Die Bereitstellungszinsen sind letztlich also ein Kostenfaktor, der in jede Baukalkulation gehört. Wenn Sie den Bau Ihrer Immobilie sorgfältig planen, besteht durchaus die Chance, Bereitstellungszinsen zu vermeiden. Dennoch sollten Sie diese finanzielle Zusatzbelastung in Ihre Baufinanzierung mit einzukalkulieren.

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