„Wie mache ich meine Wohnung kindersicher?“

So wird das Haus kindersicher

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Gerade erst lagen sie doch noch im Kinderwagen, ganz ruhig auf dem Rücken. Und plötzlich beginnen sie dann auch schon zu krabbeln: Kinder werden schneller groß, als es ihren Eltern lieb ist. Und mit der neuen Bewegungsfreiheit warten durch Tischkanten und gefüllte Kaffeetassen so einige Gefahrenquellen auf das Kind. Wie ihr euer Haus kindersicher macht, hat unsere Gastautorin und Bloggerin Nathalie für euch zusammengefasst.

Von einen Tag auf den anderen ist es soweit: Das Baby dreht sich. Und das ist nur der Anfang. Von nun an ist das Baby mobil: Ehe man sich versieht, beginnt es zu robben, zu krabbeln und sich überall hochzuziehen. Spätestens ab diesem Moment, wenn das Baby anfängt, sich zu drehen, sollten Eltern daran denken, das Haus kindersicher zu machen – denn nun ist das Kind tatsächlich in der Lage, sich von einem Ort zum anderen zu bewegen. Nicht wenige Babys entwickeln eine erstaunlich schnelle Fortbewegungstechnik, indem sie sich von A nach B rollen!

Umso wichtiger ist es, dass die Wohnung auf den Entdeckerdrang der Kleinen vorbereitet ist! Denn je älter Babys werden, umso mehr wollen sie ihr Umfeld erforschen, wollen alles in die Hand oder in den Mund nehmen, wollen wissen, was passiert, wenn man an dem Zipfel der Tischdecke zieht oder ob die Stricknadel in die Steckdose passt. Umso wichtiger ist es, dass die eigenen vier Wände schon rechtzeitig auf die Neugier des Kindes vorbereitet und kindersicher gemacht sind!

Diese Hilfsmittel machen das Haus kindersicher

Eltern sollten mit dem Sichern der Wohnung also am besten schon so früh wie möglich anfangen. Da gibt es erst einmal die ganz offensichtlichen Gefahrenquellen für Kinder, die man mit einfachen Hilfsmitteln aus dem Handel kindersicher machen kann:

  • Steckdosen mit Steckdosensicherungen schützen
  • Türen und Schranktüren mit einem Türklemmschutz versehen
  • Herdschutzgitter am Herd schützen vor dem Herunterziehen von Töpfen und Anfassen heißer Herdplatten
  • spitze Tisch- und Möbelkanten mit Kantenschutz absichern
  • Schubladen mit einer Kindersicherung verschließen
  • Treppenschutzgitter oben und unten an der Treppe anbringen
  • Backofentür und Mülleimer verriegeln
  • Putzmittel- und Medikamentenschrank abschließen
  • Kindersicherung für Fenster

Mit diesen kleinen Maßnahmen ist schon viel erreicht in Sachen Kindersicherheit im Haus. Aber dennoch lauern immer noch eine Menge Gefahren in so einem Haushalt. Kinder sind nämlich unheimlich kreativ und neugierig und spätestens mit dem ersten Krabbeln auch furchtbar schnell! Es ist unglaublich, was für ein Tempo sie in unbeaufsichtigten Momenten draufhaben und auf welche Ideen sie in dieser Zeit kommen.

Die Räume aus Perspektive des Kindes betrachten

Um überhaupt auf Gefahren aus Kindersicht zu kommen, sollten Eltern sich einmal ihr Haus aus Perspektive des Kindes anschauen: das heißt, sich auf die Höhe des Kindes begeben und die Wohnumgebung genau betrachten. Wo kann sich das Kind stoßen? Was lädt dazu ein, einmal kräftig dran zu ziehen? Wo sind Stolperfallen in den Laufwegen? Wo kann das Kind hinaufklettern und hinunterfallen?

Schnell fällt einem dann so einiges auf. Natürlich können wir unsere Kinder nicht vor allen blauen Flecken und jedem Stolpern bewahren. Zum Großwerden gehören aufgestoßene Knie und auch die eine oder andere kleine Beule am Kopf nun mal dazu. Wenn wir unsere Kinder allzu sehr in Watte packen, tun wir ihnen auch keinen Gefallen. Denn so lernen sie nicht, Gefahren zu erkennen und zu vermeiden. Die spitze Tischkante sollte man besser mit einem Kantenschutz versehen, das abgerundete Tischbein aus Holz muss jedoch nicht unbedingt gepolstert werden. Auch Treppensteigen sollten Eltern mit ihren Kindern regelmäßig üben, anstatt sie aus Angst vor Unfällen immer auf den Arm zu nehmen. Natürlich begleitet und geschützt – doch nur durchs Üben lernen sie es!

Aber im Haushalt lauern trotzdem einige ernsthafte Gefahren und vor schlimmen Verletzungen wollen Eltern ihre Kinder natürlich beschützen. Diese Gefahrenherde für kleine Kinder gilt es in der Wohnung aufzuspüren.

Gefahrenquellen in der Küche und im Wohnzimmer

Viele Gefahrenquellen lauern in der Küche. Auch wenn ein Herdschutzgitter angebracht ist, sollte man es sich so früh wie möglich angewöhnen, Pfannengriffe zur Innenseite des Herdes zu drehen und wenn möglich Töpfe mit kochendem Inhalt auf eine der hinten gelegenen Herdplatten zu stellen. Dasselbe gilt für Tassen mit heißem Tee, die immer so weit wie möglich von der Tischkante entfernt abgestellt werden sollten. Man erkennt Eltern an der reflexartigen Handbewegung, mit der sie Tassen vom Tischrand wegschieben. Kabel vom Wasserkocher, der Kaffee- oder Küchenmaschine sollten nicht lose hängen und von Kinderhand erreichbar sein. Uns hat in der Küche eine Schublade mit harmlosen Dingen wie Plastikschüsseln oder Schöpfkellen geholfen, von den gefährlicheren Schränken abzulenken. Auch Plastiktüten sollten außer Reichweite der Kinder aufbewahrt werden, denn viele Kinder mögen es, sich Dinge auf den Kopf zu setzen und unterscheiden dabei nicht zwischen Papas Mütze und der Einkaufstüte.

Was es seit der Geburt meines ersten Kindes nicht mehr in unserem Haus gibt, sind Tischdecken. Auch sie laden dazu ein, an den Zipfeln zu ziehen und Blumenvase und Co. mit einem Ruck hinunterzuziehen. Dasselbe gilt für Kordeln an Vorhängen oder Rollos, die nicht nur zum Ziehen einladen, sondern auch eine Strangulationsgefahr darstellen. Selbst der vermeintlich sichernde Gurt am Kinderhochstuhl kann zu einer Strangulationsquelle werden, wenn er zu locker sitzt und das Kind beim Versuch aufzustehen ins Straucheln kommt. Auch Topfpflanzen habe ich außerhalb der Kinderreichweite verbannt. Nicht nur um nicht ständig Blumenerde wegsaugen zu müssen, sondern auch damit keine Steinchen oder potenziell giftige Blättchen im Babybauch landen.

Kletterversuche der Kinder können gefährlich sein

Kinder sind übrigens auch die geborenen Kletterer – nicht nur weil sie klettern lieben, sondern auch um an Dinge heranzukommen, die außerhalb ihrer Reichweite sind oder um besser sehen zu können. Wichtig ist dabei, Fenster und Balkontüren kindersicher zu machen. Denn Babys und kleine Kinder haben einen anderen körperlichen Schwerpunkt als Erwachsene: Ihr Kopf ist nämlich im Vergleich zum restlichen Körper schwerer, weshalb kleine Kinder leichter vorne oder hinten über kippen. Was ebenfalls beim Kindersicher-Machen des Hauses nicht vergessen werden sollte: Regale an der Wand festschrauben, damit sie bei eventuellen Kletterversuchen nicht umkippen.

Aber egal, wie kindersicher das Haus gemacht ist: Wir Eltern sollten unsere Kinder trotzdem immer im Auge behalten und ihnen auch gewisse Regeln beibringen. Ein konsequentes „Nein, an die Steckdose darfst du nicht“ oder „Achtung, die heiße Tasse nicht anfassen“ schützt die Kinder davor, beim nächsten Besuch bei der Tante an deren ungeschützte Steckdose zu gehen oder einfach nach der Kaffeetasse zu greifen. Denn auch wenn wir unser Bestes geben, alle Gefahren können wir nicht aus dem Weg räumen. Aber wir können dafür sorgen, dass Kinder lernen, sich selbst und auch potenzielle Gefahren immer besser einzuschätzen.


Sicher in die eigenen vier Wände einziehen?


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