Ergebnisse der aktuellen EZB-Sitzung: Die schwache Konjunktur und ihre Folgen

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Während draußen in den letzten Tagen der Frühling ausgebrochen ist, befindet sich die europäische Wirtschaft weiterhin im Winterschlaf. Bereits mehrfach wurden die Prognosen für das Jahr 2019 nach unten korrigiert. In der EZB-Sitzung heute Nachmittag reagierten die europäischen Notenbanker jetzt auf die schwache Konjunktur. Alles rund um die aktuelle EZB-Entscheidung, die Wirtschaftslage in Europa und die Auswirkungen auf die Bauzinsen haben wir für euch zusammengefasst.

Konjunktur aktuell: Düstere Prognosen vor der EZB-Sitzung

Weltweite Konjunkturflaute, Unsicherheit durch den Brexit, alte und neue Handelskonflikte, ausufernde Staatsverschuldung: Betrachten wir die Vielzahl der aktuell ungelösten wirtschaftlichen und politischen Probleme, dann wird schnell deutlich, warum die europäischen Währungshüter zunehmend besorgt sind. Die EU-Kommission senkte die Prognose für das Wirtschaftswachstum der Euro-Zone zuletzt von 1,9 Prozent auf 1,3 Prozent – und viele Experten halten sogar diese Korrektur für zu optimistisch. Der Ifo-Index, ein wichtiges Barometer für das Geschäftsklima hierzulande, ist im Februar zum sechsten Mal in Folge gefallen und liegt nun auf dem niedrigsten Wert seit Ende 2014. Selbst das deutsche Finanzministerium rechnet mit einem Haushaltsloch von 25 Milliarden Euro bis 2023. Was aber bedeuten die düsteren Wirtschafsaussichten für die Geldpolitik der EZB?

Leitzins, neue Geldspritzen, Konjunkturausblick: Die EZB-Sitzung im Überblick

Auf der aktuellen Sitzung zeigte sich EZB-Präsident Mario Draghi besorgt und erklärte, dass die Risiken im Euroraum zunehmen. Die europäischen Währungshüter passten daher ihren Zinsausblick an und erklären: Der Leitzins bleibt bis mindestens über das Jahresende hinaus auf seinem Rekordtief von null Prozent. Schlechte Nachrichten für alle, die sich das gute, alte Sparbuch zurücksehnen – sie müssen sich noch etwas länger in Geduld üben. Einige Finanzexperten rechnen aktuell damit, dass der Leitzins sogar noch bis Mitte 2020 auf seinem Rekordtief bleiben könnte.

Auch die bereits im Vorfeld diskutierten Pläne zu einer Neuauflage der so genannten TLTROs, die im Jahr 2014 erstmals zum Einsatz kamen, wurden jetzt konkretisiert. Bei diesem Anreizprogramm mit dem sperrigen Namen „Gezielte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte“ handelt es sich um milliardenschwere Geldspritzen für die Banken im Euroraum. Sie sollen verhindern, dass Banken im Zuge der Konjunkturabkühlung zögerlicher Kredite vergeben. Das Programm soll im September 2019 starten.

Immerhin könnten viele der aktuellen Unsicherheiten wie etwa der Handelsstreit oder der Brexit ebenso schnell verschwinden, wie sie gekommen sind. Vor allem zwischen den USA und China besserte sich die Stimmung zuletzt und es keimten vorsichtige Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Konfliktes auf. Die nächste EZB-Sitzung steht am 10. April an. Bis dahin dürfte zumindest klarer sein, wie es in puncto Brexit weitergehen wird.

Europas Problemzonen bereiten der EZB Sorgen

Doch auch wenn sich einige der Unsicherheitsfaktoren kurzfristig auflösen könnten, andere Probleme haben deutlich komplexere Ursachen und werden sich nicht von heute auf morgen beseitigen lassen. Der EZB dürften aktuell vor allem diejenigen Länder Sorgen machen, die es trotz lockerer Geldpolitik und Niedrigzinsen nicht geschafft haben, ihren Schuldenberg abzubauen – allen voran Italien. Für den Staat mit der höchsten Schuldenquote Europas prognostiziert die EU-Kommission ein Wachstum von gerade einmal 0,2 Prozent in 2019. Allein um den Schuldendienst leisten zu können, ist Italien daher auf anhaltend niedrige Zinsen angewiesen. Sollte die aktuelle Regierung weiterhin für Unsicherheit sorgen und wichtige politische Reformen aufschieben, dann könnte der drittgrößten europäischen Volkswirtschaft mittelfristig sogar eine handfeste Schuldenkrise drohen. Dass vor allem südeuropäische Staaten weiterhin auf niedrige Zinsen angewiesen sind, erhöht den Druck auf die EZB, an der lockeren Geldpolitik festzuhalten.

Tief, tiefer, Bauzinsen: Was die Geldpolitik der EZB für angehende Eigenheimbesitzer bedeutet

Einen direkten Einfluss auf die Bauzinsen haben die Ergebnisse der EZB-Sitzung nicht. Aber: Steigen die Leitzinsen, dann bewegt sich auch das allgemeine Zinsniveau nach oben – einschließlich der Bauzinsen. Da eine Normalisierung der Geldpolitik allerdings aktuell in weite Ferne rückt, ist ein Aufwärtspotenzial zumindest kurzfristig nicht vorhanden. Aufgrund der zahlreichen Unsicherheiten flüchten sich Anleger weiterhin in die als sicher geltende zehnjährige Bundesanleihe. Ende Februar erreichte sie erneut einen Tiefstand und war mit 0,09 Prozent so niedrig wie seit 2016 nicht mehr. Die Baufinanzierungszinsen zogen nach und bewegen sich seit Anfang Februar wieder unter der Ein-Prozent-Marke. Was bedeutet das für Immobilienkäufer? Sie sollten die weiterhin niedrigen Zinsen für eine möglichst hohe Tilgung nutzen und eine lange Zinsbindung wählen, mit der sie sich das aktuelle Zinsniveau langfristig sichern. Für Anschlussfinanzierer ist es auf jeden Fall ratsam, die Angebote verschiedener Banken zu vergleichen (oder vergleichen lassen), um günstige Zinsen für ihre nächste Finanzierungsrunde zu finden.


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