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Zinsprognose 2018/2019: Wie geht's weiter mit den Bauzinsen?

Die Bauzinsen bestimmen, wie teuer Ihr Baudarlehen wird. Behalten Sie deshalb die Zinsentwicklung der kommenden Monate im Blick, wenn Sie eine Immobilie anschaffen möchten. Unser Spezialisten geben eine Zinsprognose ab und verraten, worauf Sie achten sollten.

Zinsprognose und Chart zur Entwicklung der Bauzinsen
  • Inhaltsverzeichnis
    • Liegt die Zinswende schon hinter uns?

      Niedrige Zinsen waren in letzter Zeit immer wieder ein Thema in den Medien: Die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) stand zunehmend in der Kritik. Sparer leiden darunter: Für klassische Geldanlagen wie Tagesgeld oder Festgeld gibt es heutzutage kaum noch Zinsen. Des einen Freud, des anderen Leid – Immobilienkäufer profitieren von dieser Situation, denn sie können sich das benötigte Geld zu sehr guten Konditionen leihen. Je niedriger der Sollzins zur Baufinanzierung ausfällt, desto geringere Zinskosten fallen im Laufe der Jahre an.

      Jüngste Entwicklung der Bauzinsen bis heute

      Wie entwickelten sich die Bauzinsen bisher?

      • Seit 2008 sanken die Bauzinsen immer weiter herab – bis Ende 2016.
      • Im November des letzten Jahres stiegen sie plötzlich leicht an, und die Frage nach einer bevorstehenden Zinswende wurde immer lauter.
      • Die EZB kündigte im Oktober 2017 schließlich an, ihr Anleihekaufprogramm zwar bis Ende 2018 fortzusetzen.
      • Gleichzeitig gab die EZB  bekannt, das Kaufvolumen ab Januar 2018 nochmals von 60 Milliarden Euro auf 30 Milliarden pro Monat drosseln zu wollen.
      • Der Markt reagierte, und die Bauzinsen stiegen in 2017 insgesamt leicht an, blieben aber über Monate hinweg auf einem Level zwischen 1,0 und 1,2 Prozent für Kredite mit 10-jähriger Zinsbindung.
      • Seit Januar 2018 liegen die Zinsen für Kredite mit 10-jähriger Zinsbindung kontinuierlich über 1,15 Prozent pro Jahr.

      Betrachtet man die Entwicklung seit Herbst 2016, können wir davon ausgehen, dass die Zinswende nun hinter uns liegt. Im weiteren Verlauf ist für 2018 mit einem moderaten, sehr begrenzten Anstieg zu rechnen.

      Kommentar von Michael Neumann zur Zinswende und der Entwicklung in 2018

      Liegt die Zinswende 2018 bereits hinter uns? Michael Neumann, Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG, beantwortet diese Frage und gibt einen Ausblick auf die weitere Entwicklung.

      Die Bauzinsenentwicklung der letzten Jahre

      Um den Stand der Zinsen besser einordnen und ihre künftige Entwicklung in einen Gesamtkontext setzen zu können, werfen wir zunächst einen kurzen Blick in die Vergangenheit. Wie unsere hausinternen Daten zeigen, legten die Bauzinsen in den letzten Jahren eine anhaltende Talfahrt hin. So sind beispielsweise Kredite mit zehnjähriger Zinsbindung seit 2008 von der 5-Prozent-Marke immer weiter gefallen bis auf ihren vorläufigen, absoluten Tiefststand im Oktober 2016, als sie bei 0,69 Prozent landeten. Natürlich ließen sich zwischen 2008 und 2016 auch immer mal wieder kleinere Anstiege verzeichnen, dabei handelte es sich aber stets um geringe Kurskorrekturen. Der allgemeine Trend kannte hingegen nur eine Richtung: abwärts. Im Jahr 2016 folgte dann die vorläufige Wende.

      Die Trendwende der Zinsen im letzten Jahr

      Im November 2016 war bereits ein kleiner Anstieg zu sehen: Zunächst stiegen die aktuellen Bauzinsen von 0,69 auf 0,81 Prozent (Stand: 03.11.2016) und schoben sich zwischenzeitlich sogar über die 1-Prozent-Marke (1,01 Prozent am 19.12.2016). Zum Jahresende hin deutete sich allerdings wieder ein leichter Rückgang auf 0,94 Prozent an (31.12.2016). Zwischen Januar und Mai 2017 pendelten sich die Darlehenszinsen schließlich auf 1,00 Prozent ein. Bis August 2017 stieg der Bestzins für 10-jährige Hypothekendarlehen noch mal leicht auf 1,10 Prozent, sank aber im Oktobet 2017 wieder unter die 1-Prozent-Marke auf 0,99 Prozent. Im ersten Halbjahr 2018 hat sich das Niveau auf 1,15 / 1,20 Prozent eingependelt.

      Bauzinsen-Chart: Entwicklung der Bauzinsen in den letzten Jahren

      Unser Bauzinsen-Chart bietet Ihnen die Möglichkeit, selbst einen Blick auf die Zinsentwicklung der letzten Jahre zu werfen. Das Chart zeigt Ihnen ab dem Jahr 2000 bis heute die Entwicklung der Bauzinsen, und zwar gestaffelt nach Sollzinsbindungen: Wählen Sie in der oberen Zeile beispielsweise "5 Jahre" aus, so sehen Sie die Daten aller Kredite mit fünfjähriger Zinsbindung, bei "10 Jahre" diejenigen mit zehnjähriger Zinsbindung und so weiter. In der unteren Zeile haben Sie nun die Wahl, ob Sie sich die Entwicklung des letzten Tages, des letzten Monats, der letzten drei Monate oder 6 Monate oder der letzten ein bis 10 Jahre ansehen möchten.

      Ein Beispiel: Haben Sie oben "10 Jahre" angeklickt und unten "6 Monate", dann zeigt Ihnen das Bauzinsen-Chart nun, wie sich Baukredite mit einer Sollzinsbindung von 10 Jahren in den vergangenen sechs Monaten im Zins entwickelt haben, welche Zinsen die Banken also für diese Konstellation in diesem Zeitraum anboten.

      So können Sie aus dem Bauzinsen-Chart ablesen, in welchem Spektrum sich das Zinsniveau in bestimmten Zeiträumen bewegt hat.

      Der Rückblick: So verlief die Zinsentwicklung in der Vergangenheit

      Die Zinsentwicklung 10-jähriger Kredite seit November 2016

      Viele Immobilienkäufer entscheiden sich heutzutage für eine Zinsbindung von 10 Jahren, deshalb wird sie meist als Referenz herangezogen, um die Bauzinsenentwicklung zu betrachten. Die folgende Tabelle bietet Ihnen einen Überblick über die Entwicklung der letzten Monate. 

      Monat / JahrZinssatz
      10 / 20160,69 %
      11 / 20160,81 %
      12 / 20161,01 %
      01 / 20171,00 %
      02 / 20171,06 %
      03 / 20171,03 %
      04 / 20171,00 %
      05 / 20171,06 %
      06 / 20171,06 %
      07 / 20171,11 %
      08 / 20171,10 %
      09/20171,11 %
      10/20170,99 %
      11/20170,99 %
      12/20171,11 %
      01/20181,15 %
      02/20181,21 %
      03/20181,33 %
      04/20181,29 %
      05/20181,29 %
      06/20181,20 %
      07/20181,19 %
      Tabelle: Zinsanstieg seit Ende 2016, Quelle: Dr. Klein / Europace

      Ausgangslage für die Zinsprognose 2018/2019

      Der Anstieg der Zinsen bei Krediten mit 10-jähriger Sollzinsbindung von 0,69 Prozent auf 1,19 Prozent zwischen November 2016 und Juli 2018 scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich hoch auszufallen. Auch, wenn wir aktuell wieder näher an der 1-Prozent-Marke sind: Der Anstieg hat nun insgesamt bereits seit mehreren Monaten Bestand und lässt er sich schwerlich als kleine Kurskorrektur klassifizieren. Zudem gibt es weitere, äußere Faktoren, die für eine länger währenden Aufwärtstrend sprechen.

      Einflussfaktoren: Die EZB, der Leitzins und die Fed

      Der Bauzins, den Sie für Ihre Baufinanzierung erhalten, entsteht nicht zufällig. Er ist von zwei Hauptfaktoren abhängig: Der allgemeinen Marktlage und Ihren persönlichen, finanziellen Voraussetzungen. Auf den ersten Faktor wollen wir an dieser Stelle noch mal näher eingehen, denn er bestimmt den Zins am stärksten: Gibt der Markt ein Zinsniveau von beispielsweise 4 bis 5 Prozent vor, dann können Sie diesen durch Ihre persönlichen, finanziellen Gegebenheiten wie beispielsweise Ihr Eigenkapital nur in sehr geringem Maße herabsenken. Die Marktlage ist also der stärkere Hauptfaktor von beiden, der die Rahmenbedingungen dominiert.

      Der Einfluss der europäischen Wirtschaft auf Ihren Bauzins

      Die Bauzinsen sind unter anderem von den geldpolitischen Maßnahmen der Europäische Zentralbank (EZB) abhängig. Ihre Hauptaufgabe ist es, Preisstabilität in der Euro-Zone zu gewährleisten. Das tut sie, in dem sie die im Umlauf befindliche Geldmenge reguliert. Dafür bedient sie sich zweier Werkzeuge, nämlich des Leitzinses und des Anleihekaufprogramms. Messeinheit für die Preisstabilität ist die Inflationsrate. Sie gilt als ideal, wenn sie bei etwa zwei Prozent liegt. Davon ist die EU aktuell noch entfernt. Zwar ist die Inflationsrate zwischen Juni 2016 und April 2018 von 0,1 Prozent auf 1,2 Prozent gestiegen und bewegte sich im Mai 2018 zwischenzeitlich sogar im Bereich der angepeilten 2-Prozent-Marke. Allerdings ist sie der EZB zufolge noch immer nicht stabil genug. Deshalb pumpt sie weiterhin Geld in den Wirtschaftskreislauf, indem sie den Leitzins herabsenkt und Staatsanleihen aufkauft. Dadurch gewährt sie wirtschaftlich schwachen Ländern Kredit, mit dem Ziel, auf diese Weise deren Wirtschaft anzukurbeln. 

      Das Anleihekaufprogramm hat noch einen Nebeneffekt: Damit hält die EZB die Nachfrage nach Staatsanleihen künstlich hoch und drückt die Zinsen der Staatsanleihen auf ein niedriges Niveau. So nimmt sie direkt Einfluss auf Ihren Bauzins, denn er fällt dadurch ebenfalls günstig aus. Grund dafür ist die Art und Weise, wie Banken ihre Baufinanzierungen refinanzieren: Sie holen das Geld herein, indem sie Pfandbriefe vergeben, und deren Zinsen hängen direkt von den Zinsen der Staatsanleihen ab. Mit anderen Worten: Je niedriger die Zinsen der Staatsanleihen und Pfandbriefe sind, desto bessere Refinanzierungsbedingungen bieten sich der Bank, und diesen Vorteil gibt sie dann in Form günstiger Bauzinsen an den Kunden weiter. Allerdings hat die EZB aufgrund positiver Beschäftigungs- und Wachstumsprognosen für die EU unlängst den Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm angekündigt. Und für den Leitzins legte sie einen konkreten Zeitrahmen fest: Bis Sommer 2019 soll er bei 0,0 Prozent bleiben. 

      Nun stellt sich vielleicht die Frage: Die deutsche Wirtschaft schwächelt doch aber gar nicht, für Deutschland müsste man die Zinsen doch längst anheben? Antwort: Als Mitgliedsstaat der EU heißt es, mitgehangen, mitgefangen. Der Leitzins wird erst angehoben, wenn die Wirtschaftsdaten der gesamten EU es zulassen, und erst dann steigen auch hierzulande die Geldanlagezinsen wieder. Die niedrigen Bauzinsen in Deutschland wiederum resultieren daraus, dass die deutsche Wirtschaft so gut dasteht. Die Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen, die als sichere Anlage-Häfen gelten, ist nicht nur durch die EZB-Anleihe-Käufe hoch, sondern wird auch von anderen Anlegern hochgehalten. Auch hierdurch bleiben ihre Zinsen niedrig, und auch das ist eine zusätzliche Triebfeder für die hierzulande geringen Bauzinsen. Erfahren Sie mehr über die genauen Zusammenhänge in unserem Artikel über den Leitzins.

      Die aktuelle Geldpolitik der EZB

      In ihrer Juni-Sitzung hat die EZB unlängst kleine Schritte in Richtung geldpolitische Wende gewagt, indem sie weitere Senkungen des Leitzinses für längere Zeit ausschloss. Sobald die Inflationsrate stabil bei 2 Prozent liegt, wird sie ihn folglich wieder erhöhen. Gleichzeitig drosselt sie das Anleihekaufprogramm. Es wird zwar bis Ende 2017 fortgeführt, allerdings wurde das Kaufvolumen ab April 2017 von monatlich 80 Milliarden auf 60 Millarden herab gesenkt. In der Oktobersitzung gab sie die weitere Fortführung bis Ende 2018 bekannt, allerdings mit einer erneuten Herabsenkung des Kaufvolumens ab Januar 2018 von 60 auf 30 Milliarden Euro. All das setzt deutliche Signale und lässt Schlussfolgerungen zu: So schnell werden die Bauzinsen nicht wieder auf den Stand von Ende 2016 (0,69 Prozent im November) zurück sinken. 

      Druck aus den USA: Fed wird weitere Leitzinserhöhung vornehmen

      Auch die USA setzen weitere Impulse für eine Leitzinserhöhung im Euro-Raum. Dort hat die Notenbank Federal Reserve (Fed) in 2018 bereits zum zweiten Mal den Leitzins angehoben, aktuell steht er bei 1,75 bis 2,00 Prozent. Damit bewegt sich der amerikanische Leitzins nun wieder auf dem Niveau von 2008. Für 2018 werden insgesamt drei bis vier Zinserhöhungen erwartet. Insgesamt ist es die siebte Erhöhung in Folge seit Dezember 2015. Dadurch werden US-Anlagen attraktiver, weil sie bessere Zinsen bieten. Die Folge: Anleger wandern aus dem Euro-Raum in den Dollar-Raum ab. Auf diese Weise gerät die EZB zwar unter Handlungsdruck, den Leitzins ebenfalls wieder in die Höhe zu ziehen. Im Zweifel wird die EZB ihre Entscheidung aber eher nach den Wirtschaftsdaten des Euro-Raums richten, die momentan noch nicht für einen schnellen Richtungswechsel sprechen. Zusammengefasst heißt das: Der EZB-Leitzins wird in Zukunft nicht weiter sinken, aber auch nicht schnell ansteigen.

      Zinsprognose unserer Spezialisten

      Dr. Klein veröffentlicht zur genaueren Prognose jeden Monat einen Zinskommentar, in dem sich unsere Spezialisten zur aktuellen Lage äußern. Auch die Geschäftsführer der Dr. Klein-Schwesterfirma Qualitypool geben einmal monatlich im Zinszoom ihre Zinsprognose ab. Darin ordnen unsere Spezialisten die aktuelle Bauzinsenentwicklung speziell für Immobilieninteressenten ein. Die wichtigsten Aussagen der letzten Publikationen wollen wir an dieser Stelle für Sie zusammenfassen. 

      • Im Zinskommentar von Juni 2018 ordnete Dr. Klein-Geschäftsführer Michael Neumann die weiterhin vorsichtige Geldpolitik der EZB folgendermaßen ein: „Ich rechne eher nicht mit einer Zinserhöhung seitens der EZB zu diesem Zeitpunkt [Sommer 2018, Anm. d. Red]. Die Amtszeit Mario Draghis endet kurz darauf und ich glaube nicht, dass er als letzte Amtshandlung seine erste und einzige Zinserhöhung in acht Jahren vollziehen wird“
      • Jörg Haffner, Geschäftsführer von Qualitypool, kommentierte die aktuellen Maßnahmen von EZB und Fed im Juni 2018 folgendermaßen: „Wie erwartet hat sich die EZB dafür entschieden, das lange erwartete Auslaufen des Anleihenkaufprogramms frühzeitig zu kommunizieren. So haben sich daraus aktuell keine Zinsimpulse ergeben. Auch die lange Zeitspanne bis zum potenziellen ersten Zinsschritt nach dem Sommer nächsten Jahres sollte zunächst für einen weiter entspannten Zinsmarkt sorgen.“

      Ausblick für die zweite Jahreshälfte 2018 von Michael Neumann

      Wohin entwickeln sich die Bauzinsen bis Ende 2018 noch? Michael Neumann, Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG, gibt Antwort darauf.

      Fazit: Die Bauzinsenentwicklung geht moderat aufwärts

      In der Tendenz ist zwar in 2018 mit einem weiteren Anstieg der Bauzinsen zu rechnen, er wird allerdings nicht eklatant ausfallen. Abwärts dürfte es allerdings nicht mehr gehen. Die Zinsen werden sich entweder schwankend seitwärts oder moderat aufwärts bewegen. Die wichtigste Schlussfolgerung für Immobilienkäufer lautet deshalb: Besser wird’s nicht.

      Das ist aber aus Sicht unserer Spezialisten noch lange kein Grund, den Hauskauf übereilt anzugehen. Selbst, wenn die Zinsen in 2018 stetig über einem Prozent bleiben sollten: Verglichen mit dem Jahr 2008 (5,00 Prozent) fallen Immobilienfinanzierungen heutzutage immer noch sehr günstig aus.

      Weil die Zinsen so niedrig sind, ergeben sich für Immobilienkäufer sehr gute Möglichkeiten, das Immobiliendarlehen schnell zu tilgen. Dies tun die meisten auch, sie nutzen die günstige Zinssituation und stellen ihre Finanzierung damit auf sichere Beine. Dem schließen sich zwei weitere, wichtige Schlussfolgerungen an: Ein Immobilienkauf wird sich auch im Jahr 2018 noch lohnen, und die Angst vor einer Immobilienblase ist unberechtigt.

      1. Es wird weiterhin keine Immobilienblase geben

      Immer mal wieder wird in den Medien spekuliert, ob sich in Deutschland nicht schon längst eine Immobilienblase gebildet hat. Hinzu kommt der eigene Eindruck, der zeigt, dass Neubauten mit Handtuchgärten in Großstädten inzwischen mehr als ein halbes Vermögen kosten. Dadurch entsteht die Angst, zuviel Geld in ein Objekt zu stecken, das nach dem Platzen einer Blase plötzlich nur noch die Hälfte wert sein könnte. Doch auch hier können wir Entwarnung geben: In unserem Trendindikator Immobilienpreise (DTI) ermitteln wir regelmäßig reale Kaufpreise in den Metropolregionen Deutschlands. Darin verzeichnen wir zwar in den letzten Jahren eine Preissteigerung sowohl bei Häusern als auch bei Eigentumswohnungen.

      Eine Überhitzungsgefahr ist unserer Einschätzung nach allerdings nicht in Sicht. Die Immobilienblasengefahr steigt, wenn überhöhte Immobilienpreise auf unvernünftig vergebene Finanzierungen treffen. So war es während der Finanzkrise in den USA 2008 zu beobachten. Hierzulande wird aber solide finanziert. Das zeigt unter anderem der durchschnittliche Beleihungsauslauf: Er lag in der Vergangenheit konstant zwischen 75 und 79 Prozent. Das bedeutet, deutsche Immobilienkäufer bringen bis zu 25 Prozent Eigenkapital in die Finanzierung mit ein und stellen ihre Finanzierungen auf ein sicheres Fundament. Zudem wird hierzulande recht hoch getilgt, die Restschuld schnell zurück gezahlt. Gleichzeitig liegt aber seit Inkrafttreten der Wohnimmobilienkreditrichtlinie 2016 besonderes Augenmerk auf der Höhe der Monatsrate und ob diese auch auf lange Sicht gesehen stemmbar ist. Vor diesem Hintergrund würden Kreditnehmer hierzulande selbst größere Zinssprünge unbeschadet überstehen.

      2. Kaufen wird sich 2018 noch lohnen

      Wie die Daten unseres Dr. Klein Trendindikators Baufinanzierung (DTB) zeigen, steigen die Immobilienpreise offenbar allerorts. Gleichzeitig zogen vor Kurzem die Zinsen an. Wer jetzt einen Kauf plant, darf sich von diesen äußeren Bedingungen nicht verunsichern lassen. Die Bauzinsen haben sich schließlich in letzter Zeit um die 1-Prozent-Marke herum eingependelt, und bei Bestandsimmobilien verzeichneten wir zuletzt immer mal wieder Preisrückgänge. Es gilt, Ruhe zu bewahren. Hektik ist ein schlechter Ratgeber beim Immobilienkauf: Treffen Sie Ihre Entscheidung mit Besonnenheit und lassen Sie sich bei der Wahl des richtigen Objektes nicht hetzen. Sicher ist: Auch 2018 wird sich die Investition in die eigenen vier Wände noch rentieren, denn Immobilien sind im Vergleich zu anderen Geldanlagen trotz gestiegener Preise eine sehr gute, sichere Investition. Schieben Sie die Entscheidung nur nicht auf die lange Bank, denn dadurch kann sich Ihre Baufinanzierung erheblich verteuern, wie die folgende Beispielrechnung zeigt.

      Beispielrechnung: Moderater Anstieg, große Wirkung

      Eins steht fest: Auch ein moderater Anstieg der Bauzinsen hat Auswirkungen. Diese wollen wir im Folgenden noch mal greifbarer aufzeigen. Dazu wagen wir erneut einen Blick in die Vergangenheit, um ein Gefühl dafür zu vermitteln, in welchem Maß Zinsanstiege bisher üblich waren. Unser Zinschart stellt dar, in welcher Spanne sich die Bauzinsen während langanhaltender Aufwärtsphasen innerhalb eines Jahres bewegt haben.

      Jährliche Anstiege von 0,5 Prozent üblich

      Nehmen wir als Beispiel die Zeitspanne zwischen 2005 und 2008: Innerhalb dieser drei Jahre stiegen die Zinsen für Kredite mit zehnjähriger Zinsbindung unseren Daten zufolge von 2,98 auf 4,60 Prozent, das ergibt ein Plus von 1,62 Prozentpunkten und macht im Schnitt einen jährlichen Anstieg von maximal 0,55 Prozentpunkten aus. Halten wir fest: In einer länger anhaltenden Aufwärtsphase können Bauzinsen also durchaus um einen halben Prozentpunkt pro Jahr ansteigen. Dies ist ein Anstieg, den unsere Spezialisten noch als moderat bezeichnen.

      Anstieg in 2018 auf 1,5 Prozent möglich

      Wenn wir für 2018 also einen „moderaten Anstieg“ prophezeien, dann werden sich die Bauzinsen aller Voraussicht nach in einem Spektrum von plus 0,5 Prozent bewegen. Gehen wir konkret vom Stand am 31.10.2017 aus, als sie bei 0,99 Prozent lagen, dann würden sie in 2018 aufgerundet auf maximal 1,5 Prozent steigen (aktuell liegen sie im November 2017 bei 1,01). An einer Beispielrechnung wollen wir nun zeigen, was diese 0,5 Prozentpunkte ausmachen können und drücken dies konkret in Euro aus. Für die Beispielrechnung nehmen wir einmal an, Sie möchten ein Objekt im Wert von 300.000 Euro kaufen und benötigen 150.000 Euro von der Bank. Ihre anfängliche Tilgung beträgt 2 Prozent.

       0,99 % p.a.1,5 % p.a.
      Monatliche Rate373 €473 €
      Restschuld nach 10 Jahren118.478 €117.654 €
      Geleistete Tilgung31.521 €32.345 €
      Geleistete Zinsen13.328 €20.154 €
      Beispielrechnung: Anstieg von 0,99 auf 1,5 Prozent

      Es zeigt sich: Die monatliche Rate 373 steigt durch den höheren Sollzins auf 473 Euro. Die Restschuld fällt nach zehn Jahren trotz gestiegenem Zins sogar um fast 1.000 Euro geringer aus. In diesen Bereichen ist der Unterschied also noch nicht so deutlich spürbar, bzw. wirkt sich sogar positiv aus. Der höhere Sollzins macht sich aber hinsichtlich der gesamten Zinskosten mehr als deutlich bemerkbar: Sie betragen innerhalb der fast zehnjährigen Zinsbindung fast 7.000 Euro mehr. Mit unserem Bauzinsrechner können Sie selbst kalkulieren, welchen Zins Sie für Ihre Baufinanzierung erhalten würden und wie er sich auf die gesamten Zinskosten auswirkt.

      Zinsprognose 2018 einordnen und richtig handeln

      Den richtigen Zeitpunkt für den eigenen Hauskauf zu finden, ist nicht einfach. Die Zinsen werden weiter steigen, wenn auch nicht stark, aber auch ein kleiner Anstieg ist nicht zu vernachlässigen. Welche Verhaltensweise ist nun für angehende Immobilienbesitzer richtig? Dazu haben wir Ihnen fünf hilfreiche Tipps zusammen gestellt.

      Fünf Tipps für Immobilienkäufer

      1. Staatsanleihen und Inflationsrate beobachten

        Wohin die Staatsanleihen tendieren, dorthin werden die Bauzinsen mit einigen Wochen Verzögerung folgen. Behalten Sie vor allem die 10-jährigen Anleihen im Blick, um eine direkte Vorhersage zu erhalten. Auch die Inflationsrate bedarf Ihrer Aufmerksamkeit: Sobald sie konstant an 2 Prozent heranreicht, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung. Die Bauzinsen ziehen normalerweise schon vorher an.

      2. EZB-Entscheidungen verfolgen

        Behalten Sie die geldpolitischen Maßnahmen der EZB im Blick: Das Anleiheprogramm wird nicht über 2017 hinaus verlängert? Eine Erhöhung des Leitzinses wird diskutiert? Dann ist ein weiterer, stärkerer Anstieg der Bauzinsen wahrscheinlich.

      3. Impulse aus den USA einordnen

        Bleiben Sie in Sachen Fed auf dem Laufenden: Schreitet die Fed mit weiteren Leitzinserhöhungen voran, dürfte sich dies auch auf die hiesigen Bauzinsen auswirken, ohne dass es zwingend einer Leitzinserhöhung der EZB bedarf. 

      4. Regelmäßige Lektüre von Fachpublikationen

        In unserem Zinskommentar geben die Spezialisten von Dr. Klein monatlich Prognosen und Handlungsempfehlungen ab. So helfen sie Ihnen dabei, die Situation richtig einzuschätzen.

      5. Auf lange Zinsbindungen setzen

        Sie können die Zinsen Ihrer Baufinanzierung für 5, 10, 15, 20, 25 oder 30 Jahre festlegen. Bei der Aussicht auf steigende Zinsen empfehlen sich lange Sollzinsbindungen, um für die nächsten Jahre abgesichert zu sein. Gleichzeitig bietet sich eine hohe, anfängliche Tilgung von mindestens zwei Prozent pro Jahr an, um die Restschuld von Beginn an zügig zu tilgen. So senken Sie ganz nebenbei das Zinsänderungsrisiko, das sich ansonsten bei der kommenden Anschlussfinanzierung ergeben könnte.

      Zinsen sichern, vorausschauend planen

      Die Zinsentwicklung ist für Ihre Baufinanzierung von entscheidender Bedeutung: Wer den richtigen Zeitpunkt für den Immobilienkauf findet, kann bei der Finanzierung viel Geld sparen. Egal, ob Sie Ihre erste Baufinanzierung abschließen oder eine Anschlussfinanzierung benötigen: Unsere Spezialisten für Baufinanzierung stehen Ihnen dabei zur Seite. Sie ordnen die Bauzinsenentwicklung für Sie ein, zeigen Ihre Chancen auf und vergleichen auf Wunsch die Angebote von mehr als 400 namhaften Bankpartnern für Sie.

      Ihre Baufinanzierung zum perfekten Timing

      Die Tendenz der Bauzinsenentwicklung für die nächsten Monate kennen Sie nun. Wann der richtige Zeitpunkt ist, um aktiv zu werden, welche Zinsbindung Sie wählen und wie viel Eigenkapital Sie einbringen sollten, wissen unsere Berater vor Ort und sprechen jeden Schritt Richtung Traumhaus gemeinsam mit Ihnen durch.

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