Baufinanzierungszinsen 2019: Wie geht's weiter?

Blick in die Glaskugel: Konjunktur, Geldpolitik und Baufinanzierungszinsen 2019

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Wie geht’s weiter mit den Zinsen in diesem Jahr? Wir werfen einen kritischen Blick auf die Konjunkturentwicklung und ziehen Rückschlüsse darauf, wie sich die Baufinanzierungszinsen 2019 entwickeln werden.

„Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen.” Wer genau diese geflügelten Worte in Umlauf brachte, ist nicht mehr bekannt. Sie wurden unter anderem Winston Churchill und Mark Twain zugeschrieben. Tatsache ist allerdings: An dem beliebten Bonmot ist etwas Wahres dran. Die Liste der spektakulär falschen Prognosen ist lang. Sie reicht von Ökonomen des „Club of Rome“, die in den 70er Jahren das Versiegen der Rohstoffvorräte prophezeiten, über Bill Gates, für den das Internet Anfang der 90er „nur ein Hype“ war, bis hin zu den zahlreichen Wirtschaftsforschern, von denen keiner die Finanzkrise im Jahr 2008 kommen sah.

Jetzt mal Tacheles: Sind Prognosen sinnlos?

Die ehrliche Antwort auf Fragen wie „Wann steigen die Zinsen?“ oder „Wie entwickelt sich die europäische Wirtschaft?“ müsste eigentlich lauten: Wir wissen es nicht. Wirtschaftliche Zusammenhänge sind komplex und können sich vor allem durch kurzfristige Einflüsse oder unvorhergesehen Schocks schnell verändern: Dazu zählen große Desaster wie die Lehman-Pleite 2008 genauso wie die launenhaften Entscheidungen Donald Trumps, dessen Handelspolitik immer wieder für Turbulenzen an den Märkten sorgt. Sind Prognosen also sinnlos? Natürlich nicht. Denn auch wenn es keine hundertprozentige Sicherheit gibt, einige Entwicklungen sind definitiv wahrscheinlicher als andere. Und der Blick in die Zukunft bleibt eine wichtige Orientierungshilfe für Unternehmer, Politiker und nicht zuletzt auch Baufinanzierer.

Was bisher geschah: die EZB, die Inflation und der ganze Rest

Um die Frage nach der Zukunft der Geldpolitik zu beantworten, lohnt zunächst ein Blick in die Vergangenheit. Nach der Finanz- und Eurokrise brach die europäische Konjunktur ein und die Kerninflation im Euroraum entfernte sich deutlich von der 2-Prozent-Zielmarke. Im September 2010 erreichte sie einen ersten Tiefstand von 1 Prozent. Um das Wirtschaftswachstum und damit auch die Inflation wieder anzukurbeln, begann die Europäische Zentralbank (EZB), den Leitzins Schritt für Schritt zu senken.

Das Problem: Bereits seit Ende 2013 sagte die EZB für jedes Quartal ein Anziehen der Inflationsrate voraus. Und wurde damit seit mittlerweile fast sechs Jahren wieder und wieder von der Realität widerlegt. Im Frühjahr 2015 erreichte die Inflationsrate sogar vorübergehend ein erneutes Rekordtief von gerade einmal 0,7 Prozent. Auf diese systematisch inkorrekten Prognosen der Zentralbank wies jüngst der Ökonom Zsolt Darvas in einem Blogbeitrag für das Bruegel-Institut hin.

Dieser sture Glaube an eine Erholung der Inflationsrate könnte dazu beigetragen haben, dass die EZB deutlich zaghafter gegen die Auswirkungen der Finanzkrise vorging als die amerikanischen Kollegen. Die Notenbanker der Federal Reserve Bank (Fed) reduzierten am 8. Oktober 2008 infolge des Lehman-Crashs erstmals den Leitzins, nur acht Wochen später waren die Zinsen bereits bei Null angekommen. Zum Vergleich: Der Leitzins der EZB lag im Oktober 2008 noch bei 3,25 Prozent. Im Zuge der Krise senkte ihn die EZB zwar sukzessive immer weiter ab. Die 0 Prozent erreichte er allerdings erst am 10. März 2016 – also ganze 8 Jahre nach den USA. Das erklärt auch, warum die Fed auf dem Weg in Richtung „Normalisierung der Geldpolitik“ aktuell deutlich weiter ist als die EZB.

Wann steigen also die Zinsen, und damit auch die Baufinanzierungszinsen 2019 ?

Bleiben wir beim Vergleich mit den USA: Während die EZB erst zum Anfang des Jahres aus den Anleihekäufen ausgestiegen ist, beendete die Fed ihre Anleihekäufe bereits Ende 2014. Ein erster, kleiner Zinsschritt folgte in den USA erst Ende 2015. Jetzt, gut drei Jahre später, ist der Leitzins schließlich fast wieder auf dem neutralen Niveau von drei Prozent angekommen. Natürlich muss die Entwicklung im Euroraum nicht analog zu der in den Vereinigten Staaten verlaufen. Der Euro-Währungsraum unterscheidet sich deutlich vom amerikanischen Währungsraum und auch die weltwirtschaftliche Situation ist eine andere. Dass der Ausstieg aus der Nullzinspolitik in Europa schneller erfolgen könnte als in den USA, ist allerdings äußerst unwahrscheinlich. Eher dürfte sich der für sein behutsames Vorgehen bekannte EZB-Chef Mario Draghi noch etwas länger Zeit lassen.

Hinzu kommt: Bisher war die Europäische Zentralbank zuversichtlich, dass die Konjunktur nur eine kleine Verschnaufpause einlegt. Auf ihrer letzten Sitzung im Dezember 2018 stellten die Notenbanker allerdings fest, dass sich Chancen und Risiken für das Wachstum im Euro-Raum zwar die Waage halten, die Balance aber eher nach unten neigt. Auf die Frage, wann denn nun die erste Zinserhöhung zu erwarten sei, antwortete Draghi verhaltener als zuvor. Experten spekulieren daher bereits, dass 2019 womöglich gar kein Zinsschritt stattfindet. Auch in den USA trüben sich die Wirtschaftsaussichten für 2019 übrigens ein. Die Weltbank hat ihre Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft nach unten korrigiert, vor allem die Vorhersage für die USA. Eine Rezession ist dennoch unwahrscheinlich, da die USA auch 2019 noch von Trumps Steuersenkungen profitieren dürfte. Gleichzeitig scheint erstmals eine Annäherung zwischen den USA und China möglich. Ein Ende des Handelskonfliktes könnte 2019 gelingen – und das würde auch die Konjunkturaussichten weltweit wieder verbessern. Wir erinnern uns: Kurzfristige Einflüsse können Prognosen deutlich erschweren.

Was bedeutet das für Bauherren, Käufer und die Bauzinsen Prognose 2019

Während alle Sparer wohl vor Frust in die Tischkante beißen könnten, dürfen sich angehende Eigenheimbesitzer freuen. Unsere Zinsprognose lautet: Nach 2015, 2016, 2017 und 2018 wird auch das Jahr 2019 mit besonders günstigen Baufinanzierungszinsen aufwarten. Frühestens Ende 2019, wenn klarer wird, ob und wann ein erster Zinsschritt anstehen könnte, dürften sich die Baufinanzierungszinsen allmählich nach oben bewegen. Bei den aktuellen Bauzinsen sieht es erst einmal nach einer neuen Talfahrt aus: Am 3. Januar 2019 erreichte die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe mit 0,15 Prozent einen Tiefstand, den wir zuletzt Ende 2016 erreicht hatten.


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