Baufinanzierung 2019: Wohin geht's mit den Zinsen?

Baufinanzierung 2019: Zinsen rauf, Zinsen runter, kaufen oder nicht? Unsere Tipps!

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Fangen wir mit der schlechten Nachricht an, dann haben wir sie hinter uns: Genau kann niemand vorhersagen, wie sich die Zinsen für Baufinanzierungen in 2019 entwickeln werden. Die Entwicklung hängt von vielen Faktoren ab, die ziemlich komplex ineinander greifen. Die gute Nachricht: Ein Trend lässt sich durchaus erkennen.

Steigen die Zinsen für die Baufinanzierung 2019?

Ja – aber: kaum! Voraussichtlich wird der EZB-Leitzins auch 2019 nicht erhöht – deshalb ist auch nicht mit signifikanten Sprüngen bei den Bauzinsen zu rechnen. Kurzfristig können sich immer wieder Schwankungen ergeben („volatil“ ist in diesem Zusammenhang ein tolles Wort, viel hübscher als „auf und ab“), also mitunter auch sinken. Wie jetzt im Januar, als sie auf die Brexit-(Nicht-)Entwicklung und den US-amerikanischen Shutdown reagiert haben.

Solche politischen Ereignisse beeinflussen die Bauzinsen immer etwas – aber nur kurzfristig und nicht nachhaltig. Langfristig gilt: Es ist wahrscheinlicher, dass die Zinsen für Baufinanzierungen 2019 steigen, als dass sie sinken – und Ende des Jahres höher sein werden als im Dezember 2018. Das sagt auch unser Geschäftsführer Michael Neumann:

Michael Neumann: Wie werden sich die Zinsen für Baufinanzierungen 2019 entwickeln?

Unser Tipp für Käufer: Nicht stressen lassen!

Mit dem letzten Satz (“Wenn ich vor der Wahl stünde, mir heute oder in einem Jahr die Zinsen zu sichern, dann würde ich mir die heute historisch niedrigen Zinsen sichern und nicht darauf hoffen, dass das Zinsniveau in einem Jahr noch ähnlich niedrig ist.”) spricht Michael Neumann einen Knackpunkt an, nämlich: „Wenn ich vor der Wahl stünde …“.

Die meisten, die nach einer Immobilie suchen, können den Zeitpunkt des Kaufs vermutlich nicht – oder nur minimal – beeinflussen, weil sie sich nach dem Verkäufer oder nach der Marktlage richten müssen. Und dadurch haben Käufer oft nur wenig Zeit bei der Entscheidung. Tatsächlich machen auch hier bei uns in Lübeck Geschichten von Immobilienverkäufen die Runde, die den Interessenten noch nicht einmal die Zeit geben, das Haus vor dem Kauf anzusehen – geschweige denn mit einem Gutachter beim Hauskauf vorbeizukommen. Ein solcher Kauf ist, naja, ziemlich gewagt. Das bestätigt auch Gutachterin Stephanie Schäfer in unserem aktuellen Interview.

Folglich gilt für die Baufinanzierung dasselbe: wenig Zeit. Das heißt im Klartext: Wenn das Haus, die Wohnung oder das Grundstück gefunden ist, geht es zum Finanzierungsberater, der Angebote zum derzeitigen Zinsniveau durchrechnet. Egal, woher die Zinsen kommen oder wohin sie im nächsten Monat gehen. Klingt unbefriedigend? Vielleicht. Aber eigentlich auch beruhigend: Von der Zinsentwicklung für Baufinanzierungen in 2019 muss man sich nicht stressen lassen und kann sich eher darauf konzentrieren, die passende Immobilie zu finden. Möglichst zu einem fairen Preis.

Unser Tipp für Anschlussfinanzierer: Forward-Darlehen betrachten!

Wer etwas mehr Spielraum bei der Baufinanzierung hat, hat mehr Möglichkeiten. Vor allem trifft das auf Immobilienbesitzer zu, deren aktuelle Sollzinsbindung abläuft. Sie können/müssen/dürfen sich entscheiden: Schließe ich den Vertrag jetzt ab? Oder lieber erst nächste Woche? Oder am besten nächsten Monat? Mit einem Forward-Darlehen sind Zinsen bis zu sechs Jahre im Voraus reservierbar. Einen allgemeingültigen Tipp gibt es hier nicht.

Bei der Frage, wann der richtige Zeitpunkt für die Anschlussfinanzierung ist, kommt es natürlich darauf an, wie sich die Bauzinsen gerade bewegen und wie viel Zeit noch bleibt. Und andererseits hängt der richtige Zeitpunkt auch vom persönlichen Typ ab: Bin ich jemand, der Lust hat, täglich nach den Zahlen zu gucken, währenddessen alle Unterlagen zusammenzustellen und dann zu einem bestimmten Zeitpunkt „den Sack zuzumachen“? Oder treffe ich die Entscheidung lieber schnell – auch auf die Gefahr hin, nicht wirklich den günstigsten Zeitpunkt dafür erwischt zu haben? Michael Neumann hat die Optionen erläutert:

Michael Neumann: Was ist zu tun, wenn die Bauzinsen steigen?

Butter bei die Fische: Wie kann ich aus der Baufinanzierung 2019 das Meiste rauszuholen?

Die Frage ist eigentlich immer: Wie komme ich an einen guten Zins? Hier gibt es nun ein paar konkrete Tipps.

  • Zuerst: Angebote vergleichen! Das klingt vielleicht banal, ist aber wirklich der größte – und einfachste – Hebel, bei der Baufinanzierung 2019 Geld zu sparen.
  • Und dann gilt Folgendes: Der individuelle Zins wird günstiger, je besser die Bonität ist und je mehr Eigenkapital eingebracht wird.

Außerdem drückt eine möglichst hohe anfängliche Tilgung den Zins herab. Lange Zinsbindungen und die Möglichkeit für Sondertilgungen können den Zinssatz dagegen erhöhen. Damit wären wir beim Thema Komplexität angekommen. Und bei der vielleicht erst einmal paradoxen Aussage, dass günstige Zinsen die Baufinanzierung unterm Strich – bzw. am Ende aller Ratenzahlungen – teurer machen können. Wer nämlich all das befolgt und sich zum Beispiel mit einem online Baufinanzierungsrechner die niedrigsten Konditionen ermittelt, stellt schnell fest, dass die monatliche Rate z.B. durch eine hohe Tilgung in die Höhe geht. Und nicht nur die, auch die Gesamtkosten des Kredits können unter Umständen steigen.

Eine lange Laufzeit der Zinsbindung zum Beispiel ist zwar erst einmal etwas teurer, macht aber die Anschlussfinanzierung günstiger: Denn nach 20 Jahren ist schon ein größerer Teil des Kredits abbezahlt und so muss danach nicht mehr ganz so viel Geld aufgenommen werden. Sondertilgungen kosten bei einigen Banken zwar extra, aber damit ist der Kredit auch schneller getilgt. Was wiederum Geld spart.

Baufinanzierung 2019: Zinschart 2000-2019
Die Entwicklung der Bauzinsen 2000-2019

Fazit: Der Zinssatz ist nicht alles

Natürlich ist es ärgerlich, wenn das passende Haus einem erst 2019 und nicht in der absoluten Zinsniedrigphase vor gut zwei Jahren begegnet ist. Aber es wäre strategisch unklug, sich deshalb generell von dem Wunsch nach der eigenen Immobilie zu verabschieden. Wie Michael Neumann in dem Video oben sagt: Es gibt viele Stellschrauben, mit denen sich die Kosten für die Baufinanzierung eventuell noch drücken lassen. Außerdem ist neben einem guten Zinssatz ja vor allem wichtig, dass man mit den Raten gut leben kann – und zwar über die gesamte Laufzeit. Wichtiger zumindest, als beim Poker beim Jahrgangstreffen („mein Haus, mein Garten, mein Zinssatz“) gut dazustehen. Und bevor der Vergleich mit dem Zinsniveau 2017 deprimiert: Vergleicht doch mit 2020 – denn da werden die Zinsen voraussichtlich weiter bergauf gehen. Wenn auch weiterhin eher langsam.


Bauzinsen und Monatsrate selbst ausrechnen? Hier lang:

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