Mehrgenerationenwohnen: Kolumne

Mehrgenerationenwohnen: Mit Keller in Wulfsen oder ohne Keller in Hamburg?

Lesezeit: 4 Minuten

Unsere Redakteurin Ilona will mit ihrer Mutter, ihrem Freund und ihrer Tochter in ein eigenes Zuhause ziehen und nimmt uns mit auf ihre Reise ins Mehrgenerationenwohnen. Die Ausgangslage ist diffus: Zwei Wohneinheiten oder eine? Neubau oder Bestandsimmobilie? Hund, ja oder nein? Es gibt viele Fragen zu klären, aber allen voran: Die Lage, die Lage!

Wulfsen ist ähnlich wie Schenefeld: nicht gerade der Nabel der Szenewelt. Es handelt sich genau genommen um eine Ortschaft südlich von Winsen-Luhe, was wiederum südlich von Hamburg-Harburg liegt. Also in der absoluten Pampa, denn selbst Hamburg-Harburg befindet sich nun nicht gerade im Zentrum der Macht. Ich habe schon mal zwei, drei Jahre auf einem Dorf in der Nähe von Neumünster gewohnt. Diese Erfahrung lehrt mich: Ich kann jetzt nicht ernsthaft in Wulfsen wohnen wollen.

Muss ich aber, wenn ich ein Haus mit Keller haben will. Denn wer kauft bitte freiwillig ein Haus ohne Keller? Wo soll denn das ganze Gerümpel hin, in die Garage vielleicht?! Was für eine Schnapsidee! Leider spricht eine ganz einfache Rechnung gegen das Gartengeschoss: In Wulfsen sind Grundstücke zirka 80.000 Euro günstiger als in Harburg. Ein Keller kostet bei einem Neubau zirka 80.000 Euro Aufpreis. Damit wäre ein unterkellertes Haus in Harburg für uns zu teuer. Fazit: Möchte ich einen Keller, muss ich in Wulfsen bauen. Da will ich aber nicht hin! Wir drehen uns im Kreis, und dabei ist das nur eine von gefühlt hunderttausend Fragen, die uns auf dem Weg ins Mehrgenerationenwohnen begleiten. Das kann ja heiter werden!

Wer macht mit beim Mehrgenerationenwohnen?

Was ich bisher unterschlagen habe: Es geht hier nicht nur um mich. „Wir“, das sind meine Mutter I. (80), mein Freund T. (38), meine Tochter L. (9) und ein Hund, den alle außer T. nach dem Umzug ins Eigenheim haben möchten. Viele Personen, viele Wünsche, viele Kompromisse. Wir haben noch nicht mal richtig angefangen, aber mir ist jetzt schon klar: Ohne Kompromisse kein Mehrgenerationenwohnen. Und was ist das überhaupt für ein Wort: Mehrgenerationenwohnen. Klingt irgendwie nach staatlich subventioniertem Wohnprogramm. Dabei ziehen wir nur mit Omma unter ein Dach, und bezahlen müssen wir es auch alleine. Na ja, mit etwas Glück gibt’s vielleicht noch KfW-Förderung oben drauf.

Wie sind wir auf die Idee mit dem Mehrgenerationenwohnen gekommen?

Ganz einfach, eine Zahl hat uns drauf gebracht: 2.500 Euro. Denn so viel Miete berappen wir warm für die beiden Wohnungen in Harburg, die wir aktuell bewohnen. Jeden Monat! Macht 27.000 Euro im Jahr! Und die sind futsch! Wir finden, das muss ein Ende haben. Ein weiterer, sehr wichtiger Grund: Meine Mutter wohnt sich neben uns einsam. Ihre Wohnung liegt zwar nur wenige Hauseingänge von unserer entfernt, aber wir sehen uns insgesamt trotzdem zu wenig.

Ich bin die Pflegeperson meiner Mutter, und als solche organisiere ich ihren Haushalt, ihre Arzttermine, ihr Leben. Dabei bekomme ich Unterstützung durch einen Pflegedienst. Ich versuche, so oft es geht für sie da zu sein. Aber ich arbeite auch Vollzeit, meine Zeit ist begrenzt. Es wäre einfacher, sie im selben Haushalt zu haben. Deshalb denken wir: Mehrgenerationenwohnen ist eine gute Idee. Auch, wenn das Wort bescheuert klingt.

Wer will was? Unsere Wünsche zum Mehrgenerationenwohnen

Wie ich schon erwähnte, geht jeder von uns mit eigenen Wünschen und Vorstellungen an den Start, als da wären:

  • Mama möchte: ihr Geld gut anlegen und lieber globetrotten als im Heim verrotten (= ihre Worte, nicht meine!).
    Mama hat ein Haus in Düsseldorf verkauft und möchte reinvestieren. In Beton ist das Geld gut aufgehoben. Sie wird sich mit Eigenkapital am Haus beteiligen, dafür mietfrei wohnen und ihre Rente in Reisen stecken. Das ist der Plan. Ich werde die Reisen organisieren, und wir werden sie dabei, sofern es geht, begleiten. Was das Mehrgenerationenhaus betrifft, wünscht Mama sich einen eigenen Bereich im Erdgeschoss mit eigenem Bad. Ideal wäre eine barrierefreie Einliegerwohnung. Sie läuft am Rollator. In bestehenden Immobilien ist damit oft kein Durchkommen. Deshalb tendieren wir zum Neubau.
  • L. möchte: einen Hund.
    Meiner Tochter L. ist das Haus an sich herzlich egal. Wir haben ihr aber einen Hund versprochen. Die Anschaffungswahrscheinlichkeit steigt mit einem Eigenheim um etwa 100 Prozent, und das ist alles, was für sie zählt.
  • T. möchte: keinen Hund, aber eine Altersvorsorge in akzeptabler Lage.
    Mein Freund T. ist erstaunlicherweise derjenige von uns, der das Mehrgenerationenwohnen mit seiner Schwiegermutter am meisten befürwortet. Das könnte daran liegen, dass er im Gegensatz zu mir noch nie das Vergnügen hatte, mit ihr zusammen zu leben. Spaß beiseite: Ich finde es rührend, wie wenig Bedenken er diesbezüglich hat. Davon abgesehen legt T. sehr viel Wert auf eine gute Lage des Hauses. Weil er aufgrund seines Jobs täglich Richtung Hamburg-Hammerbrook pendelt, können wir nicht zu weit rausziehen: Wohnen und Arbeiten soll vereinbar bleiben. Zu guter Letzt ist das neue Eigenheim für ihn ein wichtiger Baustein seiner Altersvorsorge.
  • Und was möchte ich?
    Zugegeben: Nach 20 Jahren Unabhängigkeit von seiner Mutter morgens am Küchentisch wieder gefragt zu werden, ob man auch ein Unterhemd angezogen hat oder ob man sich freiwillig eine Nierenbeckenentzündung holen möchte, fühlt sich schon ein wenig merkwürdig an. Andererseits komme ich mir dabei wieder vor wie mit 14 – ein echter Jungbrunnen, diese mütterliche Fürsorge! Ansonsten möchte ich ein hübsches Häuschen, einen kleinen Garten, und das alles möglichst in Fahrrad-Distanz zu L.s Gymnasium in Harburg. Und einen Hund wünsche ich mir übrigens auch. Apropos Kompromisse: Verzichte ich zugunsten der von T. präferierten Lage auf meinen Keller und stapele mein Gerümpel freiwillig in der Garage, wird T. sich wohl noch mit einem Vierbeiner anfreunden können. Müssen. Kompromisse funktionieren nicht nur in die eine Richtung!

Noch eine Runde Wunschkonzert: Welche Voraussetzungen muss ein Haus für uns erfüllen?

So in etwa stellen wir uns das Mehrgenerationenhaus vor:

  • Lage: In Hamburg-Harburg (Neugraben, Hausbruch, Heimfeld)
  • Größe: Irgendwas zwischen 120 und 150 Quadratmetern
  • Mindestens 4 Zimmer
  • Mindestens 2 Bäder, am besten noch ein Gäste-WC im EG
  • Grundstück: Keine Hanglage
  • Barrierefreier Eingang, breite Türen für Mama und ihren Rollator
  • Eigener Bereich für Mama mit Zimmer und Dusche im Erdgeschoss

Und was ist mir bei der Finanzierung des Mehrgenerationenwohnens wichtig?

In Sachen Baufinanzierung habe ich auch schon genaue Vorstellungen. Wie sollte es auch anders sein, schließlich schreibe ich als Redakteurin bei Dr. Klein seit fünf Jahren über nichts anderes. Das muss ja für irgendwas gut gewesen sein. Ich hätte gern:

  • eine Sollzinsbindung von mindestens 15, lieber 20 Jahren (Stichwort: Adieu Zinsänderungsrisiko!)
  • mindestens 2 Prozent Tilgung (ich will schnell fertig werden mit dem Abzahlen!)
  • einen parallel laufenden Bausparvertrag (bringt schön niedrige Zinsen für die Anschlussfinanzierung und dient als eventuelle Instandhaltungsrücklage)

Ach ja, und dann wären da noch die finanziellen Rahmenbedingungen: Maximal 450.000 Euro darf das “Mehrgenerationenwohnen” in Betonform inklusive Kaufnebenkosten kosten. Ich muss selbst schon lachen, während ich das schreibe: Dass wir alle unsere Wünsche zu diesem Preis in Hamburg-Harburg erfüllt bekommen, ist wohl reichlich utopisch. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Im Gegensatz zum Keller, denn der ist schon gestorben. Wulfsen kommt definitiv nicht infrage! Zu viel Kompromissbereitschaft ist ja auch nicht gesund.


Und nächstes Mal in Folge 2:

Mintgrün geht die Welt zugrunde -Mehrgenerationenwohnen im mintfarbenen Fertighaus-Paradies


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