Zinskommentar: Kein Kurswechsel bei der EZB

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Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender bei Dr. Klein, kommentiert die jüngste Zinsentscheidung der EZB. Im Video gibt er Tipps, wie vorhandenes Eigenkapital sinnvoll für den Hauskauf eingesetzt werden kann.

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Im Video beantwortet Michael Neumann diese Fragen:

  • Wie wirkt sich Eigenkapital auf den Bauzins aus?
  • Wie viel Eigenkapital ist bei einer Immobilienfinanzierung nötig?
  • Wie viel Eigenkapital sollte ich als Reserve zurückhalten?

Aktuelle Entscheidungen der EZB

Schauen wir uns zunächst die jüngsten Entscheidungen der EZB an. Auf ihrer Zinssitzung im September hat die Europäische Zentralbank (EZB) den EZB-Leitzins erneut nicht angetastet. Seit März 2016 liegt er nun bei 0 Prozent. Außerdem entschied die EZB, dass sie das Tempo bei den Anleihenkäufen etwas verlangsamt. So sollen die Ankäufe des Krisen-Anleihenkaufprogramms PEPP im vierten Quartal etwas geringer ausfallen als in den beiden Quartalen zuvor. Konkrete Zahlen zum Rückgang nannte EZB-Präsidentin Christine Lagarde allerdings nicht.

„Diese Ankündigung ist eine geringfügige Anpassung und nicht als Kurswechsel zu verstehen“, kommentiert Michael Neumann die jüngsten Beschlüsse der EZB. „Will sich die Zentralbank tatsächlich aus der Politik des billigen Geldes verabschieden, stünde zunächst das Herunterfahren des PEPP-Programms auf der Agenda.“ Stattdessen pumpt die EZB weiterhin viel Geld in den Markt. Damit ist eine baldige Straffung der Geldpolitik nahezu ausgeschlossen.

EZB reagiert gelassen auf die Inflation

Die Inflation steigt und steigt. Nach Angaben von Eurostat lag die jährliche Inflationsrate im August bei 3,0 Prozent – der höchste Wert für den Euroraum seit rund 10 Jahren. Auch in Deutschland zieht die Inflation merklich an. Im August lag die Teuerungsrate bei 3,4 Prozent. „Wir gehen davon aus, dass die Teuerung in diesem Herbst weiter anzieht“, sagte Lagarde auf der Pressekonferenz nach der EZB-Zinssitzung.

Dennoch reagiert die EZB gelassen auf den Inflationsdruck. Da die Anstiege nur „von vorübergehender Natur“ seien, meint die EZB. Schon im kommenden Jahr erwartet sie einen Rückgang auf 1,7 Prozent. Damit bewegt sich die Prognose der EZB im Rahmen des neuen Inflationsziels von 2 Prozent. Aus Sicht der EZB besteht daher kein Grund, die lockere Geldpolitik schnell zu beenden.

Der EZB-Ausblick ist kein gutes Signal für Sparer, denn eine hohe Inflation drückt die Zinserträge auf dem Sparbuch und mindert gleichzeitig den Wert des Geldes. Während Sparer also unter der hohen Inflation leiden, profitieren Immobilienkreditnehmer von einer steigenden und nachhaltigen Inflation. Warum das so ist, erklären wir euch in diesem Ratgeberartikel.

Grafik: Bestzins 10-jähriger Hypothekendarlehen und Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen (September 2019 - September 2021)

Wie entwickeln sich die Bauzinsen aktuell?

Die Bauzinsen haben sich in den letzten Wochen kaum bewegt. Michael Neumann geht davon aus, dass sich diese Entwicklung bei den Bauzinsen auch weiterhin fortsetzen wird. „Vor stark oder plötzlich steigenden Bauzinsen brauchen sich Interessenten derzeit nicht zu fürchten“, sagt Zinsexperte Neumann.

Aktuell liegt der Bestzins (Repräsentatives Beispiel, Stand: 21.09.2021)

  • für ein 10-jähriges Hypothekendarlehen bei 0,59 %
  • für ein 15-jährigen Hypothekendarlehen bei 0,84 %
  • für ein 20-jährigen Hypothekendarlehen bei 1,04 %

Die Bauzinsen sind also günstig. Mit steigenden Bauzinsen rechnet Michael Neumann erst wieder, wenn Klarheit über einen Ausstieg aus dem Pandemie-Anleihekaufprogramm besteht. Bisher soll es Ende März 2022 auslaufen. Doch was dann passiert ist völlig offen. „Ich halte eine Erweiterung von PEPP entweder über den März 2022 oder über die momentan gesetzte Höhe hinaus für ein denkbares Szenario“, sagt Michael Neumann.

Kurzfristig:Seitwärtsbewegung
MittelfristigSeitwärtsbewegung
Zinsprognose von Michael Neumann: Die aktuellen Tendenzen der Bauzinsen

Hauskauf: Wie viel Eigenkapital ist wirklich nötig?

Ein Hauskauf ohne Eigenkapital ist grundsätzlich möglich. Generell haben Personen mit einem hohen und sicheren Einkommen bessere Chancen auf eine sogenannte Kaufpreisfinanzierung. Sprich: Die Bank finanziert den kompletten Kaufpreis und ihr die Kaufnebenkosten.

Bei einem Hauskauf sind die folgenden Kaufnebenkosten obligatorisch:

  • Grunderwerbsteuer
  • Notarkosten
  • Grundbuchkosten

Meist müsst ihr noch zusätzlich die Maklergebühr bezahlen. Plant etwa 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises für die Kaufnebenkosten ein und bezahlt mit Eigenkapital. Denn damit steigen eure Chancen, einen Immobilienkredit zu bekommen und zugleich mindert ihr das Finanzierungsrisiko.

Doch wie viel Eigenkapital ist ideal für einen Hauskauf? Und wie sieht es mit der sogenannten Instandhaltungsrücklage aus – also dem Notgroschen für das Haus? Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender von Dr. Klein, gibt Tipps, wie ihr das vorhandene Eigenkapital sinnvoll für den Hauskauf einsetzen könnt.


Wie kann ich von den günstigen Zinsen profitieren?


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