Die Inflation steigt. Wird jetzt alles noch teurer?

Die Inflation steigt. Wird jetzt alles noch teurer?

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Lesezeit: 4 Minuten

Das Thema Inflation ist in aller Munde. Grund genug für Anna unseren Dr. Klein Vorstandsvorsitzenden Michael Neumann vors Mikrofon zu holen und den wichtigsten Fragen rund um das Thema Inflation auf den Grund zu gehen.

© Statista 2021

Warum polarisiert die Inflationsrate momentan nicht nur in den Medien, sondern wird inzwischen auch für uns alle im Alltag relevant? Ganz einfach: Beim Blick auf die Preisschilder im Supermarkt oder beim Tanken spüren wir derzeit einen deutlichen Preisanstieg.

Seit Anfang des Jahres 2021 ist die Inflation explodiert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der sogenannte Verbraucherpreisindex (VPI) bei +1,0 Prozent. Im August waren es +3,9 Prozent. Zur Erinnerung: Im August 2020 lag die Inflationsrate noch bei 0 Prozent. Zahlen sind abstrakt, doch der Preissprung spiegelt sich in unserem Geldbörsen wider. Viele Dinge des täglichen Bedarfs haben sich verteuert. Ob nun Benzin, Lebensmittel, Kleidung, Möbel… die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Doch woran liegt das? Begeben wir uns auf die Spurensuche.

Corona und andere Preistreiber

Ja, die Corona-Pandemie ist ein wesentlicher Grund für den aktuellen Preisanstieg. So wurde coronabedingt die Mehrwertsteuer ab Juli 2020 temporär gesenkt und auch die Öl- und Energiepreise gaben nach. Das entlastete unsere Geldbörsen spürbar. Also handelt es sich um einen Sondereffekt, um eine zeitweilige Erscheinung?

Unsere Antwort: Ein eindeutiges Jein. Denn es gibt noch andere Preistreiber für den aktuellen Anstieg der Inflation. Zum Beispiel die CO2-Bepreisung. Seit Anfang des Jahres müssen Unternehmen, die fossile Energieträger auf den Markt bringen, für die CO2-Verschmutzung eine Abgabe entrichten. Aktuell liegt der CO2-Preis bei 25 Euro pro Tonne. Doch er wird jährlich angehoben und soll 2025 bei 55 Euro pro Tonne liegen. Und natürlich geben die Unternehmen die gestiegenen Kosten an die Verbraucher weiter. So haben sich beispielsweise die Spritpreise massiv erhöht: ein Plus von 26,7 Prozent im Vergleich zum August 2020. Zudem erholt sich die Weltwirtschaft zunehmend von der Corona-Krise, Rohstoffe sind sehr gefragt und somit steigen ihre Preise.

Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation von 2 Prozent an

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für den Euroraum eine jährliche Teuerungsrate von 2 Prozent an. Doch wie kommt sie auf diesen Wert? „Ein absolutes Drohszenario wäre eine Deflation, weil man da davon ausgeht, dass Menschen dann nicht mehr kaufen“, sagt Michael Neumann. Eine Deflation würde das Wirtschaftswachstum bremsen oder dafür sorgen, dass die Wirtschaft schrumpft. „Daher sind moderat steigende Preise notwendig und so ist das Inflationsziel der EZB quasi ein Sicherheitspuffer“, erklärt Michael Neumann in der aktuellen Podcast-Folge.

Da allerdings das Inflationsziel der EZB flexibel angelegt ist, muss sie aktuell nicht intervenieren. Vielmehr toleriert die EZB temporär auch deutlich höhere Inflationsraten. „Wir gehen davon aus, dass die Teuerung in diesem Herbst weiter anzieht“, sagte EZB-Präsidentin Lagarde auf der Pressekonferenz nach der jüngsten Zinssitzung. Und schob nach: „Der Anstieg dürfte von vorübergehender Natur sein“. Schon im kommenden Jahr soll die Inflation wieder deutlich sinken. Nach der aktuellen EZB-Prognose liegt sie dann bei 1,7 Prozent?

Der Effekt der Inflation auf die Immobilienpreise ist gering

Die Steigerung der Immobilienpreise ist laut Michael Neumann eher auf eine starke Nachfrage und ein geringes Angebot zurückzuführen als auf den Inflationssprung. Zu einer Senkung der Immobilienpreise käme es voraussichtlich nur bei einer massiven Zunahme des Angebots, die derzeit nicht absehbar ist.

Eine große Rolle spielen auch Kapitalanleger, die weiterhin stark in Immobilien investieren und durch den Immobilienerwerb quasi Inflationsschutz betreiben. Die Anlagemöglichkeiten für Vermögen sind aufgrund sehr geringer Verzinsungen unattraktiv, daher sind Immobilien mehr denn je eine sichere Kapitalanlage. Auch dieser Faktor sorgt für eine erhöhte Nachfrage und im Umkehrschluss für höhere Preise.

Hohe Inflation: Die wichtigsten Faktoren

Zusammengefasst lassen sich folgende Faktoren für die gestiegene Inflation benennen:

  • Mehrwertsteuer: Sie wurde 2021 in Deutschland wieder auf den Regelsatz erhöht.
  • Verteuerung von Rohstoffen: Die Weltwirtschaft zieht wieder an, die Nachfrage steigt und Rohstoffe sind knapp. Daher erhöhen sich die Preise.
  • Ölpreise: Die 2020 stark gesunkenen Ölpreise gehören der Vergangenheit an. Sie sind im Rahmen der weltwirtschaftlichen Erholung und entsprechender Nachfrage massiv gestiegen.
  • CO2-Bepreisung: Seit 1. Januar 2021 müssen Unternehmen, die mit Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel handeln dafür einen CO2-Preis bezahlen. Dieser sorgt für Preissteigerungen.

Bleibt die Frage: Wo geht die Reise hin und was kann die EZB gegen eine weiter ansteigende Inflation tun? All das erfahrt ihr in unserer aktuellen Podcast-Folge (17:58). Licht aus und Ohren an.

Kapitelmarken

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00:00:00 Begrüßung
00:00:20 Inflation: Was ist das?
00:01:44 Die EZB strebt eine Inflation 2 Prozent an. Woher kommt diese Zahl?
00:03:27 Aktuell liegt die Inflation in Deutschland deutlich über dieser Zielmarke. Woran liegt das?
00:06:04 Wo geht die Reise hin?
00:07:32 Wie wirkt sich die Inflation auf die Immobilienpreise aus?
00:09:25 Wie wirkt sich die Inflation auf die Baufinanzierung aus?
00:11:11 Droht Deutschland eine Immobilienblase?
00:12:57 Kann die Bank die Bauzinsen nachträglich anpassen, wenn die Inflation steigt?
00:15:08 Wie kann die EZB die hohe Inflation bekämpfen?
00:16:28 Wo liegt die Inflation am Jahresende?
00:17:21 Verabschiedung

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