Die Bauzinsen steigen: Das sind die Auswirkungen

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In den letzten Wochen sind die Zinsen für Baufinanzierungen leicht nach oben gegangen. Wie sieht es aktuell aus, welche Auswirkung hat das für Immobilienkäufer und geht der Anstieg weiter? Der aktuelle Zinskommentar gibt Auskunft über die derzeitige Lage und die zukünftige Entwicklung.

„Sprunghafte Verteuerung der Bauzinsen“ – Schlagzeilen dieser Art waren in den letzten Wochen häufig zu lesen. Und tatsächlich: Das allgemeine Zinsniveau stieg an, und ein Plus von rund 0,2 bis 0,3 Prozentpunkten ist schon ein relativ deutliches Plus. Zumal es bei der extrem niedrigen Ausgangssituation eine Zunahme von fast 50 Prozent bedeutet. Bei näherer Beleuchtung wirft das Wachstum aber sehr viel weniger Schatten als die Überschriften andeuten. Denn wenn es konkret wird, spielen solche Zinssatzänderungen oft keine so große Rolle. Weil:

1. Nicht jede Bank ändert ihre Konditionen

Einige Anbieter haben ihre Zinsen in den letzten Wochen nach oben angepasst. Grund ist die Entwicklung der 10-jährigen Bundesanleihen, deren Rendite die Baufinanzierungszinsen beeinflussen. Und die sind im März leicht gestiegen. Vergleicht man aber die Bestzinsen, die bei regionalen Banken erhältlich sind, ist keine Aufwärtsbewegung festzustellen: Nach wie vor liegen die bei 0,44 Prozent für eine 10-jährige Zinsbindung. Außerdem drehen nicht alle Kreditinstitute täglich an ihren Konditionsschrauben. Je nach Geschäftsmodell haben viele Anbieter so genannte Tableau-Konditionen, die für einen fest definierten Zeitraum gelten. Einige Banken erhöhen ihre Zinsen aus strategischen Gründen auch nicht oder später, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen und gerade jetzt für Kunden attraktiv zu sein.

2. Die Zinsen schwanken

Der Zinsmarkt ist volatil, und Ausschläge sind absolut normal. Dass die Zinsen für Baufinanzierung in den letzten Monaten so träge waren und nicht aus dem Keller wollten, ist ungewöhnlich. Nicht zuletzt wegen der langen Ruhephase hat der Satz nach oben viele besonders aufhorchen lassen. Wer die Finanzierung nicht sofort braucht, sondern etwas Zeit hat – zum Beispiel für eine Anschlussfinanzierung – kann kurzfristige Schwankungen aussitzen. Vor allem, wenn viel dafür spricht, dass sich die Zinsen nicht grundsätzlich stark erhöhen wie zurzeit. Mehr dazu weiter unten im Ausblick.

3. Für aktuelle Baufinanzierungsanfragen gibt es eine Zinsgarantie

Wer sich schon in den letzten Zügen befindet und bereits eine Finanzierungsanfrage bei der Bank gestellt hat, bekommt eine Garantie auf den angebotenen Zinssatz. Dann hat er oder sie einige Tage Zeit, alle noch fehlenden Unterlagen einzureichen und ist damit vor Überraschungen gefeit. Wer noch nicht so weit ist oder die Frist überschreitet, hat die Wahl: Entweder werden die nach oben aktualisierten Zinssätze in Kauf genommen oder es bietet sich eine andere Bank an, die noch günstiger ist – eine Variante, die Vermittler leicht für die Kunden prüfen können. So oder so: Gerade bei Erstfinanzierungen des Eigenheims oder der Wohnung geht es darum, einen passenden Finanzierungspartner zur genau richtigen Zeit zu finden. Momentan ist es wesentlich schwieriger, die Immobilie zu finden als die Finanzierung. Wenn der Zins dann um zwei Zehntel höher ist als noch vor ein paar Wochen, ist das zwar ärgerlich – wird aber die Freude an den eigenen vier Wänden nicht nachhaltig trüben.  

Ausblick: Die weitere Entwicklung der Baufinanzierungszinsen

Wie oben schon gesagt: Die Bauzinsen orientieren sich an der Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen. Die wiederum sind unter anderem durch Erwartungen an die Konjunkturentwicklung und die Inflation beeinflusst – und durch die EZB. Denn sie kauft Staatsanleihen an, und das zurzeit in nie dagewesenem Ausmaß. Damit hält sie deren Rendite – und so auch die Zinsen – künstlich niedrig.

„Denn die enormen Anleihekäufe dämpfen die Aufwärtsbewegung der Zinsen noch auf lange Sicht ab.“

Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender von Dr. Klein
Michael Neumann, Dr. Klein
Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender und Zinsexperte

Mit ihrer aktuellen Entscheidung auf der Ratssitzung im März hat die EZB gezeigt, wie entschlossen sie ist, die Zinsen zu drosseln. Besorgt über die leicht steigenden Anleiherenditen und aus Angst vor einer steigenden Inflation, beschleunigt sie ihr Anleihekaufprogramm. Ein Schritt, der vielen Marktbeobachtern zufolge nicht notwendig gewesen wäre. Auch Michael Neumann, Vorstand von Dr. Klein, sieht ihn kritisch: „Dass die EZB auf die marginalen Schwankungen so dezidiert reagiert, halte ich für übertrieben.“ Ihm zufolge bleibt die Erwartung einer steigenden Inflation dennoch bestehen. „Daher rechnen die Märkte mit weiterhin steigenden Anleiherenditen und mit anziehenden Zinsen.“ Fazit: Der Anstieg wird zwar auch die Immobilienfinanzierungszinsen betreffen, aber einen massiven Zinsanstieg erwartet Michael Neumann trotzdem nicht. „Denn die enormen Anleihekäufe dämpfen die Aufwärtsbewegung noch auf lange Sicht ab.“


Wie sieht meine persönliche Baufinanzierung aus?


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