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Bauzins für 20-jährige Zinsbindung fällt auf 0,83 Prozent

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„Die Zinsdifferenz zwischen kurzen und langen Zinsbindungen ist derzeit vergleichsweise gering. Das deutet darauf hin, dass der Markt langanhaltend niedrige Zinsen erwartet“, sagt unser Vorstand Michael Neumann. Wie die Zinsen sich genau entwickeln, was das bedeutet und wie es dazu kommt, erörtern wir im aktuellen Zinskommentar!

Nach mehreren Monaten Seitwärtsbewegung ist der Bestzins für eine 10-jährige Zinsbindung von 0,41 auf 0,39 Prozent gesunken. Längere Zinsbindungen zeigen den Trend noch deutlicher: Bei Darlehen mit 20 Jahren Zinsbindung geht der Zins von 0,99 Prozent Mitte Juni auf aktuell 0,83 Prozent zurück. Ein Zinsbindung von 30 Jahren ist bei optimalen Bedingungen mit einem Zins von 1,14 Prozent möglich. „Die sinkenden Zinsen lassen sich vor allem auf die Angebote einzelner Banken zurückführen, die sich bei längeren Zinsbindungen anders positionieren“, erklärt Michael Neumann den aktuellen Rückgang.

Kurzfristig können die Bauzinsen zwar aufgrund einzelner Ereignisse schwanken, ich rechne mittelfristig aber mit einem weiterhin extrem niedrigen Zinsniveau.

Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender von Dr. Klein

Wie ungewöhnlich diese Bauzinsen sind, zeigt der Blick in die Vergangenheit: Obwohl die Niedrigzinsphase mittlerweile seit vielen Jahren anhält, sanken die Zinsen für eine 20-jährige Zinsbindung bis zum Februar 2020 nie unter die Ein-Prozent-Marke. Am 9. März 2020 erreichten allerdings auch diese Konditionen einen neuen historischen Tiefstand von 0,82 Prozent. Laut Michael Neumann zeigt diese Entwicklung, dass der Markt von langfristig niedrigen Zinsen ausgeht. Grund dafür seien vor allem die massiven Eingriffe der EZB, die das Zinsniveau künstlich niedrig halten.

Michael Neumann geht davon aus, dass es in der nächsten Zeit nur geringe Bewegung bei den Bauzinsen geben wird: „Kurzfristig können die Bauzinsen zwar aufgrund einzelner Ereignisse schwanken, ich rechne mittelfristig aber mit einem weiterhin extrem niedrigen Zinsniveau.“ Für Immobilienkäufer und Bauherren heißt das: An den historisch günstigen Finanzierungsmöglichkeiten wird sich so schnell nichts ändern. „Selbst wenn sich die Wirtschaft nach der Pandemie wieder erholt, wird die EZB nicht direkt aus der lockeren Geldpolitik aussteigen können. Denn hoch verschuldete Staaten wie Italien könnten bei steigenden Zinsen ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen und würden damit die Stabilität der ganzen Euro-Zone gefährden“, so Neumann weiter.

Aktuelle EZB-Sitzung: Wirtschaftlicher Ausblick “höchst unsicher”

Nach beispiellosen Lockerungen in den vergangenen Monaten hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik auf der gestrigen Sitzung vorerst unverändert gelassen. Der Leitzins bleibt bei 0 Prozent, der Bankeinlagensatz – auch als „Strafzins“ bekannt – bei minus 0,5 Prozent. Banken müssen also weiterhin 0,5 Prozent Zinsen für Gelder zahlen, die sie über Nacht bei der Notenbank parken. Auch wenn vorerst keine weiteren Maßnahmen beschlossen wurden, machte EZB-Präsidentin Lagarde zudem die Bereitschaft der EZB deutlich, im Notfall alle Instrumente anzupassen.

Michael Neumann hält die entschlossene Reaktion der EZB in der aktuellen Krisensituation insgesamt für gelungen: „Das PEPP-Programm hat die Finanzmärkte vor allem zu Beginn der Krise beruhigt. Ohne die Sicherheit, dass die EZB bei Bedarf weitere Maßnahmen ergreifen wird, könnten Anleger schnell wieder nervös werden.“ Das Problem daran ist: Der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik wird nun noch schwerer gelingen als vor der Corona-Krise. „Die Staaten gewöhnen sich zunehmend an das billige Geld und sind weiterhin nicht zu strukturellen Reformen gezwungen“, erklärt Experte Neumann. „Die EU befeuert mit ihrem Schritt zur Transferunion diese Entwicklung zusätzlich. Insofern sehe ich nach der Corona-Krise noch größere Herausforderungen für einen Exit aus der ultralockeren Geldpolitik.“


Wie entwickeln sich die aktuellen Bauzinsen?


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