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Alles hat ein Ende – nur die Niedrigzinsen nicht?

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„Anstatt zukunftsorientierte Reformen umzusetzen, häufen viele Euro-Staaten immer höhere Schuldenberge an und machen sich damit abhängig von den Niedrigzinsen”, meint unser Vorstand Michael Neumann. Er geht nicht davon aus, dass das Zinsniveau in absehbarer Zeit steigen wird. Auch der aktuelle Strategiewechsel der amerikanischen Notenbank (Fed) spricht für eine lang andauernde Niedrigzinsphase. Warum das so ist, was genau entschieden wurde und was das Ganze für die Bauzinsen bedeutet, erörtern wir im Zinskommentar!

Von Geldmassen, Schuldenbergen und Niedrigzinsen

Weltweit stemmen sich Notenbanken und Staaten mit Billionenhilfen gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise, die Schuldenstände steigen rasant. Bei den riesigen Geldmengen, die scheinbar auf Knopfdruck entstehen, kann einem Otto Normalverbraucher schon mal ganz schön schwindelig werden. Viele von uns halten es vermutlich eher mit der Schwäbischen Hausfrau: Was man nicht hat, das gibt man nicht aus. Wo die Billionen Euro für Anleihekäufe und Hilfspakete auf einmal herkommen, ist vor dieser Prämisse schwer zu verstehen. Doch während Sparsamkeit in Krisenzeiten für Privatpersonen ein guter Rat ist, lässt sich das auf Volkswirtschaften leider nicht so anwenden. Der Staat muss die Wirtschaft auch in schwierigen Zeiten stabil halten. Spart er in eine Krise hinein, kann das auch eigentlich gesunde Unternehmen mit hinunterreißen, den Konjunktureinbruch noch weiter verschärfen und die Wirtschaft dauerhaft schädigen. Ein Teufelskreis, der durch Hilfspakete, Konjunkturprogramme und eine lockere Geldpolitik verhindert werden soll.

Staatliche Hilfen sind in der aktuellen Situation also im Grunde genommen alternativlos. Aber: Der Krisenmodus darf auch nicht ewig anhalten. Wer zu lange dasselbe Medikament erhält, kann schließlich von ihr abhängig werden und irgendwann muss vor allem die “Medizin der niedrigen Zinsen” wieder ausgeschlichen werden. Michael Neumann hat allerdings Zweifel, dass dies in der nächsten Zeit gelingen kann: „Die EZB mahnt seit einem Jahrzehnt Reformen an und erkauft der Politik durch Anleihekäufe und niedrige Zinsen immer neue Zeit dafür. Anstatt zukunftsorientierte Reformen umzusetzen, häufen viele Euro-Staaten allerdings immer höhere Schuldenberge an und machen sich damit abhängig von den Niedrigzinsen. Die Notenbank ist inzwischen in einer Zwickmühle gefangen und droht zu einem Erfüllungsgehilfen der Politik zu werden.” Konkret bedeutet das: Selbst wenn die Inflation wieder anziehen sollte, wird das Zinsniveau vermutlich niedrig bleiben. Denn viele Staaten können sich deutlich höhere Zinsen aufgrund ihrer Rekord-Schuldenstände einfach nicht leisten. “Der EZB sind ein Stück weit die Hände gebunden und sie kann einer steigenden Inflation nicht mit starken Zinserhöhungen gegensteuern. Sie muss also höhere Inflationsraten tolerieren, um nicht selbst Auslöser der nächsten Schuldenkrise zu sein”, schließt Michael Neumann.

Fed-Entscheidung könnte Niedrigzinsen zementieren

Die ultralockere Geldpolitik ist schon vor Corona fast zu einer neuen Normalität geworden – sowohl in Europa als auch in den USA. Mit der Pandemie hat die historische Geldschwemme noch einmal neue Dimensionen erreicht. Die US-Währungshüter sind Ende August noch einen Schritt weiter gegangen und haben ihre Strategie grundlegend neu ausgerichtet: Auch im Fall einer wirtschaftlichen Erholung kann die Fed eine steigende Inflation (und die damit einhergehende sinkende Kaufkraft der Verbraucher) akzeptieren und die Zinsen weiter niedrig halten. Die angestrebten zwei Prozent Inflation sind ab sofort nicht mehr Punktziel, sondern lediglich ein Durchschnittsziel. „Die Strategieänderung kam nicht unerwartet, hat aber enorme Auswirkungen auf die künftige Geldpolitik“, meint Michael Neumann. „Sie lässt der Fed sehr viel Spielraum, auch wesentlich höhere Inflationsraten über einen langen Zeitraum zu tolerieren, wenn sie dabei glaubhaft machen kann, dass sie damit einen positiven Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung hat.“

Bauzinsen bleiben günstig

Der Bestzins für 10-jährige Hypothekendarlehen liegt aktuell bei 0,33 Prozent. Auch die Konditionen für längere Zinsbindungen haben sich in den letzten Wochen kaum bewegt und deuten weiter darauf hin, dass uns die Niedrigzinsphase noch lange erhalten bleibt. Darlehen mit 20 Jahren Zinsbindung erhalten Kreditnehmer ab 0,92 Prozent, 15-jährige Darlehen ab 0,66 Prozent.


Welche Zinsen bekommt ihr für eure Baufinanzierung?


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