Zinskommentar in 120 Sekunden – Zinswende in Sicht

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Nach langem Zögern hat die europäische Zentralbank (EZB) den ersten Zinsschritt für Juli angekündigt, weitere Anhebungen sollen folgen. Im Kurzvideo erläutert Michael Neumann, wie die Bauzinsen darauf reagieren. Außerdem: Was bedeutet die Zinswende für Finanzierungen, Sparer und Kreditnehmer?

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Im Video beantwortet Michael Neumann diese Fragen:

  1. Die EZB leitet die Zinswende ein. Im Juli wird sie den Leitzins nach 11 Jahren wieder anheben. Was bedeutet das für die aktuelle Entwicklung der Bauzinsen?
  2. Ist mit weiteren Zinsschritten in diesem Jahr zu rechnen? Wie würden die sich auf die Bauzinsen auswirken?

Zinswende wird konkret

Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG

Die EZB ist spät dran mit der Leitzinserhöhung, mit der sie im Juli beginnen will. Die Fed in den Vereinigten Staaten hat bereits mit der Straffung ihrer Geldpolitik begonnen, und die Bank of England hat die Zinswende schon vor mehr als einem halben Jahr eingeläutet. Aber die Inflation, die in diesem Jahr eigentlich sinken sollte, steigt monatlich auf immer neue Rekordhöhen – und jetzt muss auch die EZB Nägel mit Köpfen machen: +0,25 Prozentpunkte im Juli stehen in Aussicht und eine zweite Erhöhung ist für September angekündigt. Experten gehen davon aus, dass der Zinsschritt mit +0,5 Prozentpunkten höher ausfallen wird. Michael Neumann hält noch weitere Anhebungen in diesem Jahr für sehr wahrscheinlich: „Hohe Inflationsprognosen könnten dazu führen, dass die EZB stärker an der Zinsschraube drehen muss als bisher erwartet wurde“, so Michael Neumann. Er geht von einem Zinssatz von mindestens einem Prozent bis Ende des Jahres aus.

„Ich rechne fest damit, dass die EZB im weiteren Verlauf des Jahres 2022 die Zinsen mehrfach nach oben anpassen wird.“

Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender von Dr. Klein

Was bedeutet die Zinswende für Baufinanzierungen?

Die Bauzinsen kommen nicht zur Ruhe: Obwohl der erste Zinsschritt klein ausfällt und die Märkte ihn schon lange eingepreist haben, ging die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe nach der Ankündigung der EZB nach oben – und auch die Bauzinsen sind entsprechend gestiegen: auf mittlerweile gut drei Prozent für 10-jährige Darlehen. Grund ist, dass die EZB ihre Inflationserwartungen noch weiter nach oben angepasst hat: sowohl für 2022 als auch für die kommenden Jahre. Weil nicht davon auszugehen ist, dass die Teuerung in absehbarer Zeit deutlich zurückgeht, können die Zinsen auch weiterhin steigen.

Was bedeutet die Zinswende für Sparer?

Aktuell bezahlen viele Sparer, die größere Beträge auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten haben, noch Strafzinsen – oder, etwas neutraler formuliert, Verwahrzinsen. Das liegt daran, dass die Banken selbst Geld zahlen müssen, wenn sie es bei der EZB parken. Im Moment beträgt der so genannte Einlagenzins bei der Europäischen Zentralbank -0,5 Prozent. Aber die EZB wird auch diesen Zins anheben – voraussichtlich im Herbst – und spätestens dann haben die Minuszinsen auch für Verbraucher:innen ein Ende. Viele Banken warten nicht auf die EZB und haben ihre Freibeträge schon deutlich angehoben oder den Negativzins ganz abgeschafft. Einen Überblick gibt zum Beispiel ein kürzlich aktualisierter Artikel in der FAZ.

Wer sein Geld auf einem Festgeldkonto anlegt, erhält je nach Kreditinstitut und Zeithorizont im Moment zwischen 0,3 und 1,7 Prozent Zinsen. Mit der Zinswende ab Spätsommer könnten die etwas steigen, vermutlich aber nur langsam und relativ gering. Und auf keinen Fall so stark, dass sie die Inflation auch nur andeutungsweise ausgleichen – die beträgt im Mai in Deutschland rekordhohe 7,9 Prozent.

Was bedeutet die Zinswende für Kreditnehmer?

Auch Ratenkredite sind in den letzten Monaten schon teurer geworden, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie Baufinanzierungen. Der Trend wird mit den kommenden Leitzinserhöhungen anhalten: Eine Aufwärtsbewegung ist vorprogrammiert. Wer vor einiger Zeit einen günstigen Raten- oder Verbraucherkredit abgeschlossen und ihn ohne Schwierigkeiten abzahlen kann, hat keinen Handlungsbedarf. Eine Prüfung schadet aber nie: Insbesondere wenn mehrere Kredite bedient werden, kann es sich lohnen, die Verträge zusammenzufassen. (Das machen die Berater:innen bei Dr. Klein übrigens auch, ganz unkompliziert.)

Bei Immobilienkrediten steht in den meisten Fällen noch eine Anschlussfinanzierung an – und weil es in der Regel um hohe Summen geht, kann ein weiter steigendes Zinsniveau für Unruhe sorgen. Hier ist es auf jeden Fall empfehlenswert, sich die Handlungsoptionen aufzeigen und durchrechnen zu lassen, auch wenn es eigentlich noch nicht so weit ist. Denn mit einem Forward-Darlehen kann man den heutigen Zinssatz für die Zukunft festschreiben lassen und auch von einem Sonderkündigungsrecht nach 10 Jahren lässt sich Gebrach machen – und so früher aus der eventuell teureren aktuellen Finanzierung aussteigen.


Lohnt sich eine Umschuldung aktuell für mich?


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