Weltfrauentag: Der emanzipierte Wunsch vom Eigenheim

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Am 8. März ist Weltfrauentag. Der Tag ist seit über 100 Jahren ein Symbol für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Zugegeben – da ist sicherlich noch Luft nach oben. Und manchmal ist es kaum zu glauben, dass es zum Beispiel bis 1994 ein Berufsverbot für Frauen im Handwerk gab. Auch ein gleichberechtigter Hauskauf war nicht immer selbstverständlich – geschweige denn, dass eine Frau in der Lage war, sich allein eine Immobilie zu kaufen. Wir feiern, dass sich die Zeiten geändert haben und stellen heute zwei taffe Frauen vor, die ihren Wunsch vom Eigenheim einfach in die eigenen Hände genommen haben.

Anna

28 Jahre, hat letztes Jahr für sich allein ein sanierungsbedürftiges Siedlungshäuschen gekauft

Annas Baustelle

Hausgemacht: Anna, du hast dir mit gerade einmal 27 Jahren allein ein Haus gekauft. Was hat dich angetrieben, diesen Schritt zu gehen?

Anna: Ich arbeite selbst in der Finanzbranche und habe dadurch einen ganz guten Einblick in den Immobilienmarkt. Auch mit Themen wie Altersvorsorge und Kapitalanlage muss ich mich natürlich berufsbedingt beschäftigen (lacht). Der Kauf einer eigenen Immobilie war für mich zum Großteil eine professionelle Entscheidung. Mein Ziel ist es, möglichst früh mietfrei bzw. ohne Darlehensrate wohnen zu können – je früher man anfängt, desto mehr Zeit bleibt noch bis zur Rente. Natürlich spielen auch persönliche Aspekte eine Rolle – ich interessiere mich sehr für Interior Design und liebe DIY-Projekte. Ich freue mich riesig, mein eigenes Haus und den Garten nach meinen Vorstellungen zu gestalten. Da sind die Möglichkeiten in einer Mietwohnung doch sehr begrenzt und am Ende muss man alles wieder weiß überstreichen.

Hausgemacht: Wie bist du das Thema angegangen?

Anna: Anfang 2020 habe ich das erste Mal eine Wohnung besichtigt und mich mit dem Thema Finanzierung beschäftigt. Wie viel Haus kann und will ich mir leisten? Mir war wichtig, alleinige Eigentümerin und Darlehensnehmerin und von niemandem abhängig zu sein. Da gibt es dann entsprechend Grenzen beim Budget – nicht gerade einfach beim aktuellen Immobilienmarkt. Mir war auch klar, dass man sehr wahrscheinlich NICHT die erste Immobilie kauft, die man besichtigt. Ich hatte dann ein paar Monate später das große Glück, dass das Nachbarhaus meines Opas zum Verkauf stand: ein schönes Siedlungshaus (mit Sanierungsbedarf). Ich kenne das Haus und die Besitzerin noch aus meiner Kindheit – das hat einfach gepasst mit uns.

Hausgemacht: Wie waren die Reaktionen aus deinem Umfeld, dass du so jung dieses große finanzielle Projekt angehst?

Anna: Eigentlich gab es nur positive Reaktionen. Ich hätte die Entscheidung aber auch niemals getroffen, ohne sie sorgfältig zu überdenken. Ich habe alles durchgeplant und genau nachgerechnet – von den einmaligen Kosten bis zu den langfristigen Fixkosten. Und von meiner Familie bekomme ich die größtmögliche Unterstützung, die man sich nur vorstellen kann – sie packen unermüdlich bei der Sanierung mit an und unterstützen mich, wo sie nur können.

Hausgemacht: Worauf hast du bei der Finanzierung geachtet?

Anna: Bei der Finanzierung habe ich vor allem auf Planbarkeit und Sicherheit geachtet, deswegen habe ich mich für eine langfristige, 20-jährige Zinsbindung entschieden. Da das gesetzliche Sonderkündigungsrecht gemäß BGB nach 10 Jahren unabhängig von der gewählten Sollzinsbindung ist, könnte ich dann umschulden. Außerdem habe ich mich für eine überschaubare monatliche Belastung entschieden, mit einer Option für Sondertilgungen. Wenn es gut läuft, kann ich das Darlehen also auch schneller zurückführen. Bei einer Sanierung ist natürlich noch wichtig, dass die bereitstellungszinsfreie Zeit gut geplant ist. Die Handwerker habe ich übrigens oft nach Sympathie und nicht nach dem niedrigsten Preis ausgewählt. Mir war ja bewusst, dass das eine Zusammenarbeit über einen längeren Zeitraum ist und da muss das Bauchgefühl einfach von Anfang an stimmen.  Da brauche ich auch niemanden, der mich doof da stehen lässt nach dem Motto „das versteht die eh nicht“.

Hausgemacht: Hattest du generell das Gefühl, dass es „ungewöhnlich“ ist, dass eine junge Frau sich allein ein Haus kauft?

Anna: Einmal kam tatsächlich die Frage, ob das Angebot für das neue Dach dann „an die Eheleute“ gehen soll. Und im Küchenstudio war man wohl auch nicht darauf vorbereitet, dass ich den Kauf allein tätige: Bei der Vereinbarung für einen Beratungstermin hieß es, ich solle dann doch direkt meinen Mann mitbringen (lacht).


Jenny

30 Jahre, sucht für sich ein Einfamilien- oder Reihenhaus in Hamburg

Hausgemacht: Hallo Jenny, du bist Single und auf Immobiliensuche. Wie kam es, dass du dich entschieden hast allein eine Immobilie zu kaufen?

Jenny: Mein Interesse eine Immobilie zu kaufen wurde durch viele Faktoren geweckt. Die Mieten in Hamburg sind sehr hoch, also wieso nicht die monatlichen Mietkosten in eine monatliche Kreditrate umwandeln. Außerdem stand ein eigenes Haus bei mir schon immer auf meiner Lebensplanungsliste. Und worauf warten, wenn der richtige Partner, der mit einzieht, bisher noch nicht gefunden ist. Deshalb informiere ich mich bereits rund um das Thema Hauskauf. Die Darlehenszinsen sind derzeit sehr günstig, ich habe einen sicheren Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst. Gleichzeitig ist eine bezahlte Immobilie auch ein wichtiger Baustein für die Altersvorsorge. Persönlich bietet mir der Kauf eines Hauses die Freiheit, das eigene Heim nach meinen Wünschen zu gestalten.

Hausgemacht: Wie hat dein Umfeld darauf reagiert, dass du als Single Wohneigentum kaufen möchtest?

Jenny: Meine Familie war anfangs eher skeptisch gegenüber der Tatsache, dass ich die finanzielle Belastung allein tragen muss. Meine Freunde halten es zwar für einen großen Schritt und für sehr mutig. Sie befürworten meine Entscheidung aber und unterstützen mich.

Hausgemacht: Sind dir bei der Immobiliensuche schon Hürden begegnet, weil du Single bist?

Jenny: Als Single eine Immobilie zu suchen, bringt einige Hürden mit sich. Die Verkäufer einer Immobilie zweifeln oft an der ausreichenden Kreditwürdigkeit. Das Budget und die Höhe des Kredits sind für Alleinstehende auch begrenzt. Nicht alle Arten von Immobilien sind dafür geeignet. Oft stehen nur Bestandsimmobilien zur Wahl. Ein Neubau ist fast gar nicht möglich.

Hausgemacht: Wonach suchst du? Hast Du bei der Suche im Hinterkopf, dass du die Immobilie eines Tages eventuell doch mit Partner und Nachwuchs bewohnst oder suchst du einfach nur für dich?

Jenny: Am liebsten wäre mir ein Einfamilienhaus, aber hier ist die Auswahl aufgrund des Kaufpreises sehr begrenzt. Alternativ könnte ich mich auch mit einem Reihenhaus oder Doppelhaus anfreunden. Es muss eben das Besondere sein und mich einfach auf den ersten Blick überzeugen. Ob sich dann irgendwann Mann und Kind(er) dazugesellen, wird sich zeigen. Davon mache ich aber derzeit meine Suche und die Entscheidung beim Haus nicht abhängig.


Ihr wollt auch allein ins Eigenheim?


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