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Wohin mit Angespartem während der Corona-Krise?

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Die Corona-Pandemie hat die Märkte ordentlich durcheinandergeschüttelt. Die Börsen verzeichneten zwischenzeitlich Einbrüche zwischen 30 und 40 Prozent – in so kurzer Zeit wie nie zuvor. Zwischenzeitlich haben sich die Märkte wieder erholt. Was bleibt, ist Unsicherheit.

Eine kurze Befragung im Freundeskreis unserer Redakteurin Anna zeigte: Während des Lockdowns wurde gespart. Macht Sinn, schließlich waren die Möglichkeiten, Geld auszugeben, eingeschränkt. Aber wohin nun mit dem Ersparten – auch auf lange Sicht? Gold, Immobilien, Fonds – welche Anlage ist die richtige? Zudem gibt es auch Menschen, die gerade von Kurzarbeit betroffen sind und deshalb ihre Finanzen überdenken müssen.

Hausgemacht-Redakteurin Anna sprach mit Thomas Saar, Spezialist für Geldanlage und Baufinanzierung bei Dr. Klein in Wiesbaden. Im Interview gibt er Einblicke, welche Anlagestrategie jetzt Sinn macht und was Sparer beachten sollten.

Hausgemacht: Hallo Thomas, danke, dass du dir heute Zeit nimmst, mit uns zu sprechen. Das Thema Geldanlage ist jetzt wieder aus verschiedenen Gründen interessant. Entweder, weil der ein oder andere Geld sparen konnte oder weil er oder sie generell wachgerüttelt wurde, da das Thema Altersvorsorge schon viel zu lange auf der To-do-Liste steht. Was gilt es jetzt für die private Altersvorsorge generell zu beachten?

Thomas: Die private Altersvorsorge bleibt weiterhin wichtig. Gerade sind die gesetzlichen Renten zwar wieder gestiegen, aber das grundlegende Problem besteht weiter: Das Umlagesystem in Deutschland hinkt. Das heißt, die Zahl der Rentenempfänger nimmt zu, die der Einzahler ab. Zudem wird sich die mit der Corona-Krise einhergehende wirtschaftliche Situation mit großer Wahrscheinlichkeit auch mittel- und langfristig negativ auf die Entwicklung des gesetzlichen Rentenniveaus auswirken. Deshalb sehen sich die meisten Menschen im Rentenalter mit einem unzureichenden Rentenniveau konfrontiert. Hier gilt es frühzeitig entgegenzuwirken, um den gewohnten Lebensstandard auch im Alter beibehalten zu können.

Es macht meines Erachtens Sinn, die Krise auszusitzen. Denn wir reden über langfristigen Vermögensaufbau. Die Grundregeln des Anlegens gelten weiterhin: auf eine breite Diversifikation achten und damit das Risiko streuen sowie einen eher langfristigen Horizont im Blick haben. Kurzfristige Schwankungen sind nicht schädlich, sondern können langfristig sogar förderlich für die Entwicklung der Altersvorsorge sein.

Thomas Saar, Spezialist für Geldanlage und Baufinanzierung in Wiesbaden

Hausgemacht: Wie unterscheidet sich die Corona-Krise von früheren Krisen?

Thomas: Ganz klar: das Tempo, mit dem die Börsen nachgaben. Sie brachen in kürzester Zeit um 30 bis 40 Prozent ein. Das war aber nur kurzfristig der Fall. Mittlerweile konnten sich die Märkte wieder etwas erholen. Was jetzt wichtig ist: überlegt reagieren und langfristige Anlagen nicht überstürzt kündigen. Ein Blick auf die Börsenhistorie zeigt: In einem Zeitraum von 15 Jahren kam es immer wieder zu Krisen an der Börse. Trotzdem hatten die Anlagen in allen betrachteten 15-Jahres-Zeiträumen eine Rendite von rund acht Prozent. Es macht meines Erachtens also Sinn, das auszusitzen. Denn wir reden über langfristigen Vermögensaufbau. Eine Grundregel des Anlegens gilt aber weiter: auf eine breite Diversifikation achten und damit das Risiko streuen.

Hausgemacht: Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise bisher auf Anleger?

Thomas: Die Corona-Krise beeinflusst die Anleger stark. Einige reagieren panisch, gehen aus den Aktien bzw. Fonds raus, kaufen dafür Edelmetalle. Da es viele Anleger sind, die Edelmetalle zum gleichen Zeitpunkt kaufen, sind die Preise hier auch entsprechend hoch. Und auch die Edelmetallpreise unterliegen Schwankungen. Viele flüchten sich ebenso in Anleihen: Das macht meines Erachtens keinen Sinn, denn die langfristigen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Staatsverschuldungen und Wirtschaft sind noch nicht wirklich abzuschätzen. Gerade in Krisen wird die Wirtschaft vom Staat unterstützt. Die Staatsverschuldung nimmt zu, die Rendite von Anleihen sinkt. Wenn sich die Börse erholt hat, steigen Einige dann irgendwann wieder zu schlechten Konditionen mit dem Aktien- und Fondssparen ein. Das ist der typische Herdentrieb, den man jedoch vermeiden sollte.

Denn gerade bei der privaten Altersvorsorge haben Kunden ja einen langfristigen Anlagehorizont im Blick. Hier wirken sich die Schwankungen an der Börse, die mit der Krise einhergehen, positiv aus. Ein Beispiel: Fonds und Aktien verloren zu Beginn der Pandemie kurzfristig deutlich an Wert. Da kann man schon mal erschrecken, wenn man einen Blick auf seinen Fondsstand wirft. Aber: In diesen Zeiten kauft der Anleger für die gleiche Summe mehr Anteile. Erholt sich die Wirtschaft, steigen die Kurse und der Wert seines Fonds nimmt zu.

Wichtig für das langfristige Sparen ist, nicht wegen des Verlangens nach möglichst hoher Sicherheit auf Rendite zu verzichten. Denn gerade bei sehr sicheren Anlageformen wie Festgeldangeboten frisst die Inflation die Rendite auf.

Thomas Saar, Spezialist für Geldanlage und Baufinanzierung

Hausgemacht: Einige haben ja gerade ein bisschen Geld zurückgelegt, lohnt es sich für diejenigen, das Geld in Festgeld-Angebote zu investieren?

Thomas: Davon würde ich abraten. Durch die zahlreichen Hilfs- und Konjunkturprogramme wird die Staatsverschuldung vermutlich zunehmen. Als Folge bleiben die Zinsen niedrig. Daher ist es wichtig, in die richtigen Klassen zu investieren. Derzeit liegt die realistische Verzinsung in der Regel weit unter der Ein-Prozent-Marke, die Inflation beträgt rund zwei Prozent. Das macht schon rechnerisch keinen Sinn, der Sparer legt drauf. Auch wer das Geld unter dem Kopfkissen parkt, lässt damit Gewinne liegen. Eine Ausnahme gibt es: Wenn du in den kommenden Wochen oder Monaten eine konkrete Anschaffung, wie ein Auto, planst, dann kannst du dein Erspartes auf einem Tages- oder Festgeldkonto anlegen.

Hausgemacht: Okay, aber was bleibt dann? Was empfiehlst du Sparern?

Thomas: Im Prinzip empfehle ich eine Kombination aus verschiedenen Anlagemöglichkeiten. Immobilien als Geldanlage bleiben attraktiv. Fondsprodukte wie Fondsrenten investieren in verschiedene Aktien unterschiedlicher Regionen, Branchen und Unternehmen und streuen damit das Risiko. Eine Beimischung im persönlichen Sparprogramm können Edelmetalle wie Gold sein. Sie sollten aber nicht mehr als 10 bis 15 Prozent ausmachen.

Hausgemacht: Was gibt es zu beachten, wenn ich jetzt eine Immobilie kaufen will?

Thomas: Eigentlich gelten die gleichen Parameter wie vor der Krise. Eine Immobilie – egal ob selbstgenutzt oder vermietet – ist eine langfristige Investition und eine Sachwertanlage. Sie wird auch nach der Corona-Krise sinnvoll für die Altersvorsorge bleiben. Zumal die Baufinanzierungszinsen auch weiter niedrig ausfallen werden. Eine Grundregel gilt auch hier weiterhin: Lage, Lage, Lage – das bleibt wertrelevant.

Thomas Saar
Thomas Saar ist ein echter Allrounder: Er berät seine Kunden ganzheitlich in den Bereichen Vorsorge und Baufinanzierung. Privat bereist er mit seiner Familie gerne die Welt.

Hausgemacht: Du sprachst von Fondsrenten. Für wen eignen sich die und was ist das Besondere daran?

Wer fürs Alter spart, hat einen längeren Anlagehorizont von oftmals 20 Jahren oder mehr im Blick. Der Vorteil der fondsgebundenen Rentenversicherung, auch Fondsrente genannt, gegenüber der Investition in einzelnen Aktien ist die Tatsache, dass das Risiko gestreut wird. Denn du kaufst Anteile von verschiedenen Unternehmen.

Aber es gibt auch steuerliche Vorteile: Bei Fondswechseln, die über einen langen Zeitraum nicht unwahrscheinlich sind, fällt bei dieser Anlageform keine Abgeltungssteuer an. Zusätzlich lässt sich die Steuerbelastung sozusagen konservieren. Denn: Die Erträge werden erst bei der Auszahlung im Rentenalter belastet – und dann bei Einmal-Auszahlung nach dem sogenannten Halbeinkünfteverfahren. Das heißt, nur 50 Prozent der Erträge werden mit dem persönlichen Steuersatz versteuert, sofern die Laufzeit mindestens zwölf Jahre betragen hat und die Auszahlung frühestens mit 62 stattfindet.

Sofern die Rente ausgezahlt wird, wird diese mit dem sogenannten Ertagsanteil versteuert. Hierbei bestimmt das Alter zum Zeitpunkt des Rentenbezugs, wie viel Prozent der Privatrente versteuert werden. Mit 67 Jahren sind es beispielsweise 17 Prozent, mit 69 Jahren 15 Prozent. Damit erhält der Anleger im Vergleich einen höheren Ertrag.

Für viele Sparer kann es zusätzlich interessant sein, die fondsgebundene Rentenversicherung staatlich fördern zu lassen. Dies ist jedoch abhängig von der individuellen Situation und dem Einkommen. Hier kann eine Förderung des Staates von oftmals 40 Prozent während der Erwerbsphase ein zusätzlicher Renditeturbo sein.

Die Besteuerung erfolgt für die staatliche geförderte Altersvorsorge jedoch nachgelagert, in voller Höhe mit dem dann geltenden persönlichen Steuersatz, welcher aber fast immer geringer ist als in der Erwerbsphase.

An dieser Stelle auf alle Besonderheiten der geförderten Altersvorsorge einzugehen, würde jedoch zu weit führen und sollte in einem individuellen Beratungsgespräch herausgearbeitet und besprochen werden.

Ein weiterer Vorteil von Fondsrenten ist das individuelle Risikomanagement – je nachdem, wie risikoaffin oder -avers du bist. Wer defensiv eingestellt ist, investiert vielleicht lieber in sogenannte Hybridmodelle, welche Garantien beinhalten. Allerdings muss man hier genau hinschauen, wie viel Rendite die Garantien kosten können.

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist das Ablaufmanagement von fondsgebundenen Rentenversicherungen. Circa fünf Jahre vor Eintritt ins Rentenalter gilt es ja vor allem, das Angesparte zu bewahren und das Portfolio entsprechend anzupassen. Fondsrenten kann man so gestalten.

Bei langfristigen Anlagen muss man Schwankungen aushalten können. Die gehören dazu und führen zur Wertsteigerung im Portfolio.

Thomas Saar, Spezialist für Baufinanzierung und Geldanlage

Hausgemacht: Ich habe schon gelernt, dass es bei jeder Anlageform auch Schattenseiten gibt. Welche Nachteile haben fondsgebundene Rentenversicherungen?

Thomas: Bei dieser Form sind die wirklich überschaubar. Prinzipiell überwiegen die Vorteile. Aber nicht für jeden Kunden sind diese Produkte die richtigen. Denn: Du musst auch mal Schwankungen aushalten können. Langfristig ist diese sogenannte Volatilität wichtig, weil sie für Wertsteigerung sorgt. In schlechten Zeiten kaufe ich ja mehr Anteile, die dann wieder an Wert gewinnen. Aber ich sehe erst mal Einbrüche bei meinen Fonds. Das kann nicht jeder gleich gut ertragen. Zudem fallen bei Fondsrenten Kosten an. Diese sind im Vergleich zu Goldankäufen oder Fondsdirektanlagen oft höher. Und wichtig ist, dass du mindestens 12 Jahre investieren willst. Für einen kürzeren Anlagehorizont eignen sich andere Anlageformen besser. Ansonsten ist es wie überall: Auch hier gibt es bezogen auf die Anbieter und Produktkonzepte sehr gute und weniger gute. Die richtige Anbieterauswahl ist auch bei der Auswahl einer Fondsrente immens wichtig.

Hausgemacht: Gerade jetzt gibt es auch Menschen, die genau hinschauen müssen, wie sie mit ihrem Geld umgehen, weil sie von Kurzarbeit betroffen sind. Welche Möglichkeiten haben sie jetzt – auch für schon abgeschlossene Versicherungen?

Thomas: Viele Verträge verfügen über Klauseln, mit denen Kunden ihre Beiträge pausieren und zu einem späteren Zeitpunkt nachzahlen können. Eine weitere Möglichkeit ist es, die Beiträge vorübergehend zu reduzieren oder den Vertrag beitragsfrei zu stellen. Ich habe festgestellt, dass hier viele Versicherer kooperativ sind und aufgrund der Corona-Krise sehr kundenorientiert agieren. Ich empfehle, aufgrund eines kurzfristigen Engpasses nicht gleich zu kündigen. Sprecht mit eurem Berater, gemeinsam findet man da meistens eine sinnvolle Lösung.

Hausgemacht: Danke für deine Zeit. Ich habe wirklich viel gelernt.

Thomas: Gerne!


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