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Niedrigzinsen ohne Ende? Strategiewechsel der Fed zementiert ultralockere Geldpolitik

Zinskommentar der Dr. Klein Privatkunden AG

Lübeck, 17. September 2020 +++ Strategieänderung der Fed: Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik rückt in noch weitere Ferne +++ EZB-Sitzung: Lagarde bleibt vorsichtig und sorgt für weiter steigenden Euro-Kurs +++ Brexit: Risiko für chaotischen Austritt nimmt zu +++ Bauzinsen verharren auf niedrigem Niveau +++ Bestzins für 10-jährige Hypothekendarlehen: 0,36 Prozent (Stand: 15.09.2020) +++

Inflation, Bauzinsen und Rendite der Bundesanleihe im September 2020
Inflation, Bauzinsen und Rendite der Bundesanleihe im September 2020

Bauzinsen bleiben günstig – wie lange noch?

Das Rekordtief vom März 2020 haben die Bauzinsen zwar nicht wieder erreicht, besonders weit davon entfernt sind sie aber auch nicht. Der Bestzins für 10-jährige Hypothekendarlehen liegt weiterhin bei 0,36 Prozent. Auch die Konditionen für längere Zinsbindungen haben sich seit August nicht bewegt und deuten weiter darauf hin, dass uns die Niedrigzinsphase noch lange Zeit begleiten wird. Darlehen mit 20 Jahren Zinsbindung erhalten Kreditnehmer ab 0,92  Prozent, 15-jährige Darlehen ab 0,66 Prozent. Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG, erwartet auf absehbare Zeit keine Änderung des sehr niedrigen Zinsniveaus: „Selbst wenn die Inflation wieder anziehen sollte, rechne ich nicht direkt mit steigenden Zinsen. Viele Staaten können sich deutlich höhere Zinsen aufgrund ihrer Rekordschuldenstände kaum leisten.  Der EZB sind damit ein Stück weit die Hände gebunden und sie kann nicht mit starken Zinserhöhungen gegensteuern.“

Folgenreiche Entscheidung: Fed ändert ihre Strategie

Die ultralockere Geldpolitik ist in den Jahren seit der Finanzkrise fast zu einer neuen Normalität geworden – sowohl in Europa als auch in den USA. Mit Corona hat die historische Geldschwemme noch einmal neue Dimensionen erreicht. Die US-Währungshüter sind Ende August auf ihrer jährlichen Konferenz in Jackson Hole nun einen Schritt weiter gegangen und haben ihre Strategie grundlegend neu ausgerichtet: Auch im Fall einer wirtschaftlichen Erholung kann die Fed nun eine steigende Inflation in Kauf nehmen und die Zinsen weiter niedrig halten. Die angestrebten zwei Prozent Inflation sind ab sofort nicht mehr Punktziel, sondern lediglich ein Durchschnittsziel. „Die Strategieänderung kam nicht unerwartet, hat aber enorme Auswirkungen auf die künftige Geldpolitik“, meint Michael Neumann. „Sie lässt der Fed sehr viel Spielraum, auch wesentlich höhere Inflationsraten über einen langen Zeitraum zu tolerieren, wenn sie dabei glaubhaft machen kann, dass sie damit einen positiven Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung hat.“ Konkret bedeutet das: Die Währungshüter werden die Niedrigzinsen so lange fortführen, bis Vollbeschäftigung herrscht, unabhängig davon, ob die Inflation dabei stark steigt und die Kaufkraft der Menschen sinkt. 

EZB-Strategieprüfung: Wird sie sich an der Fed-Entscheidung orientieren?

Auch die EZB ist dabei, ihre Stratgie zu überprüfen. Sie steht dabei allerdings vor noch größeren Herausforderungen als die Fed. Die europäischen Währungshüter müssen die Interessen und Bedürfnisse vieler und teilweise sehr unterschiedlicher Länder in ihre Entscheidung einbeziehen. „Deutschland hat aufgrund der Erfahrungen mit galoppierenden Preisen fast panische Angst vor einer zu hohen Inflation. Ich erwarte daher eine abgeschwächtere Lösung als das durchschnittliche Inflationsziel der Fed.“ Um eine Überarbeitung der Strategie wird allerdings auch die EZB nicht herumkommen. „Die EZB mahnt seit einem Jahrzehnt Reformen an und erkauft der Politik durch Anleihekäufe und niedrige Zinsen immer neue Zeit dafür. Anstatt zukunftsorientierte Reformen umzusetzen, häufen viele Euro-Staaten allerdings immer höhere Schuldenberge an und machen sich damit abhängig von den Niedrigzinsen. Die Notenbank ist inzwischen in einer Zwickmühle gefangen und droht zu einem Erfüllungsgehilfen der Politik zu werden. Sie muss also höhere Inflationsraten tolerieren, um nicht selbst Auslöser der nächsten Schuldenkrise zu sein.“

US-Wahl: Wie der amerikanische Präsident die Märkte beeinflusst

In zehn Wochen wählen die USA ihren Präsidenten. Nachdem Donald Trump lange als Favorit galt, hat Joe Biden im Zuge der Corona-Pandemie an Beliebtheit gewonnen und liegt in Umfragen mittlerweile vor Amtsinhaber Trump. Egal wie die Entscheidung letztendlich ausgeht, sie wird in jedem Fall Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben. Der Sieg von Donald Trump im Jahr 2016 war damals von der Mehrzahl der Meinungsforscher für höchst unwahrscheinlich eingestuft worden und kam daher überraschend für die Börsen. In der Folge ging es nach der Wahl sehr turbulent auf den Aktienmärkten zu. Die Statistik der letzten Jahrzehnte deutet darauf hin, dass demokratische Präsidenten insgesamt besser für die Märkte sind als republikanische: Unter Barack Obama und Bill Clinton zogen die Kurse stärker an als unter der Regentschaft von Trump oder George W. Bush. „Nach der Unberechenbarkeit von Donald Trump wäre es für die Märkte bereits ein Fortschritt, wenn die USA wieder einen rationalen Präsidenten hätten, der auf internationale Zusammenarbeit anstelle von nationalen Alleingängen setzt und globale Probleme wie den Klimawandel angeht“, so die Einschätzung von Michael Neumann. 

Von Corona verdrängt, aber immer noch da: das drohende Brexit-Chaos

Lange Zeit hat Corona die Schlagzeilen beherrscht. Dass der Austritt Großbritanniens aus der EU nach wie vor nicht geregelt ist, rückte in den letzten Monaten in den Hintergrund. Nun verschärft sich der Streit um die Brexit-Regelungen erneut, zum Jahresende droht ein chaotischer Austritt. „Das Risiko eines ungeregelten Ausstiegs steigt mit jedem Tag, solange keine Lösung in Sicht ist. Meiner Meinung nach werden die kurzfristigen Auswirkungen allerdings eher überschätzt. Bei einem Brexit ohne umfangreiches Abkommen gehen weder in Großbritannien, noch in der EU die Lichter aus. Die langfristigen, geopolitischen Auswirkungen werden dagegen eher unterschätzt. Ohne ein Abkommen erwarte ich, dass Großbritannien künftig unter anderem in puncto Steuerpolitik und Währung als aggressiverer Wettbewerber auftreten wird“, so die Einschätzung Michael Neumanns. 

Tendenz

Kurzfristig: steigende Volatilität möglich 
Mittelfristig: schwankend seitwärts auf niedrigem Niveau

Kim Runge
Pressekontakt

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Foto: Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG
Zitate

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Über die Dr. Klein Privatkunden AG

Die Dr. Klein Privatkunden AG ist einer der größten Finanzdienstleister Deutschlands und bereits seit 1954 am Markt etabliert. Mit mehr als 600 Beratern in deutschlandweit über 200 Büros hat das Unternehmen die meisten Standorte der Branche. Die Spezialisten von Dr. Klein beraten in den Bereichen Baufinanzierung, Versicherung und Ratenkredit.

Dr. Klein arbeitet mit über 400 Kredit- und Versicherungsinstituten zusammen und berät umfassend, anbieterneutral und kostenfrei. So erhalten die Kunden maßgeschneiderte Finanzierungen und günstige Konditionen. Dafür wird das Unternehmen immer wieder ausgezeichnet, zuletzt zum siebten Mal in Folge mit dem „Deutschen Fairness-Preis“. Dr. Klein ist eine 100%ige Tochter des an der Frankfurter Börse im SDAX gelisteten technologiebasierten Finanzdienstleisters Hypoport SE.