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Leitzinssenkung – das Allheilmittel?

Zinskommentar der Dr. Klein & Co. AG

Lübeck, 16. Mai 2013. Anfang Mai entschloss sich die Europäische Zentralbank (EZB), den Hauptrefinanzierungssatz für Geschäftsbanken von 0,75% auf historisch niedrige 0,50% abzusenken. Begründet wurde dies mit schlechten wirtschaftlichen Aussichten in der Eurozone sowie einer sich weiter abschwächenden Inflation, die einen solchen Schritt möglich machte.

Zinskommentar Mai 2013
Infografik: Zinskommentar Mai 2013

Hintergrund und Auswirkungen der erneuten Zinssenkung

Die wirtschaftliche Situation hat sich in den letzten Monaten nicht weiter verbessert: Diverse europäische Länder stecken nach wie vor in einer Rezession, die Einkaufsmanagerindizes z. B. von Deutschland (Ifo-Index) und Frankreich (Markit) – welche die wirtschaftliche Stimmungslage der Unternehmen wiederspiegeln – zeigen noch keine Trendumkehr hin zu mehr Optimismus. Die Idee der erneuten Zinssenkung ist, den Geschäftsbanken noch mehr günstiges Geld zur Verfügung zu stellen, damit diese neue Kredite an Unternehmen und private Haushalte vergeben. Die Unternehmen sollen damit Investitionen tätigen, Arbeitsplätze schaffen und somit zu einem gesamtwirtschaftlichen Wachstum beitragen. Im Rahmen der aktuellen Schuldenkrise zeigt sich aber gerade, dass dieser Prozess in schwächelnden Volkswirtschaften wie Portugal, Spanien, Griechenland und Italien derzeit kaum funktioniert. Gerade kleinere Unternehmen dieser Länder zahlen immer noch eine hohe Risikoprämie auf Kredite, wenn sie denn überhaupt Kredite erhalten. Hintergrund ist die Risikoscheu der lokalen Banken, die sich gegen Kreditausfälle im Zuge der Rezession absichern wollen.

Der Nutzen der aktuellen Zinssenkung, zumal es immer eine erhebliche Zeitverzögerung gibt, darf somit für die Unternehmen bezweifelt werden. Von dem ermäßigten Zinssatz profitieren aktuell nur die Banken und die Schuldenländer, die sich im Moment wieder zu günstigeren Zinssätzen am Kapitalmarkt refinanzieren können. Es bleibt zu hoffen, dass der politische Reformwille damit nicht gebremst wird. Denn obwohl es in den letzten Wochen ruhiger um die Schuldenkrise geworden ist, ist diese noch lange nicht ausgestanden.

Neue EZB-Ideen zur Ankurbelung der Kreditvergabe in Europa

Da die EZB erkannt hat, dass der Mechanismus, die Wirtschaft durch günstigere Leitzinsen  mit mehr Krediten zu versorgen, aktuell gestört ist, werden derzeit neue Ideen diskutiert:

  • Erhebung eines negativen Zinssatzes für Einlagen von Geschäftsbanken bei der EZB
    Aktuell erhalten Banken, wenn sie Gelder bei der EZB anlegen, keine Zinsen dafür. Um einen Anreiz zu schaffen, dass Banken ihre Gelder eher an Privatpersonen und Unternehmen ausleihen und damit die Wirtschaft ankurbeln, ist in Gesprächen den Einlagenzins bei der EZB auf einen negativen Wert zu setzen. Die Banken würden damit eine Gebühr für die Anlage bei der EZB zahlen müssen.
  • Aufkauf von Asset Backed Securities (ABS) – hier: Bündelung von Unternehmenskrediten - durch die EZB
    Die EZB ist in Gesprächen mit anderen Institutionen, den Markt für ABS wiederzubeleben, der seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr funktioniert. Die EZB könnte dann gebündelte Unternehmenskredite von Banken aufkaufen. Die dann frei werdende Liquidität könnten die Banken daraufhin für die Vergabe neuer Kredite verwenden und somit Investitionen bei den Unternehmen anschieben.

Letztere Idee wäre zwar durch das Mandat der EZB gedeckt. Es würde jedoch zu einem erneuten Tabubruch der EZB – nach dem Aufkauf von Staatsanleihen – kommen. Die Gefahr, dass die Risiken für die EZB-Bilanz auf Grund fauler Unternehmenskredite steigen, wäre nicht von der Hand zu weisen.

Auswirkungen auf die Entwicklung der Baufinanzierungszinsen

Die Baufinanzierungszinsen sind in den letzten vier Wochen bis zur Zinssenkung der EZB Anfang Mai zunächst gesunken, seitdem jedoch wieder auf das Niveau von Anfang/Mitte April angestiegen. Da die Entwicklung der Baufinanzierungszinsen in Deutschland weiterhin eng mit der Schuldenkrise in Europa verbunden ist, gehen wir in den nächsten Wochen weiter von schwankenden Zinsen aus. „Immobilienfinanzierer sollten sich hierdurch nicht verunsichern lassen“, sagt Stephan Gawarecki, Vorstandssprecher Dr. Klein & Co. AG. „Historisch gesehen war es noch nie so günstig, eine Immobilie zu finanzieren. Wichtig bei der Planung sind nach wie vor eine auf die Situation des Kunden zugeschnittene Zinsbindung – meistens eine möglichst lange – sowie Flexibilität in Form von Sondertilgungsmöglichkeiten und optionalen Tilgungssatzwechseln während der Darlehenslaufzeit.“ Kommen Sie gerne auf unsere Berater zu.

Tendenz

Kurzfristig: schwankend seitwärts
Langfristig: steigend

Über die Dr. Klein Privatkunden AG

Dr. Klein ist einer der größten Finanzdienstleister Deutschlands und seit über 60 Jahren am Markt etabliert. Die Spezialisten von Dr. Klein beraten nachhaltig, allumfassend und verständlich in den Bereichen Baufinanzierung, Versicherung, Ratenkredit oder Geldanlage. Kunden finden bei Dr. Klein zu allen Fragen rund um ihre Finanzen die individuell passende Lösung. Das Unternehmen baut seine Expertise kontinuierlich aus und ist mittlerweile deutschlandweit mit mehr als 550 Beratern vor Ort an über 200 Standorten vertreten.

Die kundenorientierte Beratungskompetenz und die langjährigen, vertrauensvollen Beziehungen zu allen namhaften Kredit- und Versicherungsinstituten sichern den Kunden von Dr. Klein stets den einfachsten Zugang zu den besten Finanzdienstleistungen. Dafür wurde das Unternehmen 2014 und 2015 u.a. von Springer-Fachmedien als „vorbildlicher Finanzvertrieb“ und von dem DISQ und n-tv zum dritten Mal in Folge mit dem „Deutschen Fairnesspreis“ ausgezeichnet. Dr. Klein ist eine 100%-ige Tochter des an der Frankfurter Börse im SDAX gelisteten technologiebasierten Finanzdienstleisters Hypoport AG.