Vorteile und Nachteile einer Photovoltaikanlage

Photovoltaikanlage: Solarenergie auch auf meinem Dach?

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Bettina und ihr Mann haben viel Gutes über Photovoltaikanlagen gehört. Warum also nicht auf der aktuellen grünen Welle mitreiten und eigenen Strom produzieren? Weil das zu teuer ist, sagt sie. Er meint, das lässt sich durch die Einspeisevergütung wieder refinanzieren. Ein “Sie sagt, er sagt”-Bericht über Vor- und Nachteile einer Photovoltaikanlage.

Warum sich eine Photovoltaikanlage lohnt

Ganz klar: Umweltschutz und erneuerbare Energien sind gerade ein ganz großes Thema. Nachdem wir nun unser Haus gefunden und es bezogen hatten, war es also nur eine Frage der Zeit, bis mein Mann mit dem Vorschlag einer Photovoltaikanlage um die Ecke kam.

„Das ist mega cool. Wir produzieren unseren eigenen Strom und sparen so enorme Kosten. Denk nur mal wieder an die letzte Stromkostenerhöhung. Das kann uns dann völlig egal sein.“

Bettinas Mann

Ich, noch völlig erschlagen von den roten Zahlen auf unserem Konto durch den Kredit für den Hauskauf, konnte den grenzenlosen Enthusiasmus meines Mannes nicht gänzlich teilen. Mit zunehmendem Tempo rasten vor meinem inneren Auge bereits weitere rote Zahlen auf uns zu. Alle Alarmglocken schrillten. Gleichzeitig wusste ich: Mit einem einfachen „zu teuer“ würde ich ihn nicht abspeisen können.

Kosten: Ein Nachteil bei einer Photovoltaikanlage?

Bei mir fing es sofort an zu rattern. Können wir eine Photovoltaikanlage überhaupt finanziell stemmen, nachdem wir gerade erst einen Kredit aufgenommen hatten? Und: Refinanziert sie sich wirklich selbst? Ich wollte genau wissen, wie viel wir dabei sparen und welche Vor- und Nachteile das ganze Projekt Photovoltaik hat. Aber vor allem wollte ich wissen: Wie viel sollte die Photovoltaikanlage kosten?

Während der Recherche stieg ich immer tiefer in die Thematik ein und fand einiges Interessante heraus.

  • Es gibt verschiedene Solarmodule, die unterschiedliche Leistungen bringen.
  • Angebote können mit einem Preis pro Kilowattpeak (kWp) verglichen werden.
  • Mit steigender Leistung der Photovoltaikanlage sinkt der Preis pro kWp.
  • Ein Speicher ist für die Einspeisung erforderlich.

Um die Kosten ermitteln zu können, ist die Größe der Anlage ausschlaggebend. Daher bin ich von einem Stromverbrauch eines vier Personen Haushaltes ausgegangen. Im Jahr werden etwa 4.000 Kilowattstunden Strom verbraucht. Dafür wird eine Anlage mit einer Leistung von mindestens vier kWp benötigt. Damit der Stromverbrauch eines Jahres erwirtschaftet werden kann, braucht es eine Photovoltaikanlage von etwa 40 Quadratmetern. Eine Solaranlage mit einer Leistung von vier bis sechs kWp kostet etwa 1.500 Euro pro kWp. Damit können dann auch die ungefähren Kosten ermittelt werden.

LeistungPreise
Photovoltaikanlage (Module)6.000 €
Speicher6.000-15.000 €

Zusammen ergeben sich also Kosten in Höhe von mehr als 20.000 Euro. Das ist eine Stange Geld.

„Ja, schon, aber denk‘ auch an die Einspeisevergütung. Überschüssigen Strom können wir doch verkaufen. Da kommt ja auch wieder Geld rein.“

Bettinas Mann

Ach ja, genau die Einspeisevergütung, da war ja noch was. Das könnte natürlich ein Vorteil der Photovoltaikanlage sein. Dann schauen wir uns das doch mal an.

Bringt die Einspeisevergütung den großen Geldsegen?

Die Einspeisevergütung erhält jeder, der seinen überschüssigen Strom in das öffentliche Netz einspeisen lässt. Dafür muss die Photovoltaikanlage bei der Bundesnetzagentur angemeldet werden. Die Höhe der Vergütung richtet sich nach den üblichen Preisen bei der Inbetriebnahme der Solaranlage sowie nach den bereits erfolgten Anmeldungen. Wurden bereits viele Anlagen bundesweit angemeldet, fällt die Einspeisevergütung etwas geringer aus. Sind die Anlagen eher rar, ist mit einer höheren Vergütung zu rechnen. Der Preis gilt, einmal festgelegt, für 20 Jahre. Aktuell (Stand Juni 2019) werden pro Kilowattstunde 11 Cent ausgezahlt. Das rechnen wir doch einmal durch. Nehmen wir an, es werden im Jahr wirklich 4.000 Kilowattstunden produziert und wir verkaufen den gesamten Strom, dann erhalten wir eine Vergütung in Höhe von unschlagbaren 440 Euro – im Jahr.

„Naja, siehst du, da kommt schon bisschen was zusammen.“

Bettinas Mann

Äh, Schatz, Moment, lass uns mal kurz rechnen. Wir speisen unseren gesamten Strom ins öffentliche Netz ein und erhalten im Jahr 440 Euro. Das macht in zehn Jahren 4.400 Euro, in 20 Jahren dann 8.800 Euro. Ich möchte kurz daran erinnern, dass wir für die Photovoltaik 20.000 Euro ausgegeben haben. Die Vergütung macht nicht einmal die Hälfte der Ausgaben wieder wett, ein absoluter Nachteil der Photovoltaikanlage. Noch dazu produziert die Anlage nur 4.000 Kilowattstunden Strom, wenn das ganze Jahr über die Sonne scheint. Und wie wir alle wissen, gibt es in unseren Breitengraden auch so etwas wie Winter, also eine Kälteperiode, in der, gefühlt, nie die Sonne scheint. Das bedeutet dann auch: keine Energie für die Photovoltaikanlage. Außerdem haben wir bei unserem Beispiel nicht berücksichtigt, dass wir ja auch noch selbst Strom verbrauchen.

Wer braucht noch Strom, wenn er ein Kraftwerk auf dem Dach hat?

Nach dieser Erkenntnis hatte sich das Thema für mich erledigt. Zu teuer, zu wenig Vergütung und dann noch die laufenden Kosten, die ebenfalls auf uns zukommen würden. Mein Mann hingegen lässt sich das Zepter nicht so leicht aus der Hand nehmen.

„Ok, dann speisen wir halt nicht ein oder nicht immer, aber wir wären nicht mehr von den steigenden Stromkosten abhängig und könnten so eine Menge sparen.“

Bettinas Mann

Ding, ding, ding – das war mein Stichwort: Sparen!!! Beim Sparen bin ich dabei. Könnte sich hier noch ein Vorteil der Photovoltaikanlage ergeben? Also, das Thema noch einmal aufgegriffen und gerechnet. Aktuell zahlen wir im Durchschnitt 30,5 Cent pro Kilowattstunde. Bei einem Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden im Jahr sind das 1.400 Euro an Stromkosten jedes Jahr. Auf 20 Jahre gerechnet sind das 28.000 Euro. Bei Initialkosten von 20.000 Euro also ein Plus von 8.000 Euro.

„Ha, hab ich´s dir doch gesagt. Wir können mit einer Photovoltaikanlage richtig sparen.“

Bettinas Mann

Das mag auf dem ersten Blick auch so aussehen. Überzeugt bin ich jedoch noch immer nicht. Während der gesamten Recherche kamen weitere Kostenpunkte zutage, die ich bisher nicht berücksichtigt hatte.

Warum ich von einer Photovoltaikanlage nicht überzeugt bin

Ganz klar, das Thema erneuerbare Energien muss vorangetrieben werden und ist sehr wichtig. Der Umweltnutzen einer Photovoltaikanlage wäre also enorm, definitiv ein Vorteil. Allerdings sehe ich neben den Initialkosten noch die laufenden Kosten, wie für die Wartung oder auch Instandhaltungsausgaben für kleinere Kabel beispielsweise. Zudem braucht eine Photovoltaikanlage eine gesonderte Versicherung, die beispielsweise bei Sturm oder Marderbiss leistet. Eine normale Gebäudeversicherung greift da nicht.

Damit die Solaranlage ihre volle Leistung erbringen kann, wird zudem empfohlen, sie regelmäßig zu säubern. Die Instandhaltungskosten betragen jährlich etwa ein Prozent der Initialkosten. In unserem Beispiel sind das rund 200 Euro jährlich, 4.000 Euro in 20 Jahren. Fassen wir zusammen:

AusgabenEinnahmen
Initialkosten 20.000 €
Instandhaltung in 20 Jahren4.000 €
Ersparnis Stromkosten in 20 Jahren28.000 €

In 20 Jahren sparen wir mit einer Photovoltaikanlage 4.000 Euro ein, also 200 Euro im Jahr. Diese Daten wurden berechnet, vorausgesetzt, die Anlage produziert unter idealen Bedingungen. Dass das nicht der Fall ist, da die Sonne auch nicht immer mit gleicher Intensität scheint, liegt auf der Hand. Ein großer Nachteil ist zudem, dass eine Photovoltaikanlage nach zehn Jahren nur noch etwa 80 bis 90 Prozent ihrer Leistung erbringt.

Noch dazu bedarf es einer ausgefeilten Planung. Zunächst muss ein geeigneter Standort gefunden werden. Die Ausrichtung nach Süden sowie die Neigung des Daches ist entscheidend. Unser Haus steht nicht ideal und lässt sich leider nicht so einfach versetzen, sodass wir leider nicht mehr von einer optimalen Leistung ausgehen können. Noch dazu ist der Norden Deutschlands nicht gerade als sonnenreiche Region bekannt. Wir müssten folglich immer noch Strom hinzukaufen. Ok, das müssen auch die Süddeutschen im Winter wahrscheinlich tun. Und dennoch sind mir die Kosten verbunden mit den Einschränkungen, gerade nach unserem Hauskauf, zu hoch. Durchschnittlich nach 20 Jahren Lebensdauer muss eine Photovoltaikanlage übrigens komplett ersetzt werden. Das Thema ist also wirklich erst einmal auf Eis gelegt.

Es spricht aber nichts dagegen, es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal aufzugreifen. Vielleicht, wenn der Kredit für das Haus nahezu abgezahlt ist und wir ganz wild darauf sind, im Rentenalter Strom aus unserem eigenen Kraftwerk zu beziehen. Denn gemessen an der aktuellen Einspeisevergütung lohnt eine Solaranlage in der Regel nur für den Eigenverbrauch.


Regionale Förderungen für Photovoltaikanlagen nutzen


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