Michael Neumann Dr. Klein

Menschen hinter der Marke: Vorstand Michael

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Unsere Redakteurin Susanne hat den Vorstandsvorsitzenden Michael mal nicht als “Mr. Zins” getroffen, sondern auch ganz persönliche Sachen gefragt. Und er hat geantwortet: zu Stärken und Schwächen, zu guter und schlechter Laune. Und zur Holakratie, dem Betriebssystem von Dr. Klein.

Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender Dr. Klein

Name: Michael
Alter: 45
Bei Dr. Klein seit: 2016
Job: Vorstandsvorsitzender
Stationen:
* Regionalleiter bei Prohyp / Interhyp
* Geschäftsführer von MLP Hyp
* Geschäftsführung der Qualitypool GmbH
* Vorstandsvorsitzender Dr. Klein

Hausgemacht: Hallo Michael, hast du heute schon was Gutes erlebt?

Michael: Ja, die kindliche Vorfreude unserer 4-jährigen Tochter. Sie durfte heute ihren Geburtstag in der Kita nachfeiern, der im April aufgrund von Corona ausfallen musste.

Hausgemacht: Machen wir mit einer privaten Frage weiter: Wofür kannst Du Dich begeistern?

Michael: Für meine Familie! Wir haben gerade das dritte Kind bekommen und mit der wachsenden Zahl der Familienmitglieder steht die Familie immer mehr im Mittelpunkt – neben dem Job. Früher haben meine Frau und ich viele Fernreisen unternommen, das war toll. Meistens war nur der Flug und die erste Nacht gebucht und dann haben wir uns verschiedene Länder spontan und sehr flexibel erschlossen. Das ist jetzt natürlich anders, inzwischen ist zumindest der geografische Horizont begrenzter: Mit Kleinkindern ist ein Urlaub im Bayerischen Wald definitiv entspannter als eine Flugreise. Generell ist das Leben fremdbestimmter, aber unheimlich bereichernd. Die kurze Zeit, in der die Kinder uns intensiv brauchen, genieße ich sehr bewusst.

Hausgemacht: Als Vorstand, der noch dazu an einem ganz anderen Ort arbeitet, unterstelle ich Dir viel Arbeit – und ein klassische Rollenaufteilung zu Hause. Stimmt das?

Michael: Die langen Arbeitszeiten ja (lacht). Aber zu Hause versuchen wir, das möglichst gleichberechtigt hinzubekommen. Wenn ich unter der Woche in Lübeck bin und meine Frau ihrem Beruf nachgeht, unterstützen uns die Großeltern regelmäßig vor Ort, worüber wir sehr glücklich sind. Am Wochenende übernehme ich dann die Kinder, denn meine Frau ist für ihre Arbeit als Moderatorin häufig am Wochenende oder abends unterwegs. Bei der Kindererziehung ist es meiner Meinung nach ausgewogen. Wer zuerst was sagt, setzt die Leitplanke, und der oder die andere trägt das mit.

Hausgemacht: Was würdest Du sagen: Worin bist Du richtig gut?

Michael: (Überlegt kurz) Ich denke, dass ich gut zuhören kann – im Job wie auch im Privaten. Mir wird oft gesagt, dass ich durch Nachfragen meinem Gegenüber helfe, seine Gedanken zu strukturieren. 

Hausgemacht: Gibt es auch was, was Du gar nicht gut kannst?

Michael: Oh ja! Ich könnte geduldiger sein. Das bekommen die Leute, die beruflich mit mir zu tun haben, vermutlich nicht wirklich mit. Aber ich merke, dass mein Geduldsfaden dünner wird, je gestresster ich bin. Dann sinkt auch meine Toleranzgrenze, zum Beispiel in Bezug auf die Kindererziehung. Aber ganz so schlimm wie es sich jetzt anhört, ist es auch wieder nicht. Ich bin mir dessen wohl bewusst und lerne, auch beruflich bedingte Anspannung häufiger an der Haustür hinter mir zu lassen.

Hausgemacht: Nach dem Abitur und Zivildienst hast Du eine Banklehre absolviert. War das schon lange Dein Wunsch und welche Erfahrung hast Du da gemacht?

Damals war die Finanzbranche nicht unbedingt das, was ich immer schon machen wollte.

Michael: Die Ausbildung dort kam eher über mein privates Umfeld zustande. Weil ich in der Schule schon eine Affinität zu Zahlen hatte, hat das gepasst. Dort wurde mir schnell klar, dass ich nicht in der Bank bleiben würde – dafür waren mir die Strukturen zu festgefahren und es gab zu wenig Platz für Bewegung, für Neues und Innovationen.

Hausgemacht: Wie hast Du nach der Banklehre denn dann weitergemacht?

Michael: Mit einem BWL-Studium, wobei mich das Thema Banking generell weiterhin interessiert hat, besonders der Bereich Private Banking. Neue Impulse zu bekommen und mich weiterzuentwickeln, war mir schon damals wichtig und der Wechsel in die Baufi-Beratung passte dazu. Von da aus gings über verschiedene Stationen in der Finanzbranche weiter, bis ich über die Geschäftsführung bei Qualitypool – einem Schwesterunternehmen – zu Dr. Klein gekommen bin.

Hausgemacht: Was machst Du ganz konkret bei Dr. Klein?

Michael: Das ist schwierig zu beantworten, weil es keine zwei Tage gibt, die auch nur ansatzweise identisch sind. Im Allgemeinen sorge ich dafür, dass Dr. Klein weiter wachsen kann und dass es für immer mehr Menschen selbstverständlich ist, auf Dr. Klein zuzugehen, wenn eine finanzielle Entscheidung ansteht. Dazu gehört, immer wieder neue Ideen und Ansätze zu finden und deshalb sind auch die Herausforderungen und Themen immer wieder neu – sowohl intern als auch extern.

Hausgemacht: Was treibt Dich im Job an? Und was macht Dir dabei besonders Spaß?

Michael: Definitiv: Herausforderungen. Ich finde es toll, Neues zu entdecken und zu gestalten und Organisationen weiterzuentwickeln. Wege und Strukturen zu schaffen, die es vorher noch nicht gegeben hat und die es möglich machen, weiter zu gehen als bisher. Mir macht die Vielseitigkeit der Herausforderungen Spaß und dass ich vor einer Aufgabe noch nicht weiß, welche Lösung später die richtige ist. Bei Dr. Klein gibt es – nicht nur in meiner Position – viele Möglichkeiten und Gelegenheiten, Neues zu entwickeln, zu lernen und an Herausforderungen zu wachsen, und das entspricht mir sehr.

Bei Dr. Klein habe ich ein Team und ein Umfeld, die dieses Wachstum absolut unterstützen und für die Veränderung expliziter Bestandteil des Geschäftserfolgs ist.

Hausgemacht: Abgesehen vom Erfolg von Dr. Klein – welches Thema „hinter den Kulissen“ liegt Dir besonders am Herzen?

Michael: Das ist das Thema „Holakratie“ beziehungsweise Selbstorganisation. Wobei es aus meiner Sicht mindestens langfristig auch mit dem Geschäftserfolg zu tun hat. Bei Dr. Klein stand eigenverantwortliches Arbeiten schon sehr lange im Fokus: In den letzten Jahren haben wir unsere Strukturen immer weiter dahingehend verändert, dass Entscheidungen dezentral getroffen werden – nämlich dort, wo die jeweilige Expertise ist und nicht dort, wo der Chef sitzt. „Scrum“ war schon lange ein Vorgehensmodell in unserer Softwareentwicklung. Das agile Arbeiten war eine gute Voraussetzung, um Schritt für Schritt weiter zu gehen und die Holakratie einzuführen.

Hausgemacht: Was ist denn Holakratie und warum hat sich Dr. Klein dafür entschieden?

Michael: Holakratie ist sozusagen das Betriebssystem für selbstorganisiertes Arbeiten. Ein Organisationsprinzip mit klaren Strukturen und Regeln, das viel Freiraum für Agilität und Eigenverantwortung lässt. So lautet eine der wichtigsten Regeln: Es ist alles erlaubt, was nicht explizit verboten ist. Ich bin überzeugt davon, dass es für Unternehmen entscheidend sein wird, schnell und flexibel auf die immer zügigeren Veränderungen zu reagieren – sowohl was die Arbeitswelt als auch was das Marktumfeld betrifft. Wir sehen, dass das Tempo zunimmt, mit dem alte Gewissheiten und Mechanismen an Gültigkeit und Wirksamkeit verlieren. Nur dynamische Organisationen werden auf Dauer robust genug sein, um mit diesem Wandel Schritt zu halten – beziehungsweise in der Lage sein, diesen Wandel selbst mit zu gestalten. Selbstorganisation beziehungsweise Holakratie sind also kein Selbstzweck, sondern meines Erachtens absolut notwendig.

Eine der wichtigsten Regeln bei uns lautet: Es ist alles erlaubt, was nicht explizit verboten ist.

Hausgemacht: Das klingt schlüssig, aber auch noch ziemlich theoretisch. Wie sieht das denn konkret aus und ziehen wirklich alle Mitarbeiter mit?

Michael: Konkret sind wir nicht mehr in einer klassischen Pyramide organisiert, sondern über Kreise. Eine Hierarchie gibt es immer noch, aber die ist nicht mehr über Menschen definiert, sondern über Rollen und Kreise. Dabei kann eine Person mehrere Rollen besetzen, also verschiedene Themen verantworten. Die Holakratie bringt maximale Transparenz über das Ziel der Rollen und die Erwartungen an die Rollen und maximale Agilität, weil nichts auf Dauer angelegt ist.

An vielen Stellen verhilft uns das System auch dadurch zu Schnelligkeit, dass wir weg von Konsens-Entscheidungen hin zu konsenten Entscheidungen gekommen sind. Die Fragen sind mittlerweile: „Ist der Vorschlag gut genug für jetzt?“ und „fügt uns diese Entscheidung einen Schaden zu?“ Wir verschwenden keine Zeit mit der Suche nach der perfekten Welt oder Lösung – und das ist ein Riesennutzen, weil wir uns ständig in kleinen Schritten weiterentwickeln.

Hausgemacht: Noch einmal zu den Mitarbeitern: Waren alle gleich begeistert?

Michael: Uns war von vornherein klar, dass dieser Schritt auch Schmerzen – oder, holakratisch formuliert, Spannungen – verursachen würde. Und dass wir deswegen den Weg nicht abbrechen würden. Weil wir agil vorgehen und in dem Sinne keinen festen Projektplan mit zeitlichen Zielen haben, können wir mit Augenmaß vorgehen und schnell dort nachsteuern, wo Bedarf besteht. Viele hat es zum Beispiel irritiert, dass sich das System stark auf Prozesse und Rollen fokussiert und nicht auf die Menschen dahinter. Um dies abzufedern, haben wir verschiedene Maßnahmen ergriffen und neue Formate geschaffen. Das heißt also: Wir gehen einen Schritt weiter, gucken, wie sich das anfühlt und nehmen an einigen Stellen gegebenenfalls den Fuß auch etwas vom Gas. Anstatt zu einem bestimmten Datum ein bestimmtes Ziel anzusteuern, wollen wir lieber alle mitnehmen.

Durch die Selbstorganisation verteilen wir Führung dezentral an viele Mitarbeitende und werden auch für neue und zukünftige KollegInnen attraktiv und ziehen weitere Talente an.

Hausgemacht: Hat Deiner Meinung nach die Holakratie auch dazu beigetragen, dass Dr. Klein bis jetzt ganz gut mit den Veränderungen durch Corona zurechtkommt?

Michael: Die Flexibilität, mit der wir auch dank der Holakratie agieren können, hat sicherlich einen Anteil daran. Aber vor allem ist es dem großartigen gesamten Team zu verdanken, dass wir sehr gut dastehen und auch beispielsweise keine Kurzarbeit beantragen mussten. Mein Dank gilt sowohl den Angestellten als auch allen Partnern in unserem Franchisenetzwerk. Ab dem ersten Tag des Lockdowns waren wir weiterhin uneingeschränkt arbeitsfähig und die Beratungen unserer Kunden konnten in derselben Qualität telefonisch oder per Video-Chat stattfinden. Das hatten wir vielen anderen Unternehmen und Banken voraus. Auch der interne Austausch funktioniert gut, an unseren regelmäßigen Videokonferenzen zum Stand der Dinge nehmen bis zu 200 Leute teil.

Hausgemacht: Gibt es eigentlich auch etwas, das Dir schlechte Laune macht?

Michael: Oh ja, das gibt es, und zwar einige politische Entscheidungen (nimmt einen tiefen Atemzug). Da werde ich immer wieder emotional und zum Teil auch wirklich richtig wütend: Wenn ich sehe, dass Dinge passieren, nicht um das Land voranzubringen, sondern weil die Entscheider damit Stimmen bei der nächsten Wahl gewinnen wollen. Schlechte Laune macht mir auch Unfreundlichkeit oder wenn Kunden nicht als Kunden wahrgenommen werden, sondern als Bittsteller – egal, ob mich das selbst betrifft oder ich das zufällig beobachte.

Hausgemacht: Ohne was könntest Du nicht leben?

Michael: Kaffee! Ich liebe Espresso.

Hausgemacht: Wenn Du nicht bei Dr. Klein wärest – was würdest Du tun?

Michael: Vielleicht würde ich meine beiden Leidenschaften – Fernreisen und Kaffee – miteinander verbinden: Dann hätte ich eine Espresso-Bar mit angeschlossener Rösterei. Die Qualität der Bohnen würde ich natürlich vor Ort prüfen, ebenso, ob sie fair produziert werden. So käme ich mit vielen Menschen aus anderen Kulturen zusammen und zu Hause könnte ich meine unternehmerische Ader ausleben und einen Ort zum Austausch schaffen. Mit richtig gutem Espresso.

Hausgemacht: Zum Schluss noch unsere obligatorische Frage: Was sagen andere über Dich?

Michael: Dass ich zielstrebig bin und strategisch denke. Vielleicht auch, dass ich schwer zu lesen bin – und etwas begeisterungsfähiger sein könnte! (lacht)


Mensch hinter der Marke: Vorstand Kingyi


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