Menschen hinter der Marke: Vorständin Kingyi Fuchs

Menschen hinter der Marke: Vorstand Kingyi

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Sie ist alles andere als gewöhnlich und ihr Werdegang auch: Kingyi hat 2010 bei Dr. Klein als Projektmanagerin im Onlinevertrieb begonnen und wurde mit 31 Jahren in den Vorstand berufen. Sie hat sich als analytischer Geist etabliert und ist besonders dann zur Stelle, wenn Probleme gelöst werden wollen.

Name: Kingyi
Alter: 32
Bei Dr. Klein seit: 2010
Job: Vorstandsmitglied
Stationen:
* Projektmanagerin bei Dr. Klein
* Leiterin Marketing & Projektmanagement bei Hypoport (dem Mutterkonzern von Dr. Klein)
* Leiterin Marketing bei Dr. Klein
* Vorstand Dr. Klein

Hausgemacht: Hallo Kingyi, hast du heute schon was Gutes erlebt?

Kingyi: Heute bin ich bei puren Sonnenstrahlen ins Büro gelaufen und vor Dankbarkeit klopfte mir das Herz.

Hausgemacht: Du bist das komplette Gegenteil von einem alten weißen Mann in der Vorstandsetage, nämlich jung, weiblich, asiatisch-stämmig und klein.

Kingyi: Aus meiner Sicht ist es absolut unsinnig, auf solche Merkmale einzugehen. All das – Alter, Geschlecht, Herkunft oder sogar die Körperhöhe – das sagt doch überhaupt nichts aus. Weder im zwischenmenschlichen Bereich noch im Beruf. Es zählt doch vielmehr, wer jemand ist, was für Ideen Leute haben, wie sie denken, was sie tun und wie jemand mit anderen Menschen umgeht. Ich weiß, dass ich nicht in das gängige Bild passe und unser Vorstands-Team anders zusammengestellt ist als der Durchschnitt. Mir ist es aber nie darum gegangen, eine Quote zu erreichen und ich musste auch nicht wirklich stark gegen geschlechterspezifische Widerstände kämpfen.

Meine Position hat sich so entwickelt, weil ich Spaß an der Arbeit habe und daran, Projekte voranzutreiben und Dinge zum Laufen zu bringen.

Hausgemacht: Wie stehst du zu einer Quotenregelung für Frauen in Führungs- oder Vorstandspositionen?

Kingyi: Ich glaube, dass eine gute Quote – also ein ausgewogenes Verhältnis zwischen unterschiedlichen Verantwortlichen – ein wesentlicher Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens ist. Aber gleichzeitig halte ich nichts davon, eine Quote zum Beispiel für Frauen festzulegen und umzusetzen, das ist diskriminierend. Keiner will die Quotenfrau sein! Deswegen setze ich mich eher dafür ein, Frauen zu unterstützen, ohne dabei andere zu benachteiligen.

Hausgemacht: Die Finanzbranche ist ja doch männerdominiert und auch bei Dr. Klein ist der Großteil der Berater männlich. Gibt es da Herausforderungen für dich?

Kingyi: Für mich selber eigentlich nicht, eher für andere (lacht): Ein paar Vorbehalte habe ich schon wahrgenommen nach dem Motto: „Wie kann das sein, dass die Vorstand geworden ist?“  – und damit waren nicht meine fachlichen Kompetenzen gemeint. Aber wenn ich jetzt nachdenke, herrscht in einigen – männerdominierten – Runden tatsächlich ein etwas anderes Klima und es gibt eine andere Dynamik. Ich selber habe es nicht wirklich bewusst mitgeschnitten, aber zum Teil anschließend gespiegelt bekommen, dass ich und andere Kolleginnen weniger Redeanteile hatten und wir häufiger unterbrochen wurden als die männlichen Kollegen. Ich finde, das darf nicht sein und kümmere mich einerseits darum, meine Aufmerksamkeit für Ungerechtigkeiten zu schärfen, andererseits unsachliche Impulse bewusst umzusteuern und beim Thema zu bleiben.

Hausgemacht: Hat sich für dich mit der Vorstandsrolle etwas verändert?

Kingyi: Für mich persönlich nicht – ich bin ja derselbe Mensch. Deswegen war es erst einmal vor allem ein formaler Schritt. Ich muss jedoch gestehen, dass ich mit der neuen Rolle einen größeren Gestaltungsfreiraum spüre und dadurch noch kreativer und mutiger geworden bin. Aber (überlegt kurz): Ich habe schon bemerkt, dass die Leute mich gleichzeitig auf einmal anders gesehen haben und es neue Erwartungen an mich gab. Wenn ich das wahrnehme, versuche ich bewusst zu entscheiden, ob die Erwartungen zu mir passen und ich sie erfüllen will – oder eben nicht.

Hausgemacht: Hast du konkrete Beispiele, in denen du die „Vorstands-Erwartungen“ nicht erfüllst?

Kingyi: Ja, spontan fällt mir die auf mich automatisch projizierte Entscheidungshoheit ein. Bei uns ist ja die Verteilung der Macht sehr wichtig: Entscheiden sollen diejenigen, die am engsten am Thema dran sind und deshalb Verantwortung dafür tragen. Daher treffe ich ganz bewusst keine Entscheidung für Dinge, die bei anderen liegen. Stattdessen gebe ich meinem Gegenüber Einschätzungen oder auch Empfehlungen, wie ich an dessen Stelle vorgehen würde. Das kann der- oder diejenige dann einbeziehen – oder nicht.  

Ein anderes Beispiel war der diesjährige Partnertag. Das ist eine ganz besondere Veranstaltung, weil sich dabei alle unsere Berater treffen, um sich mit uns und vielen unserer Bank- und Versicherungspartner auszutauschen. Traditionell eröffnen die Vorstände das Treffen und berichten kurz aus ihrem jeweiligen Bereich. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, zu viele Zahlen zu präsentieren und bin nur zum kleinen Teil auf fachliche und perspektivische Entwicklungen eingegangen. Die Zeit auf der Bühne habe ich hauptsächlich dafür genutzt, über ein Thema zu sprechen, das mir besonders am Herzen liegt: der Zusammenhalt untereinander. Was ist uns als Gemeinschaft wichtig, was zeichnet uns aus und was eint uns?

Hausgemacht: Vielfalt unter den Mitarbeitern bei großem Zusammenhalt – kann man das Thema, das du bei Dr. Klein verfolgst, auf diesen Punkt bringen?

Kingyi: Ja, das kann man so sagen. Die beiden Werte sind extrem wichtig für unser Unternehmen, und wir können stolz sein, so viele unterschiedliche Leute zu haben – oder zu sein. In der Unterschiedlichkeit liegt ein großer Schatz und den möchte ich ebenso fördern wie den Loyalitätsgedanken und das Füreinander-Einstehen. Gleichzeitig interessiere ich mich auch sehr für die systemische Frage, wie Organisationen funktionieren und wie Ursache und Wirkung ineinander spielen.

Hausgemacht: Was meinst du damit?

Kingyi: Das Umfeld und die Umstände haben starken Einfluss darauf, wie gut eine Organisation funktioniert. Wenn es Probleme in der Zusammenarbeit gibt oder die Stimmung sich verändert, lohnt es sich, nicht nur auf die Menschen zu schauen, sondern auch darauf, mit welchen Mitteln und unter welchen Umständen sie aktuell zusammenarbeiten.

Hausgemacht: Was treibt dich bei der Arbeit an, was weckt Deine Energie?

Kingyi: Probleme!  Beziehungsweise: Lösungen für Probleme zu finden. Dabei halte ich mich nicht gerne mit Symptomen auf, mich interessieren die Ursachen. Ich glaube, jedes Unternehmen existiert aus genau dem Grund – für andere ein Problem zu lösen. Das klingt erst einmal banal, aber bei näherer Betrachtung stellt sich schnell die spannende Frage, worin denn das Problem besteht, das kurz-, mittel- und langfristig gelöst werden soll. Ob auf Unternehmensebene oder im Zweiergespräch – zunächst ist wichtig, ein gemeinsames Verständnis für diese grundlegende Frage zu bekommen.

Hausgemacht: Welche Erfolgsrezepte hast du dabei?

Kingyi: Ich mache sehr gute Erfahrungen mit meiner Grundannahme, die ich glücklicherweise immer wieder bestätigt sehe: Ich glaube daran, dass die Menschen was Gutes bewirken wollen und in guter Absicht handeln. Deshalb ist auch Gestaltungsfreiraum wichtig und jeder muss die Möglichkeit haben, Dinge zu bewegen. Teams sollen sich selber aufbauen und wachsen können, deshalb gehe ich als Problemlöserin oft erst rein, wenn das Team anfängt, sich immer wieder im Kreis zu drehen oder sich ein typisches Muster herauskristallisiert.

Hausgemacht: Einerseits ist dir das Menschliche im Unternehmen wichtig, gleichzeitig giltst du auch als sehr zielstrebig und sachorientiert. Wie passt das zusammen?

Kingyi: Sehr gut passt das zusammen, das eine schließt das andere ja nicht aus! Gerade in Jobzusammenhängen finde ich zum Beispiel emotionale Ausbrüche oder Zwischentöne schwierig – ich mag gerne Klarheiten und spreche Dinge aus, die ich sehe – ohne Wertung. Für konstruktive Ergebnisse ist es wichtig, auf der sachlichen Ebene zu bleiben und sie hilft mir, mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Wenn ich das jetzt so erzähle, fällt mir auf, dass ich das früher schon so gemacht habe. Ich bin mit chinesischen Eltern hier in Deutschland aufgewachsen und meine Eltern waren relativ traditionell: In deren Vorstellung waren Männer per se wichtiger als Frauen, und dem zustimmenden Lächeln wurde ein hoher Wert zugemessen. Dieses Prinzip habe ich immer hinterfragt.

Ich habe bewusst meine Meinung gesagt und Dinge argumentativ gelöst. Das fanden meine Eltern ziemlich anstrengend – aber insgeheim sicher auch gut – glaube ich.

Hausgemacht: Welche Eigenschaft muss ein Unternehmen deiner Meinung nach haben, um erfolgreich zu sein?

Kingyi: Es muss radikal offen für Veränderung sein, in jeder Hinsicht und auf jeder Ebene. Tatsache ist: Wir leben in einer Zeit, in der sich der Wandel immer mehr beschleunigt. Und wir wissen immer weniger, was die Zukunft bringt. Als Unternehmen können wir nicht genau vorhersagen, wie Disruptionen uns herausfordern werden – wir wissen nur, dass sie es tun und immer mehr tun werden. Die Zyklen, in denen Ideen und Teams funktionieren, bevor der Erfolg nachlässt, werden immer kürzer. Wir müssen uns so aufstellen, dass wir flexibel agieren können und uns in die Lage versetzen, Strukturen und Inhalte bei Bedarf schnell zu ändern.

Hausgemacht: Wenn du nicht Vorstand bei Dr. Klein wärest – was würdest Du machen?

Kingyi: Oh, vielleicht hätte ich eine schwäbische Tapas-Bar, hier in der Nähe, so etwas fehlt. Oder eine Kita, in die auch die Kollegen ihre Kinder bringen können!

Hausgemacht: Was sagen andere über dich?

Kingyi: Kommt darauf an, wen du fragst (lacht)! Viele sagen, dass ich analytisch bin und mich durchsetzen kann. Andere vielleicht, dass ich witzig bin. Und wieder andere, dass ich treu bin und mich um andere Leute kümmere.


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