Riester-Rente 2027: Behalten, wechseln oder kündigen?
- Ein Abschluss der Riester-Rente ist nur noch bis zum 31.12.2026 möglich.
- Ab 2027 ersetzt ein Altersvorsorgedepot die Riester-Rente.
- Bestehende Riester-Rentenverträge sind weiterhin gültig.
- Die Förderung bei bestehenden Verträgen läuft ebenfalls weiter.
- Die bestehende Riester-Rente kann in das Altersvorsorgedepot übertragen werden.
- Eine vorschnelle Kündigung sollte aufgrund möglicher finanzieller Nachteile vermieden werden.
- Was bedeutet die Rentenreform für die Riester-Rente?
- Was passiert mit bisherigen Riester-Verträgen?
- Wann bestehenden Riester-Vertrag weiterführen?
- So prüfen Sie den Vorteil Ihres Riester-Vertrags
- Wann lohnt sich Riester nicht mehr?
- Kündigen, wechseln oder weiterführen?
- Förderung im neuen Altersvorsorgedepot
- Vergleich Riester und Vorsorgedepot
- Wann ist ein Wechsel zum Altersvorsorgedepot sinnvoll?
- Alternativen zur Riester-Rente
- FAQs zur Riester-Rente
Was bedeutet die Rentenreform für die Riester-Rente?
Die Riester-Rente läuft zum 31.12.2026 aus und wird durch ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot ersetzt. Das bedeutet: Ab 2027 können keine Neuverträge für die Riester-Rente mehr abgeschlossen werden. Bestehende Riester-Verträge bleiben hingegen bestehen und können grundsätzlich weitergeführt werden.
Das neue Altersvorsorgedepot startet ab 1.1.2027 und bietet verschiedene Vorsorgeformen, die als flexibler und renditeorientierter als die bisherige Riester-Rente gelten. Riester-Sparer können dabei wählen, ob sie auf das neue Vorsorgemodell umsteigen möchten oder ihren bisherigen Riester-Vertrag behalten möchten.
Was passiert mit bisherigen Riester-Verträgen?
Bestehende Verträge zur Riester-Rente müssen nicht automatisch gekündigt oder umgestellt werden. Wer bereits einen Vertrag besitzt, kann ihn grundsätzlich weiterführen. Auch die bisher erworbenen staatlichen Zulagen und steuerlichen Vorteile bleiben grundsätzlich erhalten. Sie können also weiter in Ihren bestehenden Riester-Vertrag einzahlen und erhalten dafür weiterhin Zulagen, sofern Sie die jeweiligen Voraussetzungen erfüllen.
Für Riester-Sparer besteht daher kein unmittelbarer Handlungsdruck. Der Wechsel in ein neues Altersvorsorgeprodukt kann dennoch interessant sein, wenn der bestehende Vertrag zur Riester-Rente hohe Kosten verursacht, geringe Renditechancen bietet oder nur wenig Flexibilität ermöglicht. Vor einer Kündigung sollten Sie die möglichen Folgen jedoch sorgfältig prüfen. Wurden beispielsweise die gesetzlichen Voraussetzungen nicht eingehalten, können Zulagen und Steuervorteile zurückgefordert werden. Außerdem sind mit großer Wahrscheinlichkeit bereits Abschluss- und Verwaltungskosten angefallen.
Wer einen Riester-Vertrag hat, sollte nicht allein aufgrund der Rentenreform vorschnell kündigen. Entscheidend ist, welche staatliche Förderung Sie erhalten, welche Garantien bereits bestehen und welche Leistungen der Vertrag im Alter tatsächlich bietet.
Wichtig sind außerdem das Vertragsalter, die verbleibende Laufzeit sowie die Vertragskosten. Eine individuelle Prüfung des Riester-Vertrages ist deshalb sinnvoll, bevor Änderungen vorgenommen werden. Erst dann lässt sich beurteilen, ob eine Weiterführung, eine Beitragsfreistellung oder ein Wechsel sinnvoll ist.
Bis zu 175 € pro Jahr staatlicher Zuschuss
Jährlich bis zu 185 € pro Kind, das einen Anspruch auf Kindergeld hat
Jährlich bis zu 300 € für Kinder, die nach dem 1. Januar 2008 geboren wurden
Beiträge zur Riester-Rente können bis zu einer Höhe von 2.100 € als Sonderausgaben in der Einkommenssteuererklärung geltend gemacht werden. Von der Steuerersparnis wird allerdings die erhaltene Zulage abgezogen.
Einmalige Bonuszahlung von 200 € für Berufseinsteiger unter 25 Jahre.
Der Mindesteinzahlungsbetrag für die Riester-Rente beträgt 60 € pro Jahr (5 €/Monat). Ab dann erhalten Sie die staatlichen Zuschüsse. Um die vollen staatlichen Zulagen zu erhalten, müssen Sie mindestens 4 % Ihres jährlichen Einkommens in die Riester-Rente einzahlen, maximal aber 2.100 €.
Für wen kann es sinnvoll sein, den bestehenden Riester-Vertrag weiterzuführen?
Interessant kann das Fortführen für folgende Gruppen sein:
- Familien mit Kindern: Familien profitieren von Kinderzulagen in Höhe von bis zu 300 € / Jahr.
- Geringverdienerinnen und Geringverdiener: Für Menschen mit niedrigem Einkommen kann die staatliche Förderung im Verhältnis zum eigenen Beitrag besonders hoch ausfallen. Wichtig ist, dass mindestens der erforderliche Mindesteigenbeitrag eingezahlt wird, andernfalls können die Zulagen gekürzt werden. Bei einem geplanten Bezug von Grundsicherung sollte außerdem geprüft werden, wie sich die Riester-Rente auf die späteren Sozialleistungen auswirkt.
- Alleinerziehende: Alleinerziehende können insbesondere von den Kinderzulagen profitieren. Ein bestehender Vertrag kann auch sinnvoll sein, wenn eine Beitragsfreistellung oder flexible Anpassung der Sparrate vereinbart wurde, um auf die aktuelle finanzielle Situation reagieren zu können.
- Sparerinnen und Sparer kurz vor dem Ruhestand: Wer bereits lange in einen Riester-Vertrag eingezahlt hat und kurz vor dem Rentenbeginn steht, sollte einen Wechsel besonders sorgfältig prüfen. Eine Kündigung oder Übertragung kann Kosten verursachen und die bisherige Planung verändern. Je näher der Rentenbeginn rückt, desto wichtiger sind die bereits erworbenen Zulagen, die garantierte Leistung und die konkreten Auszahlungsbedingungen.
- Menschen mit einem kostengünstigen Vertrag und guten Vertragsbedingungen: Auch unabhängig von der familiären Situation kann die Weiterführung sinnvoll sein, wenn der Vertrag geringe Kosten, eine attraktive garantierte Rente und angemessene Renditechancen bietet. Eine Beitragsfreistellung oder ein Wechsel in ein neues Produkt wäre dann nicht automatisch vorteilhaft.
- Gutverdienerinnen und Gutverdiener: Für Gutverdienende kann der steuerliche Vorteil der Riester-Förderung eine wichtige Rolle spielen. Ob sich das Weiterführen lohnt, hängt insbesondere vom persönlichen Steuersatz, den geleisteten Beiträgen und der späteren Besteuerung der Auszahlung ab. Die Kinderzulagen können den Vertrag zusätzlich attraktiver machen.
- Wer bereits hohe Zulagen erworben hat: Bei älteren Verträgen können sich über die Jahre umfangreiche Zulagen und Steuervorteile angesammelt haben. Diese sollten bei einem Wechsel oder einer Kündigung berücksichtigt werden. Eine Fortführung kann deshalb sinnvoll sein, wenn dadurch die bisherige Förderung und die vertraglich zugesagten Leistungen erhalten bleiben.
So prüfen Sie den Vorteil Ihres Riester-Vertrags
Ob sich ein Riester-Vertrag lohnt, zeigt sich unter anderem daran, wie hoch die staatliche Förderung im Verhältnis zum eigenen Beitrag ausfällt. Wir haben Ihnen 3 Beispiele zusammengestellt:
1. Familie mit Kindern
Eine Familie hat zwei Kinder, die nach dem 1. Januar 2008 geboren wurden. Das rentenversicherungspflichtige Vorjahreseinkommen eines Elternteils beträgt 40.000 €. Um die volle Förderung zu erhalten, muss sie mindestens 4 % des Vorjahreseinkommens einzahlen, also insgesamt 1.600 €. Bei zwei Kinderzulagen von jeweils 300 € und einer Grundzulage von 175 € erhält sie insgesamt 775 € staatliche Förderung.
Der Eigenaufwand beträgt damit:
1.600 € Beitrag − 775 € Zulagen = 825 € Eigenbeitrag / Jahr
Die Familie muss somit rechnerisch nur 825 € selbst aufbringen, um 1.600 € jährlich in den Vertrag einzuzahlen. Hinzu kommen mögliche Steuervorteile. Ob sich das Weiterführen tatsächlich lohnt, hängt aber auch von den Vertragskosten, der garantierten Leistung und der verbleibenden Laufzeit ab.
2. Alleinstehende Person
Bei einer alleinstehenden Person ohne Kinder mit einem Vorjahreseinkommen von 40.000 € fällt die Förderung geringer aus. Sie erhält in diesem Beispiel nur die Grundzulage von 175 €. Dadurch steigt der Eigenanteil auf 1.425 €. Für sie sind die Kosten und die Renditechancen des Vertrags daher besonders wichtig.
1.600 € − 175 € = 1.425 € / Jahr
3. Sparer kurz vor dem Rentenbeginn
Kurz vor dem Rentenbeginn sollten dagegen vor allem die bisher erworbenen Zulagen, die garantierte Rente und mögliche Wechselkosten geprüft werden. Ein Wechsel in ein neues Produkt ist in dieser Situation nicht automatisch vorteilhaft. Ein Beispiel: Eine Person hat bereits 25.000 € angespart und beginnt in 2 Jahren mit der Auszahlung. Der bestehende Vertrag ist kostengünstig und enthält eine garantierte Rentenleistung. Ein neues Produkt könnte hier zwar höhere Renditechancen bieten, möglicherweise aber auch Wechselkosten verursachen oder bestehende Garantien verändern.
Kurz vor dem Rentenbeginn kann es deshalb sinnvoller sein, den bestehenden Vertrag weiterzuführen oder beitragsfrei zu stellen. Vor einer Entscheidung sollten der Übertragungswert, die garantierte Rente, die laufenden Kosten und mögliche Rückforderungen von Zulagen verglichen werden.
Wann lohnt sich ein bestehender Riester-Vertrag nicht mehr?
Ein bestehender Riester-Vertrag lohnt sich häufig dann nicht mehr, wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammenkommen. Auf diese 4 Punkte sollten Sie achten:
- Geringe Förderquote: Fällt die staatliche Förderung im Verhältnis zum Eigenbeitrag gering aus, sollten Sie prüfen, ob sich der Vertrag durch den Steuervorteil, die Garantien oder die zugesagte spätere Rente dennoch rechnet.
- Hohe Kosten: Hohe Abschluss-, Verwaltungs- oder Fondskosten können die Rendite der Riester-Rente deutlich schmälern.
- Lange Beitragsfreistellung: Werden keine weiteren oder nur geringe Beiträge in den Riester-Vertrag eingezahlt, wirkt sich das ebenfalls negativ auf die Rendite aus. Das Guthaben bleibt zwar grundsätzlich bestehen, doch laufende Kosten können weiterhin anfallen und die spätere Leistung verringern.
- Niedrige Rendite: Oft liegt die Rendite beim Riester-Sparen kaum noch über der Inflationsrate. Fällt sie zudem über viele Jahre sehr niedrig aus, kann die Riester-Rente weniger attraktiv sein als andere Formen der Altersvorsorge.
„Wenn die Förderung gering ausfällt, die Kosten aber konstant weiterlaufen, kehrt sich der eigentliche Sinn eines Riester-Vertrags irgendwann um“, erklärt der Dr. Klein-Spezialist für Versicherungen Robin Steeb. „Dann zahlt man für ein Produkt, das kaum noch für einen arbeitet. Die Riester-Rente sollte deshalb nicht allein wegen der bereits eingezahlten Beiträge fortgeführt werden. Entscheidend ist, was künftig aus jedem weiteren Euro wird. Fragen Sie sich deshalb: Wie hoch ist die Förderung, welche Kosten fallen an und welche Leistung ist im Alter realistisch zu erwarten? Gerade bei geringer Förderung und hohen Vertragskosten lohnt sich ein genauer Vergleich der Alternativen.““
Bevor Sie den Vertrag kündigen, sollten Sie diesen jedoch genau prüfen. Bei einer Kündigung können Zulagen und Steuervorteile zurückgefordert werden. Je nach Vertrag kann es sinnvoller sein, die Beiträge anzupassen, den Vertrag beitragsfrei zu stellen oder einen Wechsel zu prüfen.
Riester-Rente kündigen, wechseln oder weiterführen: Welche Option passt?
Wann welche Variante für Ihren Riester-Vertrag sinnvoll sein kann, sehen Sie in unserer Übersicht:
| Option | Wann ist sie sinnvoll? | Beispiel |
|---|---|---|
| Weiter besparen | Den Riester-Vertrag weiter zu besparen kann sinnvoll sein, wenn die staatliche Förderung (z.B. durch Kinderzulagen oder steuerliche Vorteile) attraktiv ist und der Vertrag angemessene Kosten sowie eine gute garantierte Leistung bietet. Auch eine lange Ansparzeit kann für die Fortführung sprechen. | Eine Familie mit Kindern erhält hohe Kinderzulagen, der Vertrag ist kostengünstig und der Rentenbeginn liegt noch viele Jahre in der Zukunft. |
| Beitragsfrei stellen | Diese Option eignet sich, wenn Sie vorübergehend keine Beiträge zahlen können oder nicht weiter einzahlen möchten, die bisher erworbenen Zulagen und das Guthaben aber erhalten wollen. Zu beachten ist, dass der Vertrag weiter Kosten verursachen kann und keine neuen Zulagen für laufende Beiträge hinzukommen. | Während einer längeren Elternzeit oder Arbeitslosigkeit setzen Sie die Beiträge aus und führen den Vertrag später gegebenenfalls weiter. |
| Anbieter wechseln | Ein Wechsel kann sinnvoll sein, wenn der bestehende Vertrag hohe Kosten, geringe Renditechancen oder wenig Flexibilität bietet, ein anderer Anbieter aber bessere Konditionen ermöglicht. Die Übertragung des Guthabens sollte kosten- und förderrechtlich geprüft werden. | Ihr Vertrag weist hohe Verwaltungskosten auf und bietet nur geringe Renditechancen. Ein anderer Anbieter bietet bei vergleichbaren Garantien niedrigere Kosten und flexiblere Beitragsmöglichkeiten. |
| Kündigen | Eine Kündigung kommt nur selten infrage. Sie kann sinnvoll sein, wenn der Vertrag dauerhaft hohe Kosten verursacht, sehr geringe Leistungen bietet und weder eine Beitragsfreistellung noch ein Anbieterwechsel wirtschaftlich sinnvoll ist. Achtung: Bei einer Kündigung müssen Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden. | Sie haben nur ein geringes Guthaben, zahlen hohe laufende Kosten und erwarten trotz langer Laufzeit nur eine sehr niedrige Rente. Vor der Kündigung sollten Sie die finanziellen Folgen prüfen. |
Wie funktioniert die Förderung im neuen Altersvorsorgedepot?
Beim neuen Altersvorsorgedepot richtet sich die staatliche Zulage nach der Höhe der eigenen Einzahlungen. Für die ersten 360 €, die pro Jahr in einen förderfähigen Altersvorsorgevertrag eingezahlt werden, sind 50 Cent Zulage je € vorgesehen. Für weitere Einzahlungen bis zu einem jährlichen Gesamtbetrag von 1.800 € beträgt die Zulage 25 Cent je €. Es besteht ein Mindesteigenbetrag von 120 € pro Jahr.
- Jahresbeitrag bis zu 360 €: 0,50 € Zulage pro eingezahltem €
Beiträge zwischen 361 und 1.800 € im Jahr: 0,25 € pro €
Der maximal förderfähige Betrag liegt bei 1.800 €. Nutzen Sie diesen aus, erhalten Sie demnach eine jährliche Grundzulage von 540 €. Für Beträge, die über 1.800 € liegen, gibt es keine staatliche Förderung mehr.
Welche Förderung gibt es für Kinder und junge Menschen?
Zusätzlich zur Grundzulage gibt es weitere Förderungen für Familien und junge Menschen. So erhalten Sparer und Sparerinnen mit Kindern eine Kinderzulage. Diese beträgt 1 € pro eingezahltem € pro Kind und Jahr. Der Höchstförderbetrag liegt bei 300 €.
Ein Rechenbeispiel: Sie haben 2 Kinder und zahlen pro Jahr jeweils die maximal förderfähigen Beiträge. Damit erhalten Sie insgesamt 1.140 € Gesamtzulage pro Jahr.
540 € Grundzulage + (2 x 300 € Kinderzulage) = 1.140 € Gesamtzulage
Achtung: Grundzulage und Kinderzulage werden nur gewährt, wenn mindestens 120 € / Jahr in den Vorsorgevertrag eingezahlt werden.
Junge Menschen unter 25 Jahren, die ein Altersvorsorgedepot abschließen, erhalten einen einmaligen Starterbonus von 200 €. Dabei ist das Alter zum 1.1. des Jahres ausschlaggebend und nicht das Datum des Vertragsabschlusses.
Welche Kosten fallen für das Altersvorsorgedepot an?
Die Kosten für die neue Altersvorsorge unterscheiden sich je nach Produkt und Anbieter. So sind die Vertragskosten beim Standarddepot auf 1 % pro Jahr beschränkt, während es einem individuellen Altersvorsorgedepot keine gesetzliche Vorgabe für einen Kostendeckel gibt.
| Altersvorsorgevariante | Kosten |
|---|---|
| Standarddepot | Max. 1 % / Jahr Effektivkosten |
| Individuelles Altersvorsorgedepot | Kein pauschaler Kostendeckel |
| Garantieprodukte mit 80 % oder 100 % Garantie | Kein einheitlicher Kostendeckel |
Wer wird mit dem neuen Altersvorsorgedepot gefördert?
Das neue Altersvorsorgedepot soll grundsätzlich einem größeren Personenkreis offenstehen als die bisherige Riester-Rente. Gefördert werden nicht nur gesetzlich Rentenversicherungspflichtige, Beamte und Soldaten, sondern auch Selbstständige und Freiberufler. Nicht förderberechtigt sind Personen über 67 Jahre und freiwillig gesetzliche Rentenversicherte. Auch wer für das jeweilige Beitragsjahr keine Steuererklärung abgibt, verliert den Förderanspruch im entsprechenden Jahr.
Welche Altersvorsorgeprodukte werden gefördert?
Die neue staatlich geförderte Altersvorsorge ermöglicht eine größere Auswahl an förderfähigen Produkten. Neben klassischen Rentenversicherungen werden auch renditeorientiertere Lösungen wie Altersvorsorgedepots gefördert. Im Vergleich zur bisherigen Riester-Rente sollen die Produkte stärker auf Renditechancen, Kosten und Flexibilität ausgerichtet sein.
Altersvorsorgedepot: Ein Altersvorsorgedepot ermöglicht die Anlage des Sparbeitrags in Fonds oder börsengehandelte Wertpapiere. Dadurch können Sparer stärker von den Renditechancen der Kapitalmärkte profitieren, tragen aber gleichzeitig ein höheres Anlagerisiko. Eine vollständige Beitrags- oder Rentengarantie ist bei solchen Produkten nicht zwingend vorgesehen.
Rentenversicherungen: Auch Versicherungsprodukte können weiterhin Bestandteil der geförderten Altersvorsorge sein. Sie bieten häufig eine lebenslange Rentenzahlung und je nach Tarif bestimmte Garantien. Dafür können Abschluss- und Verwaltungskosten die Rendite verringern. Vor dem Abschluss sollten daher die garantierte Leistung, die Kosten und die möglichen Überschuss- oder Renditechancen verglichen werden.
Individuelle Fonds- und Wertpapieranlagen: Fondsbasierte Lösungen können ebenfalls innerhalb eines geförderten Altersvorsorgevertrags genutzt werden. Sie bieten langfristig höhere Renditechancen als reine Sparprodukte, unterliegen aber Wertschwankungen. Je länger die Ansparphase ist, desto eher können solche Schwankungen ausgeglichen werden.
„Je nach Produkt und persönlicher Risikobereitschaft kann dabei unterschiedlich stark auf Garantien, Aktien- oder Fondsanlagen und eine lebenslange Auszahlung gesetzt werden. Das neue Altersvorsorgedepot beispielsweise eröffnet die Möglichkeit, stärker von den langfristigen Renditechancen der Kapitalmärkte zu profitieren. Insbesondere bei einer langen Ansparphase können breit gestreute Aktien- und ETF-Anlagen interessant sein. Allerdings sind damit auch Kursschwankungen und Verlustrisiken verbunden. Vergleichen Sie deshalb nicht nur die Höhe der Zulage, sondern berücksichtigen Sie auch die Kosten, den Anlagehorizont, Ihre persönliche Risikobereitschaft und die späteren Auszahlungsmöglichkeiten“, empfiehlt Robin Steeb, Spezialist für Versicherungen bei Dr. Klein und zertifizierter Ruhestandsplaner.
Wie werden die Beiträge steuerlich behandelt?
Beim Altersvorsorgedepot gilt genau wie bei der Riester-Rente die nachgelagerte Besteuerung. Dabei bleiben während der Ansparphase Erträge steuerfrei. Die Auszahlung im Ruhestand wird dann zum persönlichen Steuersatz versteuert.
Die Beiträge zum Altersvorsorgedepot können Sie als Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend machen. Dabei werden eigene Beiträge bis zu 1.800 € pro Jahr steuerlich berücksichtigt.
Vergleich: Riester-Rente oder Altersvorsorgedepot?
Die folgende Vergleichstabelle stellt die wesentlichen Merkmale der klassischen Riester-Rente und des geplanten Altersvorsorgedepots gegenüber.
| Merkmal | Riester-Rente | Altersvorsorgedepot |
|---|---|---|
| Mindesteigenbetrag | 4 % des rentenversicherungspflichtigen Vorjahresbruttoeinkommens abzüglich Zulagen, mindestens 60 € jährlich | 120 € jährlich |
| Maximal geförderter Eigenbetrag | 2.100 € einschließlich Zulagen | 1.800 € |
| Grundzulage | 175 € / Jahr | Proportional zum Beitrag: 0,50 € pro € auf die ersten 360 € Eigenbeitrag, danach 0,25 € pro eingezahltem € bis 1.800 € |
| Maximale Grundzulage | 175 € / Jahr | 540 € / Jahr |
| Kinderzulage | 185 € für vor 2008 geborene Kinder, 300 € für ab 2008 geborene Kinder | Bis zu 300 € je Kind und Jahr |
| Berufseinsteigerbonus | 200 € einmalig bei Vertragsbeginn vor dem 25. Geburtstag | 200 € einmalig bei Vertragsbeginn vor dem 25. Geburtstag |
| Kosten | Häufig 1,5 bis 2,5 % | 1,0 % beim Standardprodukt, bei eigener Fondswahl anbieterabhängig |
| Garantien | Eingezahlte Beiträge und Zulagen müssen zu Beginn der Auszahlungsphase grundsätzlich garantiert sein | Keine verpflichtende Beitrags- oder Kapitalgarantie |
| Anlageform | Versicherungen, Banksparpläne und Fondssparpläne; häufig mit Garantieelementen | Fonds, ETFs und andere Wertpapieranlagen ohne verpflichtende Garantie |
| Renditechancen | Begrenzt, da Garantien und Sicherungsmechanismen die Aktienquote reduzieren können | Höhere langfristige Renditechancen durch höhere Aktienquote |
| Geförderter Personenkreis | Vor allem rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer, Beamte, Soldaten sowie Ehe- und Lebenspartner von Förderberechtigten | Zusätzlich Selbständige und Freiberufler |
| Auszahlung | Lebenslange Rente; bis zu 30 % des Kapitals können zu Beginn einmalig entnommen werden | lebenslange Rente oder gesetzlich geregelter Auszahlungsplan |
| Flexibilität bei der Geldanlage | Je nach Vertrag eingeschränkt; Anbieterwechsel oft kostenpflichtig | größere Auswahl und einfachere Fonds-/ETF-Anlage |
| Besteuerung der Auszahlung | Auszahlungen grundsätzlich voll einkommensteuerpflichtig | Auszahlungen grundsätzlich voll einkommensteuerpflichtig |
| Vererbbarkeit in der Ansparphase | Restvermögen wird als Einmalauszahlung vererbt, abzüglich aller Zulagen und Gewinnversteuerung (Ausnahme: Übertrag auf Altersvorsorgedepot des Ehepartners) | Depotvermögen wird vererbt, staatliche Förderung muss zurückgezahlt werden (Ausnahme: Übertrag auf Altersvorsorgedepot des Ehepartners) |
| Vererbbarkeit in der Auszahlungsphase | Keine Vererbung (Ausnahme: Vereinbarung einer Rentengarantiezeit) | Bei Auszahlungsplan wird Restvermögen vererbt, Leibrente ist nicht vererbbar (Ausnahme: Es wurde eine Rentengarantiezeit vereinbart) |
| Wohnriester / Eigenheimrente | Verwendung für selbst genutztes Wohneigentum möglich | Noch nicht zugeteilte Wohnriester-Verträge können nach den alten Regeln weitergeführt oder im Altersvorsorgedepot integriert werden. Neuabschlüsse sind ebenfalls möglich |
Zusammengefasst lässt sich sagen: Die Riester-Rente ist stärker auf Sicherheit und garantierte Leistungen ausgerichtet. Das Altersvorsorgedepot fokussiert sich dagegen stärker auf eine langfristige Kapitalmarktanlage, Flexibilität und Renditechancen.
Wann ist ein Wechsel zum Altersvorsorgedepot sinnvoll?
Ein Wechsel von der Riester-Rente in ein Altersvorsorgedepot kann sich lohnen, wenn
- noch eine lange Ansparphase besteht,
- eine höhere Risikobereitschaft vorhanden ist,
- der bestehende Riester-Vertrag hohe Abschluss- oder Verwaltungskosten verursacht,
- die größeren Renditechancen des Depots wichtiger sind als eine Beitragsgarantie,
- die Wechselkosten und der Verlust bestehender Garantien sorgfältig geprüft wurden.
Ein Wechsel ist eher nicht empfehlenswert, wenn
- der Ruhestand bereits bevorsteht,
- die garantierte Verrentung besonders wichtig ist,
- nur eine geringe Risikobereitschaft besteht,
- der bestehende Riester-Vertrag kostengünstig ist und attraktive Garantien bietet.
Fordern Sie vor einem Wechsel von der Riester-Rente zum Altersvorsorgedepot den Übertragungswert, die garantierte Riester-Rente und die Gesamtkosten des neuen Depots an. Wechseln Sie nur, wenn die erwartete Kostenersparnis und die zusätzlichen Renditechancen die entfallende Garantie und die Wechselkosten nachvollziehbar überwiegen.
Welche weiteren Alternativen gibt es zur Riester-Rente?
Eine Alternative zur Riester-Rente kann die private Rentenversicherung ohne staatliche Förderung sein. Die Höhe der Beiträge kann je nach Vertrag meist flexibel vereinbart werden. Zudem ist es möglich, je nach Tarif eine lebenslange Rentenzahlung, eine Kapitalauszahlung oder eine Kombination aus beidem zu vereinbaren. Vor dem Abschluss sollten deshalb insbesondere garantierte Leistungen, Abschluss- und Verwaltungskosten, Überschüsse sowie die Flexibilität bei Beiträgen und Auszahlung verglichen werden.
Die Basisrente, auch Rürup Rente genannt, richtet sich besonders an Selbstständige, Freiberufler und Personen mit einem hohen zu versteuernden Einkommen. Die Beiträge können steuerlich berücksichtigt werden. Im Jahr 2026 sind grundsätzlich 100 Prozent der berücksichtigungsfähigen Beiträge abziehbar, der maximale Steuerbetrag richtet sich nach dem jährlich geltenden Höchstbetrag. Eine direkte Zulage wie bei der Riester-Rente gibt es nicht.
„Welche Alternative für Sie geeignet ist, hängt unter anderem von Ihrem Einkommen, der Förderberechtigung, dem Familienstand, dem Anlagehorizont, der Risikobereitschaft und dem gewünschten Auszahlungsmodell ab. Ein bestehender Riester-Vertrag sollte nicht allein deshalb gekündigt werden, weil andere Vorsorgeprodukte höhere Renditechancen versprechen“, so Dr. Klein-Versicherungsspezialist Robin Steeb. „Staatliche Förderung, Steuervorteile, Vertragskosten, Anlagerisiken und die spätere Besteuerung müssen gemeinsam betrachtet werden. Entscheidend ist nicht allein, wie viel Kapital bis zum Rentenbeginn angespart wird, sondern welche Leistungen nach Kosten und Steuern im Ruhestand tatsächlich zur Verfügung stehen und wie gut diese zur persönlichen Lebensplanung passen.“
FAQs zur Riester-Rente
Ab dem 1.1.2027 kann kein Neuvertrag über die Riester-Rente mehr abgeschlossen werden. Die Riester-Rente wird dann durch die neue private Altersvorsorge mit Altersvorsorgedepot ersetzt. Bereits bestehende Riester-Verträge können weitergeführt werden; alternativ ist ein Wechsel in ein neues Altersvorsorgeprodukt möglich.
Nein, einen bestehenden Riester-Vertrag müssen Sie nicht kündigen. Er kann zu den bisherigen Bedingungen weitergeführt werden. Eine Kündigung oder ein Wechsel sollte nur nach Prüfung von Übertragungswert, Kosten, Garantien und möglichen Rückzahlungen staatlicher Förderungen erfolgen, da eine Kündigung finanzielle Nachteile verursachen kann.
Bestehende Riester-Verträge können ab 2027 grundsätzlich weitergeführt werden. Eine automatische Umwandlung in ein Altersvorsorgedepot ist nicht vorgesehen. Sie können Ihren Riester-Vertrag zu den bisherigen Bedingungen fortsetzen oder freiwillig in ein neues Altersvorsorgeprodukt wechseln.
Ja, für einen bestehenden Riester-Vertrag werden die bisherigen Zulagen weiterhin gezahlt, sofern die Voraussetzungen, insbesondere der erforderliche Eigenbeitrag, erfüllt sind. Für neue Verträge ab 2027 soll dagegen das neue Fördermodell der privaten Altersvorsorge gelten.
Sie können auch ab 2027 Ihren Riester-Vertrag weiter besparen. Riester-Verträge, die bis zum 31.12.2026 abgeschlossen wurden, genießen Bestandsschutz und laufen automatisch weiter. Alternativ können Sie mit Ihrem Riester-Vertrag in das Altersvorsorgedepot wechseln.
Sie zahlen zunächst keine weiteren Beiträge in die Riester-Rente ein, das bisher angesparte Guthaben und erworbene Zulagen bleiben grundsätzlich erhalten. Allerdings erhalten Sie für diesen Vertrag in der Regel keine neuen Zulagen. Laufende Vertragskosten können weiter anfallen und die spätere Rente fällt geringer aus. Eine spätere Wiederaufnahme der Beitragszahlung ist meist möglich.
Bei einer Kündigung wird der Riester-Vertrag beendet und Zulagen sowie Steuervorteile können zurückgefordert werden. Bei einer Übertragung wird das Guthaben in einen anderen förderfähigen Vertrag übertragen. So können Förderansprüche und gegebenenfalls Garantien erhalten bleiben.
Ja, bestehendes Wohnriester kann grundsätzlich weiter genutzt werden. Sie können Ihren bestehenden Vertrag weiter besparen oder in das neue Altersvorsorgedepot überführen. Ebenso können Sie einen neuen Vertrag zur Eigenheimrente abschließen.
Ob sich Ihr Riester-Vertrag weiterhin lohnt, hängt vor allem von den erhaltenen Zulagen, Ihren Steuervorteilen, den Vertragskosten und der voraussichtlichen späteren Auszahlung ab. Prüfen Sie außerdem, wie flexibel der Vertrag ist und welche Renditechancen er bietet. Ein Vergleich mit neuen Altersvorsorgeprodukten kann zeigen, ob Weiterzahlen, eine Beitragsfreistellung oder ein Wechsel für Sie sinnvoller ist. Lassen Sie sich dabei gern von einem unserer Spezialisten für Versicherungen beraten.