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EZB flüstert, Trump schreit, Frankreich redet Tacheles – Bauzinsen auf niedrigem Niveau

Lübeck, 27. April 2017 – Der Zinskommentar von Dr. Klein


+++ EZB setzt Anleihekaufprogramm fort und belässt Leitzins bei 0,0 Prozent +++ Trump ist gegen weitere Zinserhöhungen +++ Wahlausgang in Frankreich hat kurzfristig Auswirkung auf Märkte +++ kleine Bewegung bei Bestzinsen für zehnjährige Hypothekendarlehen (Stand 25. April 2017: 1,01 Prozent) +++

Zinskommentar – EZB flüstert, Trump schreit, Frankreich redet Tacheles – Bauzinsen auf niedrigem Niveau

EZB-Sitzung: Alles beim Alten

Draghi bleibt seiner Linie treu und verkündet nach der heutigen Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) keinen Strategiewechsel. Wie erwartet verändern sich der Umfang und Zeitraum des Anleihekaufprogramms nicht, auch der Leitzins wird nicht erhöht. Zuletzt waren sehr uneinheitliche Stimmen der EZB-Ratsmitglieder zu vernehmen. Immer mehr fordern immer lauter das sogenannte Tapering, den Ausstieg aus der lockeren Zinspolitik. Bis das passieren kann, ist es üblich, den Markt auf diese Neuausrichtung mittels Kommunikation vorzubereiten. Die Notenbanken tun dies in der Regel sehr vorsichtig und langfristig. Konkret bedeutet das, dass sie in ihren Erklärungen immer wieder Andeutungen eines möglichen Anstiegs platzieren. Janet Yellen, Chefin der Federal Reserve (Fed), tat dies sehr lange, bevor sie den Leitzins dann tatsächlich erhöhte. Kritiker weisen immer wieder darauf hin, die EZB verschlafe den rechtzeitigen Rückzug aus der lockeren Geldpolitik und zeigen gen Westen – zu den USA.

Die Fed erhöhte bereits drei Mal ihren Leitzins, zuletzt im März. Allerdings reagierte die amerikanische Notenbank viel schneller und rigoroser auf die Finanzkrise 2008/2009. Binnen weniger Monate senkte sie den Leitzins auf null Prozent und begann mit dem massiven Ankauf von Staatsanleihen. Bei diesem Kurs blieb sie bis 2015 – abgesehen von einem kurzen Abweichen 2013. Das führte in der Konsequenz zu einem nachhaltigen Wachstum der amerikanischen Wirtschaft. Die EZB hingegen benötigte damals deutlich länger, um auf die Bankenkrise mittels Zinssenkung zu reagieren und wagte sich auch schneller wieder an eine Erhöhung, um dann 2012 den Leitzins wieder zu senken. Erst 2015 – also mehr als fünf Jahre später als die Fed – kaufte sie Staatsanleihen. Nun gesundet die europäische Wirtschaft, aber in den verschiedenen Ländern unterschiedlich schnell. Vielleicht war der EZB das Ausmaß der Krise damals nicht bewusst und sie versuchte ihr deshalb zunächst mit homöopathischen Mittel zu begegnen, bis es zum Rückschlag kam. Danach verfolgte sie die Strategie, sie mit härteren Mitteln zu bekämpfen. Es bleibt abzuwarten, wie lange Draghi brauchen wird, um der Eurozone wieder volle Energie zuzuschreiben. 

Aktuelle Entwicklungen in Frankreich und den USA

Der Ausgang des ersten Wahlgangs der französischen Präsidentschaftswahl am vergangenen Sonntag war für die Märkte nicht überraschend. Sie hatten zuvor in einer Art Schockstarre verharrt. Die Angst vor der Konstellation zweier radikaler Europa-Gegner – Marine Le Pen (Front National) und Jean-Luc Mélenchon (Kandidat der Linken) – hätte zu viel Unsicherheit geführt. Der Sieg des parteilosen proeuropäischen Emmanuel Macron sorgte für Euphorie. Die Märkte reagierten mit einer leichten Zinserhöhung von knapp über 0,1 Prozent, nachdem sie zuvor in einer Art Schockstarre verharrt hatten. Doch nun bleibt abzuwarten, wie sich die Franzosen am 7. Mai entscheiden.

Donald Trump richtet sich in jüngster Zeit immer wieder offen an die Fed und mahnt, von künftigen Zinserhöhungen abzusehen. Das schade der amerikanischen Wirtschaft, weil der Dollar stärker würde. Damit werden Exporte teurer, importierte Waren günstiger. Er warf einigen Ländern vor, ihre Währung systematisch niedrig zu halten, um die eigene Wirtschaft anzukurbeln. Welche er genau meinte, ließ Trump im Unklaren – einzig China schloss er von den Anschuldigungen aus. Im Gegensatz zu seinen Wahlkampfaussagen sei er ein Anhänger einer Niedrigzinspolitik, ließ er die Fed wissen. Damit bringt sich Trump in Position für den Fall einer erneuten Erhöhung des amerikanischen Leitzinses im Mai.

Baufinanzierungszinsen bleiben auf niedrigem Niveau

Wie vermutet, fällt die Inflationsrate im März unter die Zwei-Prozent-Marke und liegt damit wieder unter dem Zielwert er EZB. „Mit der Nachfrage nach Energie geht auch die Teuerung zurück“, so Michael Neumann, Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG. „Ich rechne in diesem Jahr mit keiner Erhöhung des Leitzinses und auch 2018 wird die EBZ keine signifikanten Schritte in diese Richtung unternehmen. Trotzdem erwarten wir tendenziell langsam steigende Baufinanzierungszinsen. Entscheidend für die Baufinanzierungszinsen ist die Markterwartung. Und die Teilnehmer gehen auf lange Sicht von moderat steigenden Zinsen aus. Das liegt an der wachsenden Wirtschaftsleistung Europas und an den stabilen Arbeitsmarktzahlen. Zudem lassen sich die Zinsen in Europa nicht in Gänze von denen in der USA entkoppeln und dort stehen 2017 weitere Zinsschritte an“, so Neumann weiter. Im vergangenen Monat bewegte sich der Bestzins für Immobiliendarlehen mit zehnjähriger Sollzinsbindung um den Ein-Prozent-Wert.

Tendenz

Kurzfristig: schwankend seitwärts
Langfristig: steigend


Hier finden Sie die Pressemitteilung, druckfähige Grafik und das Foto von Michael Neumann.

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Über den Zinskommentar von Dr. Klein (ZiKo)

Die Dr. Klein-Experten kommentieren regelmäßig die Entwicklung der Baufinanzierungszinsen in Deutschland. Zusätzlich geben Sie eine eigene Prognose für die in Zukunft erwartete Zinsentwicklung ab.

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Anna Commentz
Leiterin PR & Presse
Tel.: +49 (0) 451/ 1408 - 7245 
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