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Europäische Schuldenkrise - endgültiger Kurswechsel bei der EZB?

Der neue Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, der sein Amt am 1.11.2011 angetreten hat, gab in der ersten Novemberwoche eine Leitzinssenkung bekannt: Die Zinssenkung von 0,25 Prozentpunkten auf nunmehr 1,25 Prozent wurde dabei mit einer leichten Rezession im Euroraum begründet, die die Notenbanker zum Jahresende hin befürchten. Viele Marktteilnehmer wurden von diesem Schritt überrascht, da die Inflationsrate im vergangenen Monat im Euroraum bei 3,0 Prozent lag und sich damit deutlich über der Zielmarke von zwei Prozent befindet. Das EZB-Ratsmitglied Nowotny deutet sogar an, dass die EZB im Dezember den Leitzins erneut senken könnte, wenn sich die Wirtschaftsaussichten weiter eintrübten.

Kritiker befürchten aufgrund des aktuellen Vorgehens der EZB, dass sich die eigentlich unabhängige Zentralbank zunehmend von der Politik instrumentalisieren lässt, um einen Rückgang der Wirtschaft auf jeden Fall zu verhindern und das bisher oberste Ziel der Preisstabilität dabei zukünftig an Bedeutung verliert. Für diese These spricht zudem, dass die EZB auch weiterhin Staatsanleihen von Ländern aufkauft (diese Maßnahme war immer als vorübergehend und im Volumen begrenzt bezeichnet worden), um die Zinsen künstlich niedrig zu halten, was diesen Ländern aktuell bei der Refinanzierung von Schulden hilft: So stiegen z.B. in Italien die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen zwischenzeitlich auf über sieben Prozent, da sich Investoren massenhaft von diesen trennten. Nur durch die Intervention der EZB stiegen die Anleihenkurse wieder, und Italien konnte sich bei der letzten Emission von Staatsanleihen Zinsen von knapp über sechs Prozent bei einer Laufzeit von zehn Jahren sichern.
Das Vorgehen der EZB kann – wie die letzten Wochen gezeigt haben – aber immer nur kurzfristig die Märkte beruhigen. Als ein Indikator, wie nervös die Finanzmärkte derzeit sind, können die Übernachteinlagen von Banken bei der EZB dienen: Je mehr die Banken bei der EZB „parken“, desto weniger leihen sie sich untereinander: Das Vertrauen der Banken gegenüber anderen Banken nimmt ab. Am 7.11. erreichte dieser Wert ein neues 17-Monatshoch. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, kann es dazu kommen, dass Banken restriktiver in der Kreditvergabe an Unternehmen und Privatpersonen agieren und das Wirtschaftswachstum negativ beeinflusst wird, weil notwendige Investitionen ausbleiben.
Die strukturellen Probleme, dass Staaten in den vergangenen Jahren auf Pump gelebt haben und die Ausgaben immer weiter ausgeweitet wurden, müssen die Staaten dringend und nachhaltig angehen, sodass ein Übergreifen der Schuldenkrise von Ländern wie Griechenland, Irland oder Portugal auf Volkswirtschaften wie Italien oder Spanien verhindert wird – der gerade beschlossene Rettungsschirm wäre nicht annähernd ausreichend, um diese beiden großen Volkswirtschaften zu stützen. Ob die Politik, wie z.B. durch gerade beschlossene Spar- und Wachstumsprogramme in Italien, das Vertrauen der Finanzmärkte in die finanzielle Stabilität zurückgewinnen kann, bleibt zu hoffen. Ansonsten ist davon auszugehen, dass die EZB zukünftig Anleihen in großem Stil aufkaufen muss (wie dies z.B. vom renommierten US-Ökonom Krugman gefordert wird), um letztendlich ein Auseinanderbrechen der Europäischen Union zu verhindern. Letzteres Vorgehen würde dabei einem vollständigen Kurswechsel der EZB gleichkommen.

 

Da die Bonität der Bundesrepublik Deutschland aktuell in keiner Weise von Investoren angezweifelt wird, kaufen diese nach wie vor vermehrt Staatsanleihen, was es möglich macht, dass sich Deutschland derzeit zu extrem günstigen Zinsen refinanzieren kann. Diese Sonderbedingung spiegelt sich ebenfalls auf dem Deutschen Pfandbriefmarkt und somit auf dem Markt für Baufinanzierungszinsen wider: Der deutsche Staat sowie Kunden, die zurzeit eine Immobilienfinanzierung benötigen, profitieren eindeutig von der Schuldenkrise unserer europäischen Nachbarländer. Gerade Anschlussfinanzierer, die in den nächsten Monaten ihre Finanzierung prolongieren müssen, aber auch Immobilienbesitzer, die erst in zwei oder drei Jahren prolongieren müssen (Forwarddarlehen), sollten das aktuelle Zinsniveau nutzen. Hierbei empfehlen wir Eigenheimbesitzern, entweder durch einen höheren Tilgungssatz, eine längere Zinsbindung oder die Kombination aus beidem die Darlehen so abzuschließen, dass am Ende der neuen Zinsbindung die Immobilie lastenfrei ist. Unsere Berater helfen Ihnen bei der Optimierung Ihrer persönlichen Finanzierung.

 

Tendenz:
Kurzfristig: stark seitwärts schwankend
Langfristig: seitwärts

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