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Welche Hiobsbotschaft kommt als nächstes?

Rechtzeitig vor der offiziellen Verkündung der Zahlungsunfähigkeit der USA Anfang August haben sich Demokraten und Republikaner auf ein Sparpaket für die kommenden Jahre geeinigt: Um die Handlungsfähigkeit zu gewährleisten, wird zunächst die Schuldenobergrenze um bis zu 2,4 Billionen Dollar angehoben. Im gleichen Zug sollen in den nächsten zehn Jahren bis zu 2,5 Billionen Dollar eingespart werden. Letzteres soll ausschließlich durch Einschnitte in allen Bereichen u.a auch im Verteidigungsetat oder bei Sozialprogrammen – jedoch ausdrücklich nicht durch Steuererhöhungen – erreicht werden. Ob diese Ziele überhaupt erreicht werden können, erscheint angesichts der nach wie vor angeschlagenen amerikanischen Konjunktur fragwürdig, da bei der Planung ein deutliches Wachstum unterstellt wurde. Unter anderem aufgrund dieser Unsicherheit und weil die Sparanstrengungen für zu gering erachtet wurde, senkte die Ratingagentur Standard & Poor’s das Kreditrating der USA von der höchsten Bonitätsstufe um eine Stufe ab. Dies und die Einsicht, dass die USA und weitere Volkswirtschaften erneut in eine Rezession abgleiten könnten, führte in der vergangenen Woche zu einem starken Einbruch der Börsen. Dieser konnte zunächst nur durch die Ankündigung der amerikanischen Notenbank gebremst werden, die Leitzinsen bis Mitte 2013 auf einem Niveau von 0 bis 0,25 Prozent zu belassen.

In der Europäischen Union ist zwischenzeitlich die Kreditwürdigkeit Italiens in den Fokus der Finanzmärkte geraten; ebenso scheint es möglich, dass das Kreditrating von Frankreich ähnlich den USA um eine Stufe abgewertet werden könnte, Derzeit wird Frankreich als Schuldner bester Bonität eingestuft. Die Folge war, dass die Renditen für Staatsanleihen beider Länder stiegen und Gelder in sichere Anlagen, wie z.B. deutsche Bundesanleihen, umgeschichtet wurden. Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) über Wochen keine Anleihen mehr am Markt gekauft hatte, wurde sie z.B. wieder bei griechischen und portugiesischen Anleihen aktiv und plant nun sogar den Aufkauf von italienischen und spanischen. Die EZB steht dabei vor folgendem Dilemma: Tritt sie nicht entschlossen genug auf und investiert nur geringe Beträge, wird diese Maßnahme verpuffen - stützt sie hingegen im größeren Stil, wird eine große Menge frisches Geld dem Wirtschaftskreislauf zugeführt, was die Gefahr einer weiter anziehenden Inflation schürt. Im Rahmen der Notenbanksitzung in der letzten Woche entschieden sich die Banker, den Leitzins nicht zu verändern. Eine Anpassung des Leitzinses auf bis zu zwei Prozent zum Jahresende – wie es Anfang des Jahres von vielen Marktteilnehmern erwartet wurde – erwarten wir angesichts der aktuellen Unsicherheiten nicht mehr.

Die Zinsentwicklung in Deutschland scheint sich weiterhin von der Realwirtschaft abgekoppelt zu haben: Suchen Investoren sichere Anlagealternativen zum fallenden Aktienmarkt oder schichten ihre Anleihe-Anlagen von Staaten mit vermeintlich gestiegenem Risiko um, investieren sie in deutsche Bundesanleihen. Die Rendite sinkt infolgedessen, und Banken, die sich auf dem Pfandbriefmarkt refinanzieren, können ihren Kunden gesunkene Baufinanzierungskonditionen anbieten. Andere Anbieter wie Versicherungen, die ihre Prämieneinnahmen durch Herausgabe von Baufinanzierungen anlegen, sind dann ebenfalls gezwungen, ihre Baufinanzierungskonditionen auf ein marktkonformes Niveau zu senken. Entspannt sich hingegen die Lage auf den Aktien- oder Anleihemärkten für ein paar Tage, entwickeln sich die Zinsen gemäß des oben beschriebenen Mechanismus in die entgegengesetzte Richtung. Diese Zinssprünge von teilweise mehr als 0,1 Prozentpunkten pro Tag erwarten wir ebenfalls für die nächsten Wochen.

Kunden, die eine Finanzierung benötigen – sei es für eine Anschlussfinanzierung oder den Kauf bzw. Bau einer Immobilie – sollten temporärer Zinsrückgänge am Markt konsequent zum Abschluss nutzen. Das derzeit günstige Zinsniveau sollte weiterhin dafür genutzt werden, die anfängliche Tilgung von vornherein auf mindestens zwei Prozent festzulegen, um die Rückzahlungsdauer des Darlehens signifikant zu verkürzen. Sollten Anpassungen der Tilgungshöhe während der Zinsbindung notwendig sein, bieten alle modernen Baufinanzierungsanbieter mittlerweile kostenfrei Tilgungswechsel an.

Kurzfristig: stark schwankend
Langfristig: steigend

Experten-Kommentar zur Zinsentwicklung

Die Dr. Klein-Experten kommentieren regelmäßig die Entwicklung der Baufinanzierungszinsen in Deutschland. Zusätzlich geben Sie eine eigene Prognose für die in Zukunft erwartete Zinsentwicklung ab.

Zinsentwicklung

Mit unserem Baufinanzierungsindex (BIX) können Sie schnell den aktuellen Zinstrend erkennen.

Rechnerübersicht

Rechnen Sie doch einfach einmal nach: Verschiedene Rechner zur Baufinanzierung.

Dr. Klein Lexikon

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