zur Startseite von Dr. Klein & Co. AG

Das schwere Erbe des Signore Draghi

Letzte Woche wurde der italienische Notenbankchef, Mario Draghi, auf dem EU-Gipfel zum neuen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) gekürt und wird damit die Nachfolge von Jean-Claude Trichet antreten, der im Herbst dieses Jahres aus seinem Amt ausscheiden wird. Was wird Herr Draghi bei seinem Amtsantritt vorfinden: Ein „Unternehmen“ namens EZB, das bei einem Eigenkapital in Höhe von knapp 82 Mrd. Euro Anleihen im Wert von ca. 1.900 Mrd. Euro in der Bilanz stehen hat und insofern eine extrem risikoreiche Investitionsstruktur aufweist. Ein signifikanter Anteil des Portefeuilles umfasst dabei Anleihen von Griechenland, die aktuell ausfallbedroht sind. In dieser Konstellation liegt der Grund für die ablehnende Haltung der EZB, eine Umschuldung Griechenlands vorzunehmen – wie es mittlerweile Politiker einiger EU-Staaten vorschlagen. Bei einer Umschuldung wäre eine sofortige Abschreibung auf die griechischen Papiere notwendig, die das Eigenkapital der EZB stark reduzieren würde. Dadurch wären die Notenbanken der einzelnen EU-Staaten verpflichtet, neue Gelder bereitzustellen.

Auf Initiative Frankreichs wird in Bankenkreisen derzeit folgender Vorschlag zur Rettung Griechenlands diskutiert: Bei Rückzahlung demnächst fälliger Schulden (z.B. durch Hilfspakete/Rettungsschirme der EU) würden die Banken als derzeitige Gläubiger 50 Prozent dieser Zahlungen Griechenland sofort wieder als Kredit mit Laufzeiten von bis zu 30 Jahren zur Verfügung stellen. Die Konsequenz wäre, dass Griechenland Zeit gewinnt, Struktur- und Sparmaßnahmen umzusetzen, die Wirtschaft anzukurbeln. So wäre es in der Lage, langfristig seine Schulden bedienen oder abbauen zu können.

Bei allen Unsicherheiten, die die Griechenlandkrise für Deutschland mit sich bringen kann, muss an dieser Stelle auch einmal auf die positiven Aspekte für die Bundesrepublik eingegangen werden: Bei dem derzeitigen Wirtschaftswachstum – Experten rechnen mit einem Wachstum von über drei Prozent auf Jahressicht – und einer Inflationsrate von 2,3 Prozent (Juni) in Deutschland, müsste der Leitzins einer Deutschen Bundesbank deutlich höher stehen, als dies aktuell der Fall ist. Lediglich die Situation in EU-Ländern wie Griechenland, Irland, Portugal oder Spanien hat die EZB in der Vergangenheit von starken Leitzinserhöhungen zurückgehalten.

Nichtsdestotrotz erwarten wir in der kommenden Woche eine Leitzinserhöhung durch die EZB in Höhe von 0,25 Prozentpunkten; verbal ließen Spitzenbanker des Institutes dies bereits in den letzten Wochen durchblicken. Eine Auswirkung auf das Zinsniveau für Immobilienfinanzierung ist aus dieser Entscheidung jedoch nicht zu erwarten. Im Moment scheint die Entwicklung der Zinsen lediglich an gute oder schlechte Nachrichten zur Krise in Griechenland gekoppelt zu sein.

Kunden, die aktuell eine Finanzierung benötigen, sollten Zinsrückgänge bei den erwarteten Schwankungen in den nächsten Wochen konsequent nutzen, ihre Finanzierung auf ein langfristig sicheres Fundament zu stellen. Wir empfehlen nach wie vor Zinsbindungen von mindestens 15 Jahren sowie eine Mindesttilgung von zwei Prozent.

Kurzfristige Zinsentwicklung: schwankend seitwärts

Langfristige Zinsentwicklung: steigend

Experten-Kommentar zur Zinsentwicklung

Die Dr. Klein-Experten kommentieren regelmäßig die Entwicklung der Baufinanzierungszinsen in Deutschland. Zusätzlich geben Sie eine eigene Prognose für die in Zukunft erwartete Zinsentwicklung ab.