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Griechenlandkrise - Auswirkung auf Baufinanzierungskonditionen?

Wann ist Griechenland zahlungsunfähig? Kommt es zu einer Umschulung von griechischen Staatsanleihen? Tritt Griechenland aus der Europäischen Union aus?

Diese und ähnliche Fragestellungen dominierten die Presse in den vergangenen zwei Wochen. Hintergrund ist die brisante Haushaltslage in Griechenland: Erhält der Staat nicht bis spätestens Mitte Juli eine Tranche in Höhe von zwölf Mrd. Euro aus dem Euro-Rettungsschirm, kann er seinen Verpflichtungen, z.B. Löhne und Pensionen zu zahlen, nicht mehr nachkommen und wäre de facto zahlungsunfähig. Aktuell prüfen Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Europäischen Union (EU) sowie der Europäischen Zentralbank (EZB), unter welchen Bedingungen eine weitere Auszahlung erfolgen kann. Einig sind sich aktuell alle Parteien, dass Griechenland alle Ziele verfehlt hat, die als Auflagen im Rahmen des Rettungsschirmes formuliert wurden: grundlegende Reformen anstoßen, Sparanstrengungen verstärken und, um sich weitere Liquidität zu sichern, die Privatisierung von Staatsbesitz vorantreiben. Experten wie der EZB-Chefvolkswirt Stark gehen von einem Vermögen von bis zu 300 Mrd. Euro aus, das verkauft werden könnte.
Während vermehrt Stimmen in der europäischen Politik auftauchen, die eine Umschuldung Griechenlands ins Gespräch bringen, stemmen sich Vertreter der EZB vehement gegen diesen Schritt. So warnte EZB-Direktoriumsmitglied – und derzeit aussichtsreicher Nachfolger von EZB-Chef Trichet – Lorenzo Bini Smaghi vor „einer geordneten Restrukturierung griechischer Altschulden.“. Er warnte in diesem Zusammenhang vor „schweren Marktverwerfungen für den Fall, dass es zu einer Umschuldung Griechenlands kommt.“ Zum einen wäre ein Zusammenbruch des griechischen Bankensystems denkbar; zum anderen ist ein weiteres Übergreifen auf andere verschuldete Euro-Länder wie Irland oder Portugal vorstellbar. Zusätzlich steht die EZB vor dem Dilemma, dass sie selbst über 40 Mrd. Euro an griechischen Staatsanleihen aufgekauft hat, die sie im Falle einer Umschuldung erheblich an Wert berichtigen muss.

Aufgrund der enormen Unsicherheit in Griechenland flüchteten Anleger vermehrt in ausfallsichere Staatsanleihen, z.B. deutsche Bundesanleihen. Die Werte der Anleihen stiegen – im Gegenzug verminderten sich die Renditen und damit das allgemeine Zinsniveau in den letzten zwei Wochen deutlich. Finanzierungsinteressenten konnten sich über verbesserte Konditionen für Immobiliendarlehen freuen – und zwar um bis zu 0,2 Prozentpunkte. Zusätzlich wurde das fallende Zinsniveau durch einen Preisverfall bei Rohöl, Industriemetallen und Agrarprodukten begünstigt, die eine zeitnahe und starke Leitzinserhöhung durch die EZB unwahrscheinlicher erscheinen lassen.

Trotz alledem bleibt die Inflation über dem Ziel der EZB von zwei Prozent. Ein Beispiel dafür ist Deutschland mit 2,3 Prozent im Mai. Experten der OSZE erwarten eine durchschnittliche Inflation von bis zu drei Prozent für den Euroraum. EZB-Präsident Trichet beteuerte letzte Woche erneut „ohne Wenn und Aber die Preisstabilität sichern“ zu wollen, was Marktteilnehmer als eine Ankündigung einer weiteren Leitzinserhöhung für Juli dieses Jahres deuten. Aufschluss darüber dürfte die am 10 Juni stattfindende Sitzung des EZB-Rates bringen.

Wir gehen davon aus, dass sich die Zinsen für Baufinanzierung in den nächsten Wochen stark schwankend – je nach Nachrichtenlage aus Griechenland – entwickeln werden. Interessenten, die eine Immobilie finanzieren möchten, sollten die aktuelle „Zinsdelle“ nutzen, um sich eine langfristige Finanzierung zu sichern. Gleiches empfehlen wir ausdrücklich Immobilienbesitzern, die in den nächsten Quartalen umschulden müssen.
Letztendlich ist unserer Meinung nach nicht davon auszugehen, dass es zu einer Zahlungsunfähigkeit und damit Umschuldung Griechenlands kommen wird, da die wirtschaftlichen Auswirkungen nicht abschätzbar wären. Wäre Griechenland eine Bank, würde sich die Bezeichnung „too big to fall“ anbieten und Griechenland wäre als systemimmanent zu klassifizieren. Über kurz oder lang dürfte das übergeordnete Thema „Inflation“ wieder in den Fokus rücken, was steigende Zinsen nach sich ziehen würde.

Tendenz:
Kurzfristig: stark schwankend seitwärts
Langfristig: steigend

Experten-Kommentar zur Zinsentwicklung

Die Dr. Klein-Experten kommentieren regelmäßig die Entwicklung der Baufinanzierungszinsen in Deutschland. Zusätzlich geben Sie eine eigene Prognose für die in Zukunft erwartete Zinsentwicklung ab.

Zinsentwicklung

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