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Wann erfolgt der nächste Zinsschritt der Europäischen Zentralbank?

Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins Anfang April um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25% angehoben hat, fragen sich die Marktteilnehmer aktuell, wann und in welcher Höhe der nächste Zinsschritt erfolgen wird. In der Vergangenheit war es stets so, dass die EZB oder zuvor die nationalen Zentralbanken nach einer Periode niedriger Zinsen ihre Leitzinsen über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren zwischen 1% und 2,5% erhöhten. Unter der Annahme, dass es keine globalen makroökonomischen Ereignisse geben wird, die zu einer weltweiten Rezession führen, gehen wir davon aus, dass uns Erhöhungen des Leitzinses in kleinen Schritten (0,25 Prozentpunkte) bis zunächst auf 2% bis Jahresende bevorstehen. Wobei die nächste Anpassung bereits im Juni erfolgen könnte. Der inflationäre Druck in der Europäischen Union (EU) liegt weiterhin über der Zielmarke der EZB von 2%, besonders in EU-Staaten mit prosperierenden Wirtschaften. Zweitrundeneffekte, die die Inflation bestärken (z.B. Erhöhung der Tariflöhne aufgrund eines höheren allgemeinen Preisniveaus), sollen auf jeden Fall verhindert werden. Dies machte die EZB deutlich.

Auf den Märkten für Rohstoffe, Nahrungsmittel und Energie zeichnet sich nach wie vor keine Entspannung ab: Gerade die Preise für Öl und Gas dürften auf hohem Niveau verharren oder weiter steigen, wenn die politischen Spannungen in Nordafrika und im Nahen Osten nicht in nächster Zeit beigelegt werden können. Ein höherer Wechselkurs des Euro kann die Preise für Rohstoffe und Energie, die auf dem Weltmarkt in US-Dollar gehandelt werden, nur leicht abfedern (der Euro-Kurs steigt, da Anleger in Erwartung von weiteren Zinssteigerungen vermehrt Euro nachfragen). Für weitere Zinsschritte in den nächsten Monaten spricht zudem, dass eine heutige Zinserhöhung der EZB die Inflationsrate erst stark zeitverzögert beeinflussen kann – Experten sprechen von 12 bis 18 Monaten.

Für Gesprächsstoff in der deutschen Bankenlandschaft sorgt derzeit ein ganz anderes Thema: nämlich die Richtlinie des Europäischen Parlaments zu Wohnimmobilienkreditverträgen, die Anfang April vorgelegt worden ist. Ihr Ziel ist es, einen gemeinsamen Binnenmarkt für Hypothekenkredite zu schaffen und allgemein für mehr Transparenz bei der Kreditvergabe zu sorgen. Darin lautet ein Passus wie folgt: Mitgliedsstaaten sollen u. a. gewährleisten, „dass Verbraucher das Recht haben, ihren Kredit vor Ende der Laufzeit (…) zurück zu zahlen“. Derzeit sind Kreditnehmer in Deutschland rechtlich an die Laufzeit ihrer Kredite gebunden. Sie können ein Darlehen frühestens zehn Jahre nach Vollauszahlung mit einer Frist von sechs Monaten kostenfrei zurückführen (§ 489 BGB). Möchten Kreditnehmer das Darlehen innerhalb dieser zehn Jahre zurückführen, z. B. wenn das Objekt verkauft werden soll, erheben Kreditinstitute eine Vorfälligkeitsentschädigung oder verwehren den Kunden die Rückführung.

Auf den ersten Blick verspricht die Richtlinie zwar mehr Flexibilität für den Kunden. Auf den zweiten Blick jedoch könnten Kreditinstitute davon Abstand nehmen, längerfristige Kredite anzubieten, oder sich das Risiko der früheren Rückzahlung vergüten lassen – und zwar durch einen deutlichen Zinsaufschlag. Hierdurch könnten die allgemeinen Kreditkonditionen ansteigen.

Wir begrüßen ausdrücklich den Vorstoß des Europäischen Parlaments, für mehr Transparenz zu sorgen. Jedoch wären höhere Zinsen für die Verbraucher zu befürchten. Es bleibt abzuwarten, welchen Einfluss die Richtlinie auf das nationale Recht in Deutschland haben wird.

Aufgrund der erwarteten Zinsentwicklung raten wir allen Kunden, die in den nächsten 60 Monaten eine Anschlussfinanzierung abschließen müssen, sich bereits heute intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen und die Zinsen durch ein Forwarddarlehen zu sichern. Unsere Experten für Anschlussfinanzierungen beraten Sie hierzu gerne.

Zinsprognose:

Kurzfristig: seitwärts
Langfristig: steigend

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