Newsletter 2008 - Mai
Die Tricks der Betrüger
Die Spionage an Geldautomaten nimmt zu. Allein im letzten Jahr wurden in Deutschland 459 Geldautomaten manipuliert, um an die Gelder der Kunden zu kommen. Laut dem Bundeskriminalamt eine Steigerung von 50 Prozent gegenüber 2006. Der Schaden in den rund 70.000 Fällen betrug rund 21 Millionen Euro.
Das Ganze hat auch einen Namen: "Skimming"- zu deutsch "abschöpfen". Dabei sind die eingesetzten Geräte meist von so hoher Qualität, dass Kunden keine Chance haben, die Manipulation zu entdecken. Wurde früher nur ein Vorsatzgerät vor den Kartenschlitz montiert und eine Kamera versteckt angebracht, gehen die Betrüger heute weit raffinierter vor. Oft wird auf dem Geldautomaten eine komplette Attrappe der Automatenvorderseite befestigt. Schiebt ein Kunde nun seine Karte in diese Attrappe, werden seine Kontodaten inklusive PIN ausgelesen und gespeichert. Mit den ausgespähten Daten werden dann Kartenrohlinge erstellt, mit denen die Betrüger Geld abholen können – so lange, bis der Dispokredit ausgeschöpft ist.
Auch wer mit der ec-Karte in einem Laden bezahlt, kann Opfer der Trickbetrüger werden. Beispielsweise brechen die Täter in Supermärkte oder Einkaufscenter ein und manipulieren das Kartenlesegerät. In Restaurants oder Tankstellen wird bei der Bezahlung die Karte einfach durch ein zweites Kartenlesegerät gezogen. Die PIN wird dann bei der Bezahlung ausgespäht oder der Kartenbesitzer wird gebeten, die PIN ein weiteres Mal in das zweite Lesegerät einzugeben. Ebenfalls ein beliebter Trick: die Manipulation von Türöffnern der Banken. Dazu werden mit einem Zusatzgerät die Kartendaten am manipulierten Türöffner ausgelesen und mit einer Kamera am Geldautomaten die Geheimzahl ausspioniert.
Leichteres Spiel mit der neuen Girocard?
Die ec-Karte wird bis 2011 nach und nach durch die neue Girocard ersetzt. Für Kunden ändert sich zunächst nichts, Zahlungen und Bargeldabhebungen können wie gewohnt vorgenommen werden. Allerdings droht ab 2011 auch das Ende des Lastschriftverfahrens. Jede Kartenzahlung muss dann mit der PIN bestätigt werden, die Bezahlung durch die eigene Unterschrift entfällt. Das bedeutet für den Kunden ein höheres Risiko, denn die PIN lässt sich von jedem eintippen, während eine Unterschrift schwerer zu fälschen ist. Fälscht der Dieb beim Einkaufen mit der gestohlenen Karte Ihre Unterschrift, trägt beim Lastschriftverfahren der Handel das Risiko und Sie bekommen Ihr Geld zurück. Bezahlt der Dieb allerdings mit Karte und PIN, kann es sein, dass Sie auf dem Schaden sitzen bleiben. Denn die Bank geht erstmal davon aus, dass Sie fahrlässig gehandelt haben. Erst wenn Sie nachweisen können, dass Ihre Karte missbraucht wurde, erhalten Sie Ihr Geld zurück.
So vermeiden Sie Skimming
- Geldautomaten, die außerhalb des Bankgebäudes angebracht sind, werden häufiger für Skimming-Attacken genutzt. Nutzen Sie deshalb lieber Geldautomaten, die in einer Filiale stehen.
- Sollte es Probleme geben und Sie werden aufgefordert, Ihre Karte noch einmal einzugeben, ist Vorsicht angesagt. Brechen Sie den Vorgang lieber sofort ab und geben Sie der Bank Bescheid. Dasselbe gilt, wenn die Karte beim Einschieben hakt.
- Karteneinzugsschächte an manipulierten Geldautomaten stehen meist um mehrere Zentimeter über. Dies ist bei regulären Einzugsschächten nicht der Fall. Deshalb: Achten Sie auf solche Auffälligkeiten und heben Sie kein Geld an Automaten ab, die Ihnen ungewöhnlich vorkommen!
- Decken Sie in jedem Fall, egal ob am Geldautomaten oder im Laden, die Tastatur mit der Hand ab. Wischen Sie einmal mit der Hand über die Tastatur oder berühren Sie jede Taste einmal. So verhindern Sie, dass Ihre Fingerabdrücke die PIN verraten.
- Vorsicht bei Prospekthaltern in der Nähe der Tastatur. Hier könnte eine Kamera versteckt sein, die die PIN heimlich ausspioniert.
- Sollten Sie im Besitz mehrerer Zahlungskarten sein, nutzen Sie den Türöffner nicht mit der Karte, mit der Sie beabsichtigen, Geld abzuholen. An der Tür müssen Sie außerdem niemals Ihre PIN eingeben!
- Suchen Sie möglichst Läden auf, in den man die Kartenzahlung mit der Unterschrift bestätigt anstatt mit der PIN-Eingabe.
- Tragen Sie niemals die ec-Karte und die dazugehörige PIN zusammen im Portemonnaie. Und schreiben Sie erst recht nicht die Geheimnummer hinten auf die Karte.
- Kontrollieren Sie regelmäßig und in kurzen Abständen Ihren Kontostand. So bekommen Sie schnell ungewollte Abhebungen mit und können das Konto sperren lassen.
Dr. Klein rät
Achten Sie auf äußere Auffälligkeiten und beachten Sie unsere Sicherheitstipps. Dennoch lässt sich Skimming nicht immer vermeiden. Wenn Sie bemerken, dass unberechtigterweise Geld von Ihrem Konto abgehoben wurde, sollten Sie die Karte so schnell wie möglich sperren lassen. Deutschlandweit ist das meist über die Sperrnummer 116 116 möglich. Zur Sicherheit erfragen Sie die Sperrnummer bei Ihrer Bank und speichern sie in Ihrem Handy. So können Sie im Bedarfsfall schnell reagieren. Informieren Sie außerdem unbedingt Ihre Bank.
Wenn Sie nachweisen können, dass Sie nicht fahrlässig gehandelt haben, wird Ihnen Ihr Geld erstattet.