Newsletter 2009 - Mai
Benzin an der Tankstelle ist wieder billiger, auch die Preise für Lebensmittel sinken: Was die Verbraucher einerseits freut, birgt auch Gefahren. Gerade ist die Inflationsrate im Euro-Raum auf rekordverdächtige 0,6 Prozent gefallen – nun droht eine Deflation. Erfahren Sie, was es damit auf sich hat.
Inflation
Unter einer Inflation versteht man eine Geldentwertung. Das bedeutet nicht anderes, als dass die Preise rasch steigen und damit gleichzeitig der Wert des Geldes sinkt. Beeinflusst wird dies durch die sich im Umlauf befindliche Geldmenge. Je mehr Geld der Staat druckt - beispielsweise für Konjunkturpakete -, umso mehr Geld ist für die gleiche Menge an Waren vorhanden. Die Folge: der Preis der Waren steigt. Die Preise der Waren im Verhältnis untereinander sind davon vorerst nicht betroffen.
Da das Einkommen der Bürger nicht in gleicher Geschwindigkeit steigt, können sich weniger Menschen diese Waren leisten. Die Folge: Die Kaufkraft schwindet und das Geld wird entwertet. So kostete beispielweise ein Frühstücksei während der schweren Inflation 1923 bis zu 320 Milliarden Papiermark.
Besonders hart trifft eine Inflation Geringverdiener sowie Hartz4-Empfänger und Rentner. Auch Tagesgelder und andere Sparkonten gehören zu den Verlierern. Zwar steigen die Zinsen, aber oft nicht hoch genug, um die Kaufkraftverluste zu auszugleichen. Schuldner dagegen profitieren von der Inflation, denn Schulden verlieren in solchen Zeiten an Wert. Zu beobachten ist auch eine Flucht in Sachwerte, da diese von der Inflation nicht "aufgefressen" werden können.
Deflation
Bei einer Deflation sinken die Preise. Die Verbraucher warten deshalb mit ihren Käufen, denn die Preise könnten ja noch weiter sinken. Dies wiederum veranlasst die Unternehmen zu Preissenkungen, um kostenintensive Lagerbestände so schnell wie möglich abzubauen. Verbraucher rechnen nun mit noch stärker fallenden Preisen und halten sich mit Anschaffungen weiter zurück. Da Unternehmen zur Vermeidung von Verlusten die Produktion neuer Güter drosseln, lässt die wirtschaftliche Tätigkeit lässt nach: die Wirtschaft schrumpft.
Die Gewinner der Deflation sind die Gläubiger, denn die Schulden steigen in ihrem Wert an. Auch Banken profitieren von der gesteigerten Sparneigung ihrer Anleger, zudem müssen sie nicht mehr so hohe Zinsen zahlen – die Gewinnspanne erhöht sich. Verlierer ist die Wirtschaft. Durch den Sparkurs der Verbraucher sinken die Einnahmen. Betroffene Firmen sparen auch bei den Personalkosten, die Arbeitslosigkeit steigt.
Stagflation
Die Kombination aus Stagnation und Inflation ist die Stagflation. Die Wirtschaft erlahmt oder kommt ganz zum Erliegen, während die Preise weiter steigen. Die Verbraucher investieren nun vermehrt in Sachwerte wie beispielsweise Immobilien.
Eine Stagflation gab es in Deutschland erstmals in den 1970er Jahren, als steigende Ölpreise zu einer Kostenexplosion in den westlichen Industrieländern führten. Die Folge waren eine geringere Nachfrage und ein massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit.
Inflation oder Deflation?
Wie es in Deutschland weitergeht? Da sind sich selbst die Experten uneinig. Zurzeit kann man wohl nur soviel sagen: Deutschland steht am Scheideweg. Man ist gespannt, in welche Richtung sich die wirtschaftliche Entwicklung vollziehen wird.