Newsletter 2008 - April
Dass Börsenkurse nicht nur von harten Fakten abhängen, sondern auch von Gerüchten, zeigt das folgende Beispiel:
Spekulanten verbreiteten im März eine Falschmeldung, wonach eine Zeitung in Kürze über finanzielle Probleme der britischen Bank HBOS berichten werde. Eine Mail eines "anonymen Bankers" unterstützte die Falschmeldung, indem sie ankündigte, die HBOS hätte um Notfallgespräche bei der Bank of England geben. Die Börse reagierte wie von den Tätern gewünscht: panisch wurden HBOS-Aktien verkauft, der Kurs stürzte in den Keller. Für die Bank bedeutete diese Falschmeldung einen Wertverlust von mehr als drei Milliarden Pfund (ca. 3,8 Milliarden Euro). Die Täter dagegen werden mit dem Kauf und Verkauf der HBOS-Aktien ein Vermögen gemacht haben.
So funktionieren Börsengerüchte
Gerüchte findet man überall, auch am Finanzmarkt. Allerdings sind nur wenige Gerüchte so bedeutend, dass sie zu heftigen Auf und Ab's des Börsenkurs führen. Oft sind es Falschinformationen, die bewusst gestreut wurden. Ziel ist es natürlich, in kurzer Zeit viel Geld zu machen. Wenn diese Gerüchte dann auch noch durch die richtigen Kanäle verbreitet werden, wird die Meldung quasi zum Selbstläufer. Auch die Zeit bzw. die derzeitige Stimmung spielen eine Rolle: Geht es an den Finanzmärkten eher ruhig zu, werden Gerüchte umso mehr beachtet.
Dass diese Informationen nur über eine kurze Zeit genutzt werden können, setzt den Börsianer natürlich unter Druck: entweder sie reagieren sofort oder sie fragen erst bei anderen Börsianern nach. Im ersten Fall hat der Urheber des Gerüchtes sein Ziel sofort erreicht, im zweiten Fall wird das Gerücht ungewollt weiter verbreitet und dessen Wirkung noch gesteigert. So oder so: das Gerücht erzielt die erhoffte Reaktion.
Und was lernen wir daraus?
Auch Börsenspekulanten lassen sich gern mal von Klatsch und Tratsch leiten. Wir sind eben alle nur Menschen. Wie sagte schon die französische Schriftstellerin Simone de Beauvoire: "Was geflüstert wird, wird am leichtesten geglaubt."