Seit dem 1. April hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) einige Förderprogramme erweitert bzw. umgestellt. Unter anderem vergibt die KfW seitdem günstige Förderkredite für die energetische Sanierung von historischen Gebäuden. Manuela Mohr, Referentin im Bereich Vertrieb bei der KfW, stellt im Gespräch mit dem Dr. Klein Blog die Änderungen näher vor.
Frau Mohr, wie ist es denn zu der Erweiterung des Kreditangebots für historische Gebäude gekommen?
Baudenkmale und Gebäude mit erhaltenswerter Bausubstanz machen einen nennenswerten Teil des deutschen Wohnimmobilienbestandes aus. Um die Energieeinsparpotenziale in Bestandsgebäuden zu heben, ist es wichtig, auch den historischen Altbaubestand in seiner gesamten Breite mit der Förderung zu erreichen. Die KfW erweitert aufgrund dessen ihr Förderangebot mit den neuen Standard „KfW-Effizienzhaus Denkmal“.
Die Förderung erfolgt ja im Rahmen des Programms „Energieeffizient Sanieren“. Welche Voraussetzungen muss denn ein historisches Gebäude erfüllen, um von der KfW gefördert zu werden?
Grundsätzlich gilt im Programm „Energieeffizient Sanieren“, dass für die zu fördernde Wohnimmobilie, einschließlich Wohn-, Alten- und Pflegeheime, vor dem 1. Januar 1995 der Bauantrag gestellt oder Bauanzeige erstattet wurde. Diese Voraussetzung ist bei historischen Gebäuden sicherlich gegeben. Darüber hinaus müssen diese Wohngebäude als Baudenkmal nach den Denkmalschutzgesetzen der Bundesländer (Denkmalliste oder per Gesetz) oder durch die Kommune als sonstige besonders erhaltenswerte Bausubstanz eingestuft werden.
Und wie sehen die neuen KfW Darlehen für historische Gebäude genau aus – wie hoch ist die maximale Darlehenssumme für die Sanierung bzw. den Kauf einer solchen Immobilie?
Gefördert wird die Komplettsanierung zum „KfW-Effizienzhaus Denkmal“ sowie Einzelmaßnahmen. Da bei historischen Gebäuden die Fassade (Gebäudehülle) oftmals besonders aufwendig gestaltet und daher schwierig zu dämmen ist, wird beim neuen Standard vorrangig auf den Jahres-Primärenergiebedarf abgestellt. Für den Transmissionswärmeverlust (Wärmedurchlässigkeit der Gebäudehülle) gibt es keine festen Vorgaben. Die maximale Darlehenssumme beträgt bei der Durchführung von Einzelmaßnahmen 50.000 Euro und bei einer Komplettsanierung 75.000 Euro.
2011 lag der Schwerpunkt der KfW-Förderungen auf dem Umwelt- und Klimaschutz sowie dem Mittelstand. Setzt sich dieser Trend im laufenden Jahr fort?
Seit Januar 2012 hat die KfW ihr Produktangebot für Unternehmen zur Steigerung der betrieblichen Energieeffizienz, zur Nutzung Erneuerbarer Energien und zur Finanzierung von Innovationsvorhaben nochmals deutlich verbessert. Größere Innovationsvorhaben zur Energieeinsparung können aus dem ERP-Innovationsprogramm mit Kredit- und Nachrangkapital von bis zu 25 Mio. EUR gefördert werden. Des Weiteren wurde der Kredithöchstbetrag im Programm „Erneuerbare Energien – Standard“ auf 25 Millionen Euro angehoben, so können zum Beispiel größere Onshore-Windparks, Photovoltaikanlagen und Anlagen zu kombinierten Strom- und Wärmeerzeugung (KWK-Anlagen) mit den Fördermitteln aus diesem Programm finanziert werden. Ergänzend zu den Kreditprogrammen unterstützen das BMWI und die KfW die Energieeffizienzberatung für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Für eine Initialberatung können Zuschüsse bis zu 1.280 Euro und für eine Detailberatung bis zu 4.800 Euro beantragt werden.
Seit 2009 existiert außerdem das KfW-Programm „Altersgerecht Umbauen“. Drei Jahre lang erhielten private Eigentümer oder Mieter Zuschüsse vom Bund, wenn sie ihre Immobilie altersgerecht renoviert haben. Seit dem 1. April stellt nun die KfW selbst das Programm auf zinsgünstige Kredite um. Besteht hier weiterhin eine hohe Nachfrage?
Durch die übersichtlichere Darstellung, den Wegfall von bisher verbindlichen Maßnahmenkombinationen und die Ausweitung der förderfähigen Umbaumaßnahmen, wie zum Beispiel Schaffung von Abstellplätzen für Kinderwagen, Rollatoren und Rollstühlen oder die Umgestaltung von Bestandsflächen zu Gemeinschaftsräumen, gehen wir davon aus, dass auch weiterhin eine hohe Nachfrage besteht. Die demographische Entwicklung und die Tatsache, dass gemäß der Kommission „Wohnen im Alter“ nur etwa 5 Prozent aller älteren Menschen in Deutschland in altersgerechten bzw. barrierereduzierten Wohnungen leben, führt zu einem steigenden Bedarf an entsprechend saniertem Wohnraum. Mit günstigen Zinskonditionen können in diesem Programm sowohl Einzelmaßnahmen durchgeführt werden als auch der komplett barrierereduzierte Umbau der gesamten Immobilie. Diesen neuen Standard „Altersgerechtes Haus / Altersgerechte Wohnung“ können Bauherren seit April 2012 als Qualitätsmerkmal ihrer Immobilien zuschreiben.
Zum Schluss hätten wir gerne noch konkrete Tipps: Wie sollten Förderwillige am besten vorgehen, um von einem der Programme profitieren zu können – und was sollten sie unbedingt vermeiden?
Ein Antrag bei einer Bank oder Sparkasse ist Voraussetzung für die Gewährung von staatlichen Fördermitteln. Schon beim ersten Treffen entscheidet sich meistens, ob der Mitarbeiter des Kreditinstituts die Kunden unterstützt. Um den Kundenberater von dem Vorhaben zu überzeugen und damit ein optimales Finanzierungspaket zu bekommen, empfehlen wir den Kunden folgende Vorgehensweise:
- Achten Sie bei der Wahl der Bank darauf, ob diese über Berater verfügen, die sich mit der Durchleitung von Fördermitteln auskennen. Vereinbaren Sie rechtzeitig einen Gesprächstermin, wenn möglich gleich mit den Fachleuten für das jeweilige Förderprogramm.
- Bereiten Sie sich sorgfältig auf das Gespräch vor. Nutzen Sie die von der KfW zur Verfügung gestellten Informationen, z.B. auf der Website www.kfw.de oder im telefonischen Infocenter.
- Sprechen Sie von sich aus das Thema „Öffentliche Fördermittel“ an.
- Wer Fördermittel nutzen möchte, muss unbedingt bestimmte Fristen einhalten. Beantragen Sie also die Mittel immer vor Beginn der Investition und kalkulieren Sie Bearbeitungs- und Prüfzeiten sowohl bei Ihrer Hausbank als auch bei der KfW ein.
Herzlichen Dank für das Interview, Frau Mohr.
Ein sehr interessanter Text. Bitte mehr davon in Zukunft!